Mit Erkin ans Meer

Heute Morgen war es wieder mal schwierig, weg zu kommen. Aufgestanden bin ich zwar gut und bereit zur Abfahrt war ich auch bald, aber es regnete. Und gleichzeitig unterhielt ich mich nochmals mit Gabriel und Samuel. Gemütlich schwatzen oder in den Regen hinein fahren? Echt nicht einfach. Aber um viertel vor zwölf musste ich dann doch endlich los, Regen hin oder her.

Ich hatte zwar, auch auf Empfehlung von Gabriel, meine heutige Route etwas angepasst, so dass sie nicht mehr alles auf kleinen Strassen ist. So wurden aus knapp 124 km noch knapp 103 und ich hatte eine gewisse Sicherheit, dass die Strassen gut werden, denn Gabriel ist die Strecke schon gefahren. Er selber würde jetzt aber einfach die direkteste Strasse nehmen, was auf knapp 90 km gekommen wäre. Den ganzen Tag wollte ich aber nicht auf einer grossen Strasse mit viel Verkehr unterwegs sein. Verkehr werde ich wohl morgen bei der Fahrt nach Instanbul noch zur Genüge haben.

Die ersten Kilometer waren noch zäher als gestern, so stand nach einer Stunde fahrt der Kilometerzähler erst bei etwas mehr als 15. Es ging auch wieder alles rauf und runter, nicht ganz so viel wie gestern aber eben doch nie flach. Am Anfang war es ausserdem etwas schwierig, aus der Stadt raus zu kommen, weil es viele Ampeln und noch mehr Verkehr hatte. Und es regnete. Die Prognose war, dass es um 14 Uhr aufhören würde, doch dem war nicht wirklich so.

Und dann kam auch noch ein weiterer Platten dazu. Meine Stimmung war gerade am Tiefpunkt des Tages angekommen. Zum Glück war da wieder ein Unterstand für Leute, die auf den Bus warten. So konnte ich das Fahrrad immerhin im trocknen flicken. Komischerweise fand ich aber das Loch im Schlauch nicht, auch nicht unter Wasser bie der tiefen Pfütze gleich neben der Haltestelle. Vielleicht war es auch bloss ein Problem mit dem Ventil. Die Reparatur hat mich insgesamt dann doch etwa 30 Minuten gekostet, und die Zeit war heute wieder mal rar.

Doch danach ging es plötzlich viel besser vorwärts. Es hörte dann doch noch auf zu regnen und ich kam wieder leichter vorwärts. Als ich in einem grösseren Dorf im Verkehr war, wurde ich von zwei jungen Typen im Auto angesprochen. Sie fragten mich, ob ich Hunger hätte. Ich verneinte, denn ich wollte weiter. Sie fragten ebenfalls, ob ich schon einen Platz zum schlafen hätte. Ich bejahte und darauf fragten sie mich, ob bei mir wirlich alles okay sei. Ich bejahte nochmals und die beiden verabschiedeten sich mit den Worten «okay, also wenn bei dir alles gut ist, dann gehen wir…». Das war genau die Gastfreundschaft, von der ich viel gehört hatte. Auch Samuel und Gabriel hatten das zu hauf erlebt. Wenn ich gesagt hätte, dass ich Hunger habe, hätten sie mich wohl zum Essen eingeladen und danach – so zumindest Gabriels Erfahrung – wäre es möglicherweise gemütlich geworden und sie hätten dann gesagt ich soll doch gleich dort bleiben. Wirklich unglaublich, diese Gastfreundschaft und meine Stimmung hatte sich dadurch sehr deutlich verbessert. Einfach toll, in so einem Land unterwegs sein zu dürfen.

Sofort weiter wollte ich nicht nur, weil ich spät dran war zu meinem nächsten Warmshower-Gastgeber, sondern auch, weil mein Freund Erkin ab heute mitfahren wollte. Auch bei ihm schien nicht alles nach Plan zu laufen. Er kam von weit her mit dem Auto und hatte ziemlich viel Verspätung, da er noch ein Problem mit seinem Fahrrad hatte und es zum Mechaniker bringen musste. Nun war er aber mit seinem Cousin im Auto unterwegs zu mir. Schlussendlich überholten sie mich etwa 13 km vor dem Zielort, doch Erkin wollte unbedingt noch ein Stück mit mir Fahrrad fahren, dafür war er ja gekommen.

Die letzten Kilometer ging es mehrheitlich bergab und so war ich dann trotz allem kurz vor halb sieben bei meiner Unterkunft. Nicht gerade früh, aber auch nicht super spät. Und es reichte noch für einen kurzen Spaziergang ans Meer. Erkin wollte nicht hier bleiben, er suchte sich mit seinem Cousin eine Unterkunft in der Nähe. Aber morgen können wir dann den ganzen Tag zusammen fahren. Darauf freue ich mich schon. Und morgen geht’s auch wie schon erwähnt nach Istanbul. Ich kann’s kaum erwarten. Und der Wetterbericht sieht auch sehr gut aus – Sonenschein ohne Wolken und bis zu 18 Grad! Alles bestens also für die letzte Etappe dieser ersten Phase meiner Reise…


Eine Antwort zu «Tag 027 – Lüleburgaz – Silivri (102.56 km / 902 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    很开心你跟Erkin成功会和,虽然过程有些波折。启程之前听你给我介绍Erkin,说你们会一起在土耳其骑行,当时觉得还很遥远,现在你们已经见面了。就像你在家的时候说复活节会到伊斯坦布尔,感觉好远,转眼间明天就要到了。明天见!

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