Duku Hochstrasse
Heute morgen schmerzten meine Beine, doch das kenne ich schon vom Marathon laufen – das ist die Vorfreude. Und das Phänomen ist auch wissenschaftlich bewiesen. Mit den Beinen war alles in Ordnung, denn als ich um kurz vor 9 losfuhr fühlte sich alles locker an und ich konnte ohne grosse Anstrengung die grosse Steigung von knapp 1200 Höhemetern bis zum Pass auf 3450 m.ü.M. hochkurbeln.
Die Landschaft war spektakulär und entsprechend viele Bilder habe ich gemacht. Die Polizei war auch beschäftigt mit dem vielen Verkehr doch für mich interessierten sie sich überhaupt nicht. Heute war der zweite Tag in Folge, an dem ich meinen Pass kein einziges Mal gezeigt hatte.
Bereits bevor ich den höchsten Punkt des Tages und wohl auch meiner gesamten Reise erklommen hatte kam mir der erste vollbepackte Fahrradfahrer entgegen, bzw. sauste an mir vorbei runter ins Tal. Während dem Tag traf ich noch einige weitere Fahrradfahrer aber ausser bei dem ganz oben gleich vor dem Tunnel auf dem Pass blieb es beim gegenseitigen «Jia You» zurufen.
Mit dem Fahrradfahrer auf dem Pass – ich war nach etwas mehr als drei Stunden oben – unterhielt ich mich eine Weile und er machte Fotos von mir. Ich meinte es sei wunderschön und da entgegnete er nur: «Warte nur, bis du durch den Tunnel gefahren bist, auf der anderen Seite ist es noch schöner». Und genau so war es.
Die Berge heute waren spektakulär und ich finde es faszinierend, wie es möglich war, in diesem Gebirge noch eine Strasse zu bauen. Die sehr lange Abfahrt konnte ich nur teilweise geniessen, denn es war zu viel Verkehr. Und einige Autofahrer überholten mich, nur um mich bei der nächsten Kurve, wo ich schneller fahren kann als sie, wieder auszubremsen. Das triggerte mich und so fing ich auch an zu überholen. Mindestens bei den Autofahrern, die anscheinend das erste Mal in den Bergen unterwegs waren und am runter schleichen waren hatte ich nach dem Überholen für einige Zeit Ruhe, bzw. freie Fahrt. Doch ich musste mich etwas zurückhalten, denn die Sicherheit steht immer noch an erster Stelle und der Spass am runtersausen kommt erst später.
Der wirkliche Test des Tages war allerdings nicht der erste und höhere Pass, sondern die letzte Steigung etwa 40 km vor Dushanzi, wo es nochmals 600 Höhemeter nach oben ging. Immerhin die Hälfte der ersten grossen Steigung. Nun waren die Beine aber nicht mehr frisch wie am Morgen und genauso wenig frisch war das Wetter. Am morgen war es angenehm kühl, nun schon ziemlich heiss. Doch schlussendlich bin ich auch diesen Pass gut hochgekommen.
Auf der 30 km langen, finalen Abfahrt merkte ich dann, wie es richtig heiss wurde. Sobald ich anhalten musste und der Fahrtwind weg war – einmal überquerte eine grosse Schafherde die Strasse – merkte ich, wie heiss es war.
Schlussendlich kam ich aber gut bei meiner Unterkunft in Dushanzi auf etwa 760 m.ü.M. an, etwas müde zwar, doch es war auch schon kurz vor sechs, ich war also neun Stunden unterwegs. Ob es heute wirklich 2353 Höhemeter waren bin ich nicht ganz sicher, denn mein Fahrradcomputer zeigt in China nur 0 Höhemeter an. Die 2353 Höhenmeter ist die Schätzung von Strava gemäss Karte. Mindestens 2000 müssten es aber allemal gewesen sein, denn schon nur die grossen Steigungen von 1200 und 600 bringen mich nahe an diese Zahl und da waren auch noch einige Gegensteigungen auf dem zweiten Teil der ersten Abfahrt.
Nun lasse ich die Berge aber hinter mir und bin auch guten Mutes, dass ich es bis Samstag, wenn meine Freunde ankommen, nach Urumqi schaffen sollte. Es sind schliesslich nur noch etwa 250 fast flache Kilometer und das könnte ich gut in 2 Tagen fahren. Mal schauen, ob ich morgen nach dem langen Tag heute einen Ruhetag mache.


















































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