Türkisches Hinterland
Heute Morgen wollte ich früh los, denn für den späteren Nachmittag war Regen angesagt. Ganz so früh war es dann doch nicht, bis ich mich kurz vor 10 auf den Weg machte. Die Ankunft gestern war spät und entsprechend ging ich auch spät schlafen und so verzögerte sich am Morgen alles ein wenig.
Statt auf der Hauptstrasse D100 direkt von Edirne nach Lüleburgaz zu fahren, entschied ich mich, etwas ins türkische Hinterland zu fahren, um dem Verkehr auszuweichen. So waren es statt um die 80 km eben mehr als 120. Und 1333 Höhenmeter. Um ehrlich zu sein hatte ich die Etappe heute etwas unterschätzt. Die Kilometerzahl schaute nicht so beängstigend aus und bei den Höhenmetern machte ich mir auch keine Gedanken. Schlussendlich war der Tag aber intensiver, als ich erwartet hatte. Zum einen ging es wirklich fast immer entweder nach oben oder nach unten, zum anderen waren diese kleinen Strassen ohne Verkehr teilweise in einem miserablen Zustand. Es hatte auch längere Streckenabschnitte auf nassem Sand dabei, wo mein Fahrrad am Untergrund zu kleben schien, es war ähnlich, wie mit wenig Luft im Reifen zu fahren – ein Gefühl, welches ich nach den Platten nur zu gut kannte.
Dafür war das Wetter besser als erwartet. Immer wieder spürte ich einzelne Tropfen, doch richtig Regnen wollte es nicht. Erst in Kirklareli kam der erste richtige Regen. Ich zog nur meine Regenjacke an und fuhr weiter in kurzen Hosen, wie schon den ganzen Tag heute. Und das war die richtige Entscheidung – nach nur 10, 15 Minuten hörte der Regen wieder auf, meine Beine waren sofort wieder trocken und kalt hatte ich auch nie, die Temperaturen waren zwar noch nicht besonders hoch, doch für 10 Minuten und mit warmem Oberkörper war es so völlig ok. Danach regnete es nicht mehr bis zum Schluss, erst nach meiner Ankunft kam der angekündigte Regen dann doch noch.
Etwa 18 km vor dem Etappenzielort setzte ich mich mit meinem Gastgeber von heute Abend in Verbindung und der meinte, er sei nur noch eine knappe Stunde da, danach gehe er nach Hause. Also erhöhte ich die Geschwindigkeit und fuhr etwas über meinem gemütlichen Tempo mit leicht erhöhtem Puls, um sicher noch vor 17:30 anzukommen. Das gelang mir schlussendlich auch, noch etwa 5 Minuten hatte ich am Schluss übrig.
In Lüleburgaz konnte ich zum zweiten Mal bei einem Warmshower-Host übernachten. Dieses Mal war die Unterkunft ganz speziell: In Lüleburgaz gibt es ein von der Gemeinde gesponsertes Projekt, wo Leute in einem Fahrrad-Park Velos ausleihen und auf den Bahnen im Park herumfahren können. Der Gastgeber arbeitet hier, weshalb er eben am Abend auch nach Hause geht.
Das Gelände ist ziemlich gross und beinhaltet einige Gebäude. In einem der Gebäude hat es Räume, welche Radreisenden zur Verfügung gestellt werden. Es hat auch eine Küche zum kochen und alle möglichen Utensilien, die ein Radreisender benötigen könnte wie Werkzeug, etc. Ebenfalls hier übernachteten heute Samuel aus Deutschland und Gabriel aus Argentinien – sie hätten mich übrigens auch noch reinlassen können, wenn ich es bis 17:30 nicht geschafft hätte, aber das wusste ich vorher nicht.
Samuel ist etwa seit einem halben Jahr unterwegs und auf dem Weg zurück nach Deutschland. Gabriel aus Argentinien fährt seit zwei Jahren und sein ambitioniertes Projekt ist es, jedes Land der Erde mit dem Fahrrad zu besuchen. Nur Fahrrad und Fähren sind erlaubt innerhalb eines Kontinents, keine anderen Transportmittel. In Europa fehlen ihm noch das Vereinigte Königreich, Irland und Island. Entsprechend geht auch sein Weg richtung Nordwesten weiter. Mit den zwei plauderte ich noch lange. Spannend, was sie alles erlebt hatten und gleichzeitig inspirierend, denn sie sind ganz anders unterwegs als ich.
Ein bisschen mulmig ist es mir noch, da ich nur bis Istanbul alle Tagesetappen geplant habe. Wie es danach weiter geht, weiss ich nur im Groben, die Details muss ich dann wohl Tag für Tag schauen. Ich bin halt jemand, der gerne plant und weiss, was er machen wird. Doch genau diese Herausforderung, dass es mal anders ist, wird bestimmt auch eine Bereicherung sein. Ich bin gespannt, wie das sich entwickelt und freue mich darauf. Aber zuerst habe ich ja noch zwei geplante Tage, bis ich am Sonntag in Istanbul bin.










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