Kleine Zusatzrunde ans Ziel
Gestern Abend hatte ich etwas virl gegessen, obwohl ich einen grossen Rest einpacken liess und mitnahm. So hatte ich heute morgen kaum Appetit und ass nur wenig bevor ich um 07:50 in den Sattel stieg.
Bis zum höchsten Punkt des Tages nach etwa 16.5 km brauchte ich eine Stunde und 50 Minuten. Einerseits waren da die knapp 500 Höhenmeter, andererseits blies mir auch wieder ein strammer Wind entgegen. Und dann kam auch noch ein Stück Schotterstrasse dazu, was das Vorwärtskommen für einige Kilometer noch mehr hinderte. Das war der erste längere Schotterabschnitt für mich in China und auch nur weil es eine Abkürzung war. Sonst sind die Strassen wirklich immer gut hier.
Die lange Abfahrt startete an Windrädern vorbei, welche den Gegenwind ebenfalls visualisierten. Nach kurzer Zeit hatte ich doppelt so viele Kilometer wie beim höchsten Punkt, denn trptz Gegenwind rollte es super den Berg herunter.
Dann traf ich auf Jaime und Andres aus Spanien, welche auf ihrem Weg von Peking zurück ins Heimatland sind. Für sie war ich wie schon für andere Fahrradfahrer der erste Bikepacker, dem sie begegneten. Wir tauschten uns ein bisschen aus und fuhren dann in unsere jeweiligen Richtungen weiter. Vielleicht werde ich die beiden in der Schweiz wieder sehen, liegt ja am Weg ;-).
Bald war ich in Yongchang wo ich in einem kleinen Park stadtauswärts eine Mittagspause machte und nun das restliche Essen von gestern noch aufass.
Ich hatte noch eine Höhemeter zum runterfahren und so ging’s nach der Pause in hohem Tempo weiter. Bis mein Fahrrad plötzlich anfing zu schwabbeln so dass ich kaum noch fahren konnte: Platten! Wieder ein Drahtstück, das im Reifen steckte. Auf chinesischen Strassen liegen echt viele Lastwagenreifenstücke, welche unter anderem aus solchen Drähten bestehen. Gleich neben dem Ort, wo ich meinen Schlauch wechselte lag ebenfalls eines, welches ich als Beispiel fotografierte. Nach der Reperatur prüfte ich mit meiner Fahrradpumpe noch den Reifendruck im Vorderreifen, welcher bei nur 3.1 Bar lag. Der Hinterreifen hatte wohl auch nicht viel mehr drin gehabt. Ich wollte das schon seit langem machen, nahm mir aber nie die Zeit. Nachdem ich noch bis 4.3 Bar aufpumpte fuhr ich weiter. Nun sollte es noch besser rollen.
Allerdings sind so die Unebenheiten auf der Strasse auch besser zu spüren, das bessere Rollen geht also etwas auf Kosten des Komforts. Insbesondere bei einer Wiegestation, wo ich über Temposchwellen fuhr, wurde das sehr deutlich, es spickte mich ziemlich hart auf und ab.
Kurze Zeit später ein Schreckmoment: Ich konnte mein Mobiltelefon nicht mehr finden und das etwas mehr als 6 km nach der Reperatur, wo ich es bestimmt noch hatte. Ich erinnerte mich, dass ich es in meine Rückentasche steckte und nicht wie gewohnt in die Rahmentasche, wo es etwas besser hält. Aber da war doch was: Die aggressive Temposchwelle! Dort fiel es bestimmt raus. Ich fuhr zurück und war in Gedanken dabei mir auszumalen, was es bedeuten würde, das Smartphone verloren zu haben. Ein Riesenproblem! Alle Informationen die ich für die Reise benötige sind da drauf – ohne würde ich nicht einmal das nächste Hotel finden.
Bei der Temposchwelle angekommen sah ich kein Handy und fuhr weiter zurück, kehrte aber nach 200m wieder um, es musste doch dort herausgefallen sein. Vielleicht gab es jemand bei der Bezahlstation ab? Ich kehrte um und sah dann doch noch ein Telefon am Boden liegen, hinter einer kleinen Schwelle und deshalb von der anderen Seite her nicht so gut sichtbar. Puh, Glück gehabt und das Telefon war auch noch ganz umd funktionierte noch, es war bloss etwas heiss vom in der Sonne liegen.
Erleichtert fuhr ich wieder den Berg hinunter Richtung Wuwei und dachte dabei: «Immerhin hatte ich so heute auch mal 3.5 km Rückenwind.» Ich kaufte mir beim nächsten Laden ein Sportgetränk und war nun wieder voller Energie für die letzten Kilometer. Bald sah ich in der Ferne die Stadt und war dann auch in Kürze bei meinem Hotel. Einzig bei der ganz leichten Steigung ein paar Kilometer vor Schluss fühlten sich die angeblichen 35 Grad Aussentemperatur etwas sehr heiss an, ansonsten sorgte der Fahrtwind auf der Abfahrt dafür, dass es sich angenehm anfühlte. Ich habe mich aber wohl in der Zwischenzeit auch etwas an die Hitze gewöhnt.












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