Wachau mit Umweg

Am Morgen hegte ich noch die Hoffnung, dass ich es bis Wien ohne Regen schaffen würde und anfangs sah es auch so aus. Die Sonne schien und nicht viel deutete auf die angekündigten 20% Regenwahrscheinlichkeit hin. Nach knapp 21 km kam die Fahrt allerdings ins Stocken. Eine Baustelle. Als ich mich der Abschrankung näherte hörte ich laute Rufe, welche wohl mir gegolten haben. Ich blieb fast ein wenig ungläubig stehen, die betroffene Stelle war nur 50 bis maximal 100 Meter lang und es reizte mich, einfach durchzufahren. Doch noch während ich am abwägen war, kam ein anderer Radfahrer neben mir zu stehen und wir kamen ins Gespräch. Es war Sepp, auf einem Tagesausflug mit seinem wunderschönen BMC Rennrad. Er riet mir davon ab, einfach durchzufahren, da seine Einschätzung war, dass die wohl die Polizei rufen würden. Auch auf Nachfragen bei einem Bauarbeiter, der neu zur Szene kam, wurde uns keine Durchfahrt – es hätte maximal 1 Minute gedauert – gewährt. Um 12 sei Mittagspause, dann könnten wir durch – da hätte ich aber etwa 2 Stunden warten müssen.

Also nahm ich die – immerhin gut ausgeschilderte – Umleitung. Statt dem Flachen Radweg der Donau entlang ging’s jetzt bergauf. Gemäss Google Maps war die Umleitung nur 10 Minuten länger – dann hätte ich aber einen grossen Teil des UNESCO-Welterbes der Wachau verpasst. Also Entschied ich mich, so bald wie möglich wieder zur Donau runter zu fahren. Das bedeutete aber viel mehr Höhenmeter: Schlussendlich ging es von etwa 200 m.ü.M. bis auf 664 m.ü.M. bei teils doch sehr steilen 12% Steigung. Mit so viel Gewicht am Fahrrad nicht ganz leicht zu fahren. Der oberste Teil und ein Grossteil der Abfahrt waren dann auch noch Schotterweg, zum Glück aber von der Sorte «rollt gut». Und ein bisschen Aussicht gab’s auch noch, immerhin.

Der Umweg hat sich aber meiner Meinung nach gelohnt, auch wenn ich geschätzt eineinhalb Stunden länger brauchte. Das mit den zwei Stunden warten wäre also gar nicht viel später geworden. Doch die Landschaft war sehr schön und bei einem Weinbauernhof verpflegte ich mich mit Pfirsisch-Nektar, hier Marillen genannt, der wirklich ausgesprochen lecker war.

Kaum wieder auf dem Fahrrad, nach etwa 44 zurückgelegten Kilometern, fing es dann doch noch das erste mal an zu Regnen auf meiner Reise. Wobei sich unter die Regentropfen auch kleine Eiskörner mischten, also eher kalt das ganze. Doch nach über 933 km das erste Mal Regen, da kann ich mich nicht beklagen. Und nach 15 Minuten war auch schon wieder Schluss. Zumindest vorübergehend. Auf den nächsten Kilometern zeigte sich das Wetter sehr unbeständig. Typisch Frühling halt: Mal Sonnenschein, mal Regen, mal beides zusammen. Da ich das Gefühl hatte, dem Regen davon fahren zu können, machte ich auch heute wieder erst sehr spät meine Mittagspause, nämlich nach etwa 94 km. Jetzt endlich schien die Sonne etwas konstanter und ich konnte mich während dem verpflegen an ihren Strahlen wärmen.

Und die Sonne schien nun bist fast nach Wien. Nach der Verpflegung war auch meine vorherige leichte Müdigkeit weg und es rollte wieder wunderbar. Ich musste mich richtiggehend zurückhalten, nicht zu sehr auf’s Pedal zu drücken. So war ich dann trotz des beträchtlichen Umwegs schon kurz vor 17 Uhr bei meinem Hotel in Wien, was mich sehr freute. Anscheinend kann ich auch solche ungeplanten Umwege locker hinnehmen, gut zu wissen. Damit liegen schon mehr als Tausend Kilometer hinter mir und der erste geplante Ruhetag steht bevor.


3 Antworten zu «Tag 009 – Pöchlarn – Wien (136.32 km / 766 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    今天开心地玩儿吧!!!

  2. Avatar von 温新
    温新

    继续保持

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