Zur geschichtsträchtigen Stadt Amasya – eine der ältesten Städte Anatoliens

Nach dem langen Tag gestern war uns eine gute Erholung wichtig und da wir wussten, dass es bis Amasya nur etwas mehr als 70 km ist, konnten wir uns am Morgen Zeit lassen. Das mit der guten Erholung hat aber leider zumindest bei mir nicht so richtig geklappt. Das Hotel war extrem ringhörig und man konnte einen Typen im Zimmer neben uns schnarchen hören. Während ich den noch ignorieren konnte, wachte ich um 3 Uhr in der Nacht auf und hörte eine Prügelei aus dem Fernseher im anderen anliegenden Zimmer. Da lief wohl irgend eine Prügelkommödie à la Bud Spencer und Terence Hill und zwar in voller Lautstärke. Der grösste Fehler, den ich machte, war nicht sofort zu reagieren. Schlussendlich ging ich erst kurz vor 5 Uhr morgens zum Rezeptionisten und bat ihn, sich dem Problem anzunehmen. Der Herr im Nachbarzimmer war sich wohl nicht bewusst, wie ringhörig alles war. Er stellte den Fernseher nun allerdings leiser. Nun folgte die nächste Überraschung: Über die Lautsprecher der Stadt ertönte das Morgengebet – dieses war aber zum Glück nach wenigen Minuten vorbei und ich konnte doch noch ein wenig schlafen.

Morgenessen gab es nur bis 09:30 und dieses wollte ich nicht verpassen. Danach nahmen wir es aber sehr gemütlich und brachen erst um 11:25 auf, nachdem ein paar junge Männer, welche einen Coiffeursalon gleich neben dem Hotel betrieben, uns noch mit Wasser versorgten. Echt nett die Leute hier.

Auf dem Programm stand bereits nach wenigen hundert Metern der erste lange Anstieg des Tages. Doch so weit kamen wir vorerst gar nicht. Denn nach kaum 250 Metern fahrt forderten uns ein paar junge Männer energisch auf, mit ihnen Tee zu trinken. Da konnten wir nicht nein sagen. Die jungen Männer wollten uns auch noch Essen geben und meinten wir sollen doch noch dort bleiben für ein paar Tage und erzählten uns von den Sehenswürdigkeiten der Region. Doch wir hatten bereits mit dem Freund von Shaun in Amasya für heute abgemacht. Sie reparierten übrigens noch Shaun’s Pedale – da war vor ein paar Tagen eine nicht essenzielle Schraube abgefallen und Shaun hatte keinen Ersatz – die Herren hier aber schon. So wurde es schlussendlich nach 12 Uhr, bis wir doch noch losfuhren.

Am ersten Aufstieg genossen wir die schöne Landschaft, welche mich durchaus an die Schweiz im Frühling erinnerte. Eine brandneue Strasse war da auch, welche hervorragend gut rollte – die alte wurde einfach darunter begraben und guckte stellenweise noch hervor.

Auf den ersten Aufstieg folgte sogleich der zweite und wir kamen am höchsten Punkt des Tages an. Ab jetzt ging’s praktisch nur noch bergab bis Amasya. Wir waren uns nicht ganz sicher, welche Strasse ab Havza die beste war und wählten die grosse Hauptstrasse, die nicht nur relativ viel Verkehr hatte sondern auch einige Tunnels beinhaltete. Havza werden wir übrigens in die andere Richtung nochmals passieren, wenn wir Amasya wieder verlassen, um zurück ans Schwarze Meer zu gelangen. Nach der Abfahrt in den Tunnels wichen wir vorerst auf kleinere Strassen aus um durch Suluova zu fahren und das Städtchen nicht auf der grossen Strasse zu umfahren.

Auch nach Suluova schien es eine kleine Strasse zu geben, welche parallel zur grossen Hauptstrasse verlief. Allerdings nur für wenige Kilometer. Dann hielten wir an, um zu überlegen, wie wir weiter fahren sollen und plötzlich war ein Mann mit seinem Moped zur Stelle und riet uns, zurück auf die Hauptstrasse zu gehen. Er wollte uns noch in seinen Obstgarten einladen, meinte dann aber wir sollen weiter fahren – der Umweg wäre wohl zu gross gewesen.

Wieder auf der Hauptstrasse rollte es wieder besser als auf der zuletzt sehr holprigen kleinen Strasse und da es immer noch bergab ging, waren wir im Nu in Amasya. Kleine Kuriosität: Auf dieser Hauptstrasse hielt plötzlich ein Kleinbus vor uns an und ein Mann stieg aus, um uns zu begrüssen. Soweit waren wir uns das schon gewohnt. Als er dann aber die Seitentüre öffnete und eine Kettensäge hervornahm und die uns anscheinend verkaufen wollte musste ich innerlich schon ziemlich lachen. Als wir abwinkten – was sollen denn zwei Radtourenfahrer bitteschön mit einer Kettensäge anfangen? – nahm er noch einen Koffer mit Akkubohrschrauber und Zubehör hervor – er meinte wir könnten damit vielleicht unsere Fahrräder reparieren – und war sichtlich enttäuscht, dass wir auch diesen nicht wollten.

Als wir um viertel nach fünf bei unserem Hotel ankamen – Shaun’s Freund Ibi hatte für uns ein Zimmer reserviert – wurden wir schon erwartet und freundlich empfangen. Nach wenigen Minuten war auch Ibi hier. WIr zogen uns kurz um und tranken dann zusammen einen Tee, bevor wir mit Ibi die Stadt erkundigten. Er erklärte uns die Wichtigkeit des Ortes und dass die Geschichte bis in die Antike, also tausende Jahre, zurück reicht. Nach dem gemeinsamen Abendessen gingen wir auch noch zusammen in sein Lieblingscafé und machten auch das hier populäre Spiegelselfie, wobei Ibi alles bezahlte – übrigens auch die Hotelübernachtung.

Mein erster Eindruck von Amasya ist ausgesprochen positiv: Eine sehr schmucke kleine Stadt zwischen den Bergen, sehr sauber und mit schönen osmanischen Häusern. Ibi meinte, die Stadt sei total unterbewertet und dem kann ich schon zustimmen – ich hatte vorher noch nie von Amasya gehört und bin nun begeistert, hier zu sein!


2 Antworten zu «Tag 037 – Vezirköprü – Amasya (73.2 km / 746 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

     今天的经历非常丰富呀!Amasya 真的是一个很漂亮的城市😍

  2. Avatar von 温欣
    温欣

    土耳其的安纳托利亚真好

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