Dem schwarzen Meer entlang

Das Koç Otel, welches wir gestern gefühlt mit Mühe und Not gefunden hatten überraschte uns heute Morgen mit einem tollen, sehr grosszügigen Frühstücksbuffet. Auch vegane Sachen hatte es eine grosse Auswahl. Nun war ich froh, dass das mit der Pension nicht geklappt hatte – der Preis wäre lustigerweise identisch gewesen. Es kommt eben, wie es kommen muss!

Apropos: Heute Morgen hiess es bereits wieder Abschied nehmen von Erkin. Er hatte eigentlich nur bis gestern frei genommen, hatte aber schon angekündigt, dass er heute nicht im Büro sein würde. Er musste heute zurück nach Istanbul, wo er sein Auto am Samstag stehen liess. Damit fuhr er danach zurück nach Ankara, wo er lebt.

Wir gingen noch zusammen zum Strand von Karasu, um dort Abschied von einander zu nehmen, doch so ganz gehen lassen wollte er uns auch da noch nicht. Er entschied sich, mit uns noch bis zur Grenze der Stadt zu fahren, immerhin auch mehr als 5 km. Auch mir viel der Abschied nicht ganz einfach, denn es war sehr schön, mit ihm zu reisen und all die Informationen über die Türkei zu hören, die er jeweils erzählte. Ganz herzlichen Dank nochmals für alles, lieber Erkin, es war echt schön mit Dir!

So waren wir ab jetzt zu zweit unterwegs. Heute fuhren wir etwas früher los, bereits um 10:22 starteten wir vom Hotel aus. Der gebührende Abschied von Erkin brauchte natürlich auch etwas Zeit, doch schlussendlich hatten wir um 12 Uhr immerhin schon 21 km zurückgelegt.

Am heutigen Tag folgten wir alles derselben Strasse – der D010 – dem schwarzen Meer entlang Richtung Osten. Der erste Teil der Strecke war flach, einzig der Gegenwind verlangsamte uns ein wenig. Doch die Strasse befand sich in einem sehr guten Zustand und es hatte auch nur wenig Verkehr.

Der zweite Teil der Strecke war dann geprägt von Hügeln, steilen Hügeln. Hier bräuchte man im Prinzip nur zwei Gänge: Den kleinsten für das hochfahren und den grössten für das runterfahren.

Beim zweiten Anstieg kam uns plötzlich ein Auto entgegen, welches queer über die dreispurige Fahrbahn fuhr – inklusive überschreiten der Sicherheitslinie – um mitten auf der Strasse queer stehen zu bleiben und uns quasi den Weg abzuschneiden. Ein fröhlicher Herr begrüsste uns freundlich, schon fast euphorisch, und hielt uns einen Sack voller Bonbons durch das geöffnete Fenster entgegen, mit der impliziten Aufforderung, uns zu bedienen. Wir nahmen beide ganz erstaunt eine kleine Hand voll, der Herr wünschte uns auf türkisch eine gute Reise – İyi yolculuklar – und schon war er wieder weg.

Unglaublich, diese Gastfreundschaft. Auch wenn es vielleicht faktisch nur eine kleine Geste war, hatte sie eine enorme Wirkung. Der sonst schon so wunderbare Tag – wir hatten bestes Wetter und dem Meer entlang zu fahren machte Spass – war dadurch gefühlsmässig gleich doppelt so gut und diese Freude, einfach hier sein zu dürfen, war wieder sehr stark spürbar.

Kurz darauf machten wir unsere Mittagspause, ich glaube es war nach dem letzten längeren Aufstieg, bei der wir von Katzen belagert wurden. Shaun teilte sein eben im danebenliegenden Supermarkt erworbenes Fleisch mit ihnen, doch an meinem Brot waren sie nicht interessiert.

Während dem Essen sprach uns ein Mann an und fragte, was wir hier machen. Nicht etwa aufdringlich oder bedrohend, einfach neugierig. Als wir ihm in gebrochenem türkisch unsere Pläne erklärten, war er sehr erstaunt und verschwand plötzlich. Kurze Zeit später kam er zurück und schenkte uns zwei rohe Eier. Da ich nicht interessiert war, überliess ich beide Shaun.

Der dritte Teil des Tages war dann – nach einer längeren Abfahrt – geprägt von vielen Tunnels, welche lustigerweise nur in unsere Richtung existierten. Die entgegenkommenden Autos fuhren um die Küste herum, wir durch die Klippen hindurch. Zum Glück waren die Tunnels gut beleuchtet und der Verkehr hielt sich in Grenzen, super angenehm war das ganze aber trotzdem nicht. In der Schweiz wäre diese Art von Strasse eine Autobahn und im Tunnel war es, wenn es Autos und Lastwagen hatte, sehr laut.

Danach hatten wir keine zwanzig Kilometer mehr bis Karadeniz Ereğli. Ich wäre gerne noch etwas weiter gefahren – die geplante Strecke führt ab hier für eine Weile ins Landesinnere – doch es zeichnete sich ab, dass wir wohl hier bleiben würden. Denn im Landesinneren fanden wir keine Unterkunft in Reichweite. Der erste Ort, der ein Hotel hat, liegt mehr als 60 km entfernt und dabei sind auch noch mehr als 1000 Höhenmeter zu erklimmen. Angesichts der bereits mehr als 80 zurückgelegten Kilometer war das zu viel für heute.

Ausserdem hatten wir beide die letzten paar Nächte zu wenig geschlafen und so entschieden wir uns, etwas früher Schluss zu machen für heute mit der Idee dafür morgen früh weiter zu fahren. So waren wir schlussendlich bereits um 17:10 beim günstigsten Hotel, welches wir auf der Karte finden konnten. Dieses war zwar immer noch doppelt so teuer wie das letzte Nacht, doch es gab keine Wahl, zumindest nicht in dieser Jahreszeit, und immerhin war die Lage toll: Wir waren mitten im Zentrum und hatten von der grosszügigen Terrasse einen superschönen Blick auf den Hafen.

Auf einer der steilen Abfahrten…

Eine Antwort zu «Tag 032 – Karasu – Karadeniz Ereğli (83 km / 643 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    好美的日落呀!😍
    希望今天晚上你们可以睡个好觉 🌙

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