Entspannen…
Nach den vergangenen Tagen habe ich etwas realisiert: Ich bin zu schnell gefahren. Nachdem es ein paar Tage lang super gegangen ist mit Rückenwind und gut rollenden Strassen wollte ich dieses Tempo aufrechterhalten und drückte immer hart in die Pedalen, sobald ich etwas langsamer unterwegs war. Doch der Untergrund und der Wind haben einen riesigen Einfluss darauf, wie schnell es vorwärts geht. Und vom Laufsport her kenne ich es ja: Schon nur ein kleines bisschen schneller bzw. langsamer und ich laufe am Limit oder eben in einem angenehmen Ausdauertempo, welches ich für Stunden laufen kann. Zeit gewinnt man mit dem am Limit sein aber kaum.
So habe ich mir heute nur etwas vorgenommen: Langsam zu fahren und mich dabei zu entspannen. Ich muss noch mehr lernen, auf meinen Körper zu hören. Dabei ist der Pulsgurt, den ich trage, eine Hilfe. In den ersten Tagen habe ich gemerkt, dass ich mit dem Puls um die 110 bin, wenn ich gemütlich fahre – und dass ich den Puls nicht über 120 steigen lassen sollte. So ist es mir richtig gut gegangen und die letzten paar Tage habe ich das missachtet.
Heute gelang es mir sehr gut, ganz gemütlich zu fahren, auch wenn ich mich immer wieder selbst daran erinnern musste. Dabei versuchte ich, tief in den Bauch zu atmen und mich zu entspannen. Eigentlich wie eine Meditation, einfach fahre ich dabei noch Fahrrad. So fielen mir auch die vielen Blumen am Wegrand, die blühenden Bäume und die hübschen kleinen Dörfer wieder viel mehr auf als in den letzten Tagen.
Nach etwa 28 km kam dann die nächste Herausforderung: Eine Schotterstrasse, über welche ich mich in der Vergangenheit noch geärgert hätte. Heute aber schaute ich auf den Puls, egal wie schnell ich dabei unterwegs war, und so konnte ich weiter im tiefen Pulsbereich bleiben und die etwa 12 km fühlten sich gar nicht so lang an. Trotzdem war ich froh, als es wieder etwas leichter rollte. Und als beim nächsten Schotterabschnitt noch der Gegenwind dazu kam, dachte ich: Okay, das ist jetzt halt wieder «next level». Auch hier gelang es mir, langsam weiter zu fahren. Wow. Wenn ich schneller fahre ist die relative Windgeschwindigkeit noch höher dachte ich noch… so konnte ich mich weiterhin entspannen.
Nach der Mittagspause in Baja waren es nur noch etwas mehr als 30 km bis zum Etappenzielort. Doch nun war mir die Langsamkeit doch noch abhanden gekommen. Einerseits hatte ich nun plötzlich super Rückenwind, womit ich gefühlt über den Asphalt schwebte, andererseits wusste ich, dass die Fähre nach Mohács nur einmal pro Stunde fährt. Ich war mir allerdings nicht mehr sicher, ob dies immer zur vollen Stunde oder 10 Minuten später war. Im Kopf ausgerechnet sollte es gerade so auf die nächste Fähre reichen, falls diese 16:10 fährt. Das heisst auch es würde eventuell gerade nicht reichen, wenn sie um 16 Uhr fährt. Also drückte ich doch wieder auf die Tube. Es fühlte sich immerhin toll an.
Schlussendlich war ich um 15:54 bei der Fähre. Die war noch am anderen Ufer und damit war klar, dass sie erst in einer Viertelstunde fahren würde. So hatte ich noch genug Zeit, gemütlich das Billet am Schalter zu lösen – umgerechnet etwas mehr als 3 Franken für Fahrrad und Fahrer – und lernte noch Tamàs und Èva kennen. Die beiden wohnen in der Nähe und waren mit dem Fahrrad auf einem Tagesausflug nach Baja. Sie waren beeindruckt von meiner Ausrüstung und staunten nicht schlecht, als ich von meinen Plänen erzählte. Und auch, dass ich etwas mehr als 100 km zurück gelegt hatte fanden sie beeindruckend. Aber auch sie hatten heute eine tolle Strecke zurückgelegt und man muss ja auch gar nicht vergleichen. Ausserdem bin ich glaube ich auch noch etwas jünger (ups, schon wieder verglichen 🙃).
Apropos Alter: Als ich mir im Supermarkt noch mein Abendessen kaufte, hatte ich auch einen alkoholfreien Cider auf dem Förderband an der Kasse. Die Kassiererin wolte dann meinen Ausweis sehen – etwas komisch, da es ja alkoholfrei war, aber vielleicht lag es ander Marke – und staunte nicht schlecht, dass mein 18. Geburtstag nun doch auch schon etwas mehr als 20 Jahre zurück liegt. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.




















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