Durch die Wüste fast im Regen

Nachdem ich am Morgen bereits um 8 Uhr gefrühstückt hatte – ich wollte eigentlich früh los – fühlte ich mich irgendwie nicht gut. Ausserdem regnete es zu meinem Erstaunen draussen, doch bei 28 Grad hätte mich das wohl eher gefreut als gross gestört. Ich legte mich nochmals ins Bett und schlief prompt nochmals ein. So fuhr ich schlussendlich erst um halb zwölf los – vom Regen war da nichts mehr zu bemerken, alle Strassen waren trocken.

Entgegen meiner ganz anfänglichen Planung habe ich mich entschieden, einen Abstecher nach Xiva zu machen. Einerseits wäre es schade, die Stadt, die seit 1990 zum UNESCO-Welterbe gehört zu verpassen, wenn ich schon so nahe bin. Andererseits führt meine ursprünglich geplante Route eine sehr lange Strecke durch die Wüste, wo wohl auch die Verpflegung etwas schwieriger wäre.

So fuhr ich in Richtung Xiva los, wobei auch auf diesem Weg kurz nach verlassen von Nukus erstmals Wüste folgte. Die ersten paar Kilometer fühlte ich mich frisch, ich dachte schon das nochmals ausruhen hatte sich gelohnt. Doch danach hatte ich eine kleine Minikrise. Obwohl mein Puls relativ tief war und ich mich von der langsamen Geschwindigkeit aufgrund des Gegenwindes nicht gross aus dem Rhythmus bringen liess fühlte ich mich irgendwie schlecht. Auch nach einer längeren Verpflegungspause war das nicht viel besser.

Erst als ich den Wüsten-Teil abgeschlossen hatte und von der A-380 rechts abbog und in etwas grünere Gegenden kam, änderte sich das. Es fühlte sich zwar noch immer wie Gegenwind an, doch nun fuhr ich bei gleich intensivem Treten deutlich schneller und fühlte mich wieder voller Energie. Vielleicht lag es daran, dass es etwas bewölkter war? Doch schon in der Wüste war die Sonne etwas zurückhaltend und ich hatte ein paar Tropfen Regen gespürt, es wollte aber nicht wirklich regnen. Und dabei wäre heute wohl der erste Tag meiner Reise, an dem ich mich über Regen gefreut hätte. Jedenfalls kam ich nun trotz schlechterer Strasse gut voran und spürte ab und zu ein paar Regentropfen – doch auch jetzt regnete es nie wirklich.

Ich bin heute morgen losgefahren, ohne zu wissen, wo ich am Abend übernachten kann, denn auf allen mir bekannten Buchungsplattformen und Karten fand ich kein Hotel, welches in meiner Zielgegend lag. Der kühne Gedanke, direkt bis Xiva zu fahren – das wären etwa 170 km gewesen – durchkreuzte auch kurz meine Gedanken, doch dazu hätte ich früher losfahren müssen und weniger Gegenwind wäre dafür auch von Vorteil gewesen. Ich hatte mich schon ein bisschen darauf eingestellt, dass ich doch noch das erste mal das Zelt benützen würde. Ich folgte der Route von zwei Engländern, welche im Jahr 2019 hier waren und fuhr bis zu dem Punkt, wo sie auf der Karte eine Übernachtung markiert hatten – hier würde ich bestimmt auch eine Lösung finden. An dem Ort war ein Café und ich dachte vielleicht lässt sich da etwas arrangieren, auch wenn es bloss ist, dass ich dort mein Zelt hätte aufstellen dürfen. Beim Café angekommen versammelte sich bald eine Gruppe von mehr als 10 Personen um mich herum. Auf meine Frage, wo es denn eine Unterkunft gebe mit dem Hinweis, dass ich auch Zelt und Schlafsack dabei habe, antwortete die Schwarmintelligenz, dass im nächsten grösseren Ort ein Hotel zu finden sei.

Also machte ich mich nochmals auf, um die 12 km bis Gurlan zu fahren. Ursprünglich wollte ich eh noch ein Stück weiter, um morgen frühzeitig in Xiva zu sein und noch Zeit für die Stadt zu haben, also war es mir so gerade recht. Das Hotel fand ich dann auch ohne Probleme und konnte meine heutige Etappe kurz nach halb sieben beenden.


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