Vom Land in die Stadt: Tiflis!

Auch heute war es noch kühl, als wir um 09:42 los fuhren. Geplant war zwar 09:30, doch die Verspätung hielt sich heute immerhin in Grenzen – gut so.

Zuerst fuhren wir auf der grossen Hauptstrasse nach Tiflis aus der Stadt, bald aber bogen wir ab auf eine kleinere Strasse. Wir folgten immer noch einer Route, die von Komoot vorgeschlagen wurde. Die Routen von Komoot sind auch ganz gut, ausser wenn sie vorsehen, durch ein Bachbett zu fahren. Wäre zwar möglich gewesen, doch wir nahmen dann doch die nahe gelegene Brücke.

Weiter gings auf einer Landstrasse mit wenig Verkehr mitten durch die grünen Wiesen und am Schloss Samtsevrisi vorbei. Es folgte ein zweites, noch grösseres Schloss beziehungsweise ein Festung, deren Namen ich aber nicht herausgefunden habe.

Ein paar Kilometer später war eine Umfahrung der nicht so optimalen Route dann nicht offensichtlich möglich, also begnügten wir uns mit einer Schotterpiste, welche teilweise in miserablem Zustand war. Richtig durchgeschüttelt waren wir froh, als im nächsten Dorf wieder Asphalt folgte. Als wir den Bahngeleisen nahe waren fuhr interessanterweise ein Zug der Firma Stadler vorbei. Interessant, dass die Georgier schweizer Züge kaufen, denn auf den Strassen sind massenhaft Lastwagen, Lieferwagen und andere Gefährte unterwegs, welche noch deutsche Schriftzüge haben, oder teilweise auch französische oder holländische. Wenn die Wagen in Westeuropa nach einigen Jahren ausgedient haben, fahren sie wohl hier nochmals mindestens so lange weiter und wen stört es schon, wenn da «Gartenbau xy» drauf steht?!

Nochmals ein paar Kilometer später gab es dann wieder eine Abweichung zur geplanten Route: Bei einer Abzweigung, die mir etwas merkwürdig vorkam, hielt ich kurz an, und sogleich kam ein Taxifahrer und liess das Autofenster runter: «Tbilisi?» ich nickte, der Taxifahrer zeigte nach rechts und nicht etwa wie die Route vorschlag gerade aus. Dieser Umweg war zwar etwa zwei Kilometer länger, doch sehr angenehm zu fahren.

Mit dem Wind im Rücken und gutem Wetter machte es mir so richtig Spass, in die Pedalen zu treten. Bald schon waren wir beim einzigen etwas längeren Anstieg des Tages und damit schon bei mehr als der Hälfte der geplanten Kilometer bis Tiflis. Hier deckten wir uns in einem kleinen Laden mit Lebensmittel ein und machten eine kurze Pause. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprachen, hatte ich es mit der Verkäuferin super lustig. Und irgendwie schaffte ich es, dass sie mir aus dem Lager eine Flasche Wasser holte, welche nicht eiskalt war. Draussen war es immer noch kühl genug, so dass ich keine zusätzliche Kühlung wollte.

Nach der besagten Steigung ging es noch ein wenig rauf und runter, doch mehr runter als rauf und mit Rückenwind ging es zügig vorwärts. In der Ferne waren die Schneebedeckten Berge des Kaukasus zu sehen und ich fragte mich, ob einer davon wohl der Kazbek ist, welchen ich 2021 bestiegen hatte.

Bald schon wurde die Besiedelung dichter, wir näherten uns unweigerlich Tiflis – und ich musste an Istanbul denken. Ob die Strassen in die Stadt auch so vollgestopft sein würden wie in Istanbul fragte ich mich. Wir nahmen noch einen Umweg bei einem Kraftwerk vorbei und landeten wieder auf einer miserablen Schotterstrasse mit unzähligen Wasserlachen vom Regen der vergangenen Tage. Immerhin hatte es hier keinen Verkehr. Als wir wieder auf einer besseren Strasse waren floss diese sehr bald in eine nun 5-spurige Riesenstrasse. 5 Spuren pro Richtung, versteht sich. So viel Verkehr wie in Istanbul hatte es zwar nicht, doch die Autofahrer hier sind viel weniger rücksichtsvoll und fahren einem links und rechts um die Ohren – wo eben gerade Platz ist. So war es für mich unangenehmer hier zu fahren als in Istanbul. Bald schon führte unsere Route jedoch auf einen Fahrradweg – dafür mussten wir allerding zuerst die Riesenstrasse überqueren – gar nicht so einfach bei nun dichtem Verkehr.

Ab jetzt war die Fahrt wieder angenehmer, da auch das Tempo der Autos deutlich geringer war, als der Fahrradweg fertig war und wir wieder auf der normalen Strasse weiterfuhren. Ziemlich genau um 18 Uhr erreichten wir den Freiheitsplatz in Tiflis – ich hörte das Glockenspiel, welches zur vollen Stunde ertönte. In der Nähe hat es ganz viele Unterkünfte und nach ein paar Umwegen landeten wir bei einem günstigen aber guten Gasthaus, wo wir usn einquartierten. Einzig unser Zimmer war noch nicht fertig, also gingen wir zuerst etwas essen. Ich erfreute mich in einem nahegelegenen veganen Café an der für mich im Vergleich zu den vergangenen Tagen grossen Auswahl an Speisen, insbesondere Desserts und amüsierte mich beim Smalltalk mit der russischen Serviceangestellten namens Anna.


Eine Antwort zu «Tag 048 – Chaschuri – Tiflis (131.42 km / 805 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    恭喜你完成了5000km🎉!48天就完成了三分之一的路程,你果然是 SuperBikeMan🦸‍♂️🚵🏼!!!

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