Vom Marmarameer zum Schwarzen Meer

Nach der späten Ankunft gestern Abend sind wir heute erst kurz vor halb zwölf abgefahren. Am Morgen hatte es noch geregnet, von daher halb so schlimm und natürlich wollten wir uns auch genügend ausruhen.

Kurz nach dem Start sahen wir eine Autowaschanlage und Shaun wollte seine Kette und die Zahnräder reinigen – er sagte danach, dass das schalten wieder viel besser geht.

Im folgenden ging es auf kleinen Strassen bis İzmit, was bedeutete, dass es einige Steile Anstiege beinhaltete. Besonders einer davon war so steil, dass er für mich noch ganz knapp fahrbar war. Und gleich danach wieder gleich steil runter. Da fragte ich mich schon ein bisschen «wieso?» als der Puls auf über 140 hochschoss.

İzmit war eine schöne Stadt, ausserdem hatte es hier Fahrradwege, so konnten wir dem Verkehr zu einem grossen Teil ausweichen. Es hatte sogar mehere Wasserspender, wohl für heissere Tage gedacht. Und die Bänke entlang des Radwegs waren so einladend, dass wir eine Mittagspause machten, auch wenn wir erst etwas mehr als 20 km hatten. Mit all dem Auf und Ab war es eben nicht möglich, zügig voranzukommen.

Nach dem Mittagessen war es dann etwas flacher, allerdings hatte es auch jetzt immer wieder kleine Steile Anstiege. Das änderte, als wir auf die grössere Strasse – die D100 – wechselten. Entlang des Sapanca Sees gab es eh keine andere Alternative. Hier gab es zwar relativ viel Verkehr, doch es rollte super auf den glatten Strassen und die Anstiege waren nun alle sanft. Entsprechend kamen wir nun super schnell voran.

Kurz vor Sakarya dachte ich schon, wir müssten wohl in der Stadt eine Unterkunft finden, denn ich hatte am Morgen geschaut und zwischen hier und dem schwarzen Meer gab es keine Hotels oder ähnliches. Und Karasu war noch über 60 km entfernt – mehr als wir bisher gemacht hatten und es war schon 16 Uhr. Und gestern Abend hatten wir die Erfahrung im Dunkeln zu fahren gemacht, was ich nicht unbedingt wiederholen wollte.

Doch zu meinem Erstaunen wollten die anderen beiden noch weiter, «lass es uns probieren» meinte Erkin, worauf ich erwiderte: «entweder gehen oder nicht – es gibt kein probieren» – denn wenn wir gehen, müssen wir bis zur nächsten Unterkunft kommen. Auch Shaun war dafür, weiterzufahren. Entsprechend war auch ich motiviert, müde war ich noch überhaupt nicht. Was für mich dafür sprach war: 1. Dass wir alle gehen wollten, es also eine einstimmige Entscheidung war. 2. Dass es alles einer grossen Strasse folgte, was die Chance auf unvorhersehbare Überraschungen (z.B. «wir bauen hier jetzt eine Siedlung, es gibt keine Strasse mehr») verminderte und 3. Dass es praktisch flach war – 150 Höhenmeter auf mehr als 60 km ist praktisch nichts.

Also ging es zuerst durch die Stadt und danach auf der D650 nach Norden. Es hatte zwar auch hier viel Verkehr, doch viel weniger als vorher auf der D100 und von daher war es ganz angenehm zu fahren. Das einzige, was ich nicht einberechnet hatte, war der Gegenwind. Doch auch der hielt sich noch einigermassen in Grenzen. So rollte es auch hier gemütlich aber trotzdem zügig weiter.

Nach dem einzigen kleinen Aufstieg machten wir eine kurze Pause und ich ging das erste Mal in eine türkische Bäckerei um ein Brot zu kaufen. Die grössen fangen anscheinend bei XL an, ich kaufte das kleinste Brot, welches immer noch riesig war. Ein älterer Mann kaufte gleich 3 grössere Brote, da gibt’s wohl einige hungrige Mäuler zu Hause.

Nun war es nicht mehr weit bis Karasu – vielleicht war es der Name oder auch die anderen Ortsnamen heute, aber irgendwie erinnerte mich alles an Japan heute, auch von der Stimmung und den Häusern her. Jedenfalls glaubte ich nun daran, dass wir noch vor dem eindunkeln ankommen würden. Dann hatte Erkin aber je länger je mehr Rücken- und Nackenschmerzen und musste deshalb ganz langsam weiter fahren.

So kamen wir kurz nach Sonnenuntergang in Karasu an, hatten aber noch keine Bleibe gefunden. Erkin rufte die Nummer einer Pension an, welche wir auf GoogleMaps gefunden hatten und es tönte, als ob wir dort übernachten könnten. Als wir an dem Ort waren sahen wir aber nichts von Pension als rufte Erkin nochmals an. Der Typ war anscheinend ziemlich unfreundlich gewesen und meinte nur wir sollen eine andere Unterkunft finden. Sehr komisch, Erkin meinte es wäre wohl ein illegaler Ort, der keine Steuern bezahlt. Schlussendlich fanden wir aber dann das Koç Otel, das war günstig und sehr sauber, auch waren die Leute nett. Hier konnten wir bleiben. Endlich ins Warme. Es war kühl geworden, schliesslich war es nun auch schon 20:45.


2 Antworten zu «Tag 031 – Körfez – Karasu (118.05 km / 705 hm)»

  1. Avatar von 曹雪平
    曹雪平

    小尤!遇见了新的骑行人,也有个伴很好!

    1. Avatar von Jonas
      Jonas

      是的,我很开心

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