Von der urbanen Türkei irgendwo ins nirgendwo…
Nachdem ich meine Fahrradausrüstung gestern Abend leicht angepasst hatte – neue Rahmentasche und neue Reifen montiert, kam ich erst sehr spät ins Bett, ich glaube es war etwa 02:30. Die neue Rahmentasche brauchte ich, weil die alte sich immer wieder von selbst gelöst hatte (das Quick-Lock System hat für mich nicht so gut funktioniert) und weil der Reisverschluss kaputt war – und das schon seit Serbien. Der hat also keine 3 Wochen gehalten. Neue Reifen wollte ich wegen den vielen Platten. Ich gönnte mir ein Upgrade auf «Schwalbe Marathon Plus Tour 50 mm». Zuvor hatte ich 45 mm breite Reifen, doch diese Grösse konnte ich nicht finden. Da mein Rahmen bis 54 mm aufnehmen kann, entschied ich mich für 50 mm, denn ich hatte gelesen umso breiter umso mehr Komfort. Und den kann man brauchen, wenn man täglich auf dem Fahrrad sitzt und die Strassen viele Unebenheiten enthalten.
Um 04:30 stand ich schon wieder das erste Mal auf, um Jiabin zur Busstation zu begleiten, sie hatte einen frühen Flug zurück in die Schweiz und nahm gleichzeitig auch Dinge mit, die ich nicht mehr brauchte.
Danach hatte ich nochmals etwas mehr Schlaf bis um neun Uhr mein Wecker los ging. Wir hatten abgemacht, dass wir um etwa 10 Uhr losfahren wollten und mit dem neuen Setup musste ich mich wieder neu einrichten.
Schlussendlich fuhren wir dann aber erst um 11 los. Mit den neuen Reifen fühlte sich das super an, es ist nun wirklich komfortabler und vom Gefühl her rollt es auch immer noch mindestens so gut wie vorher, wenn nicht ogar besser! Nach wenigen Kilometern nahmen wir die Fähre über den Bosporus. Nun waren wir in Asien! Wir folgten der Strecke, welche ich vorbereitet hatte und welche die grossen Strassen grösstenteils mied. Anfangs war das dem Meer entlang, dann wieder mitten in der Grossstadt und später wieder an der Meerpromenade. Bis das grösste Getümmel vorbei war hatten wir auch schon mehr als 20 km zurückgelegt. Ähnlich also wie bei der Fahrt nach Istanbul, immerhin hatte es viel weniger Fussgänger weil nicht Sonntag war. Die Stadt wollte einfach nicht aufhören…
Nach etwas mehr als 20 km machten wir an der Meerpromenade eine Mittagspause und jetzt kam bei mir auch noch Osterstimmung auf dank des von Jiabin mitgebrachten Schoggihasens – ein Geschenk meiner Mutter.
Sobald wir uns vom Meer wieder entfernten, ging’s ständig auf und ab, wie ich mir das von der Türkei mittlerweile schon gewohnt war.
Das ging auch lange sehr gut, das Wetter war schön, die Kinder auf der Strasse freuten sich, uns zu sehen und es ging voran. Bis wir auf einmal, ausgerechnet nach einem der steilsten Anstiege, vor einem geschlossenen Tor einer Schule waren. Da gab es kein Durchkommen und so mussten wir umkehren. Der Umweg hielt sich aber in Grenzen.
Nur kurze Zeit später und noch im selben Anstieg waren wir dann aber mitten in einer riesigen Baustelle. Die Bauarbeiter waren sich nicht einig, ob wir durchgehen konnten oder nicht. Siensagten auch, dass da früher schon mal eine Strasse war wie auf der Karte eingezeichnet, dass diese nun aber der Baustelle mit etlichen geplanten Wohnblöcken weichen musste. Eine Umfahrung wäre sehr weit gewesen und natürlich war auch nichts signalisiert. Nach langem hin und her gingen wir zu Fuss weiter und liessen alle Lastwagen brav passieren, um möglichst kein Aufsehen zu erregen. Ganz oben angekommen – das letzte Stück war dann nicht mehr Baustelle sondern Feldweg vorbei an einem Haus – entschieden wir uns, nicht mehr meinem GPS-Track zu folgen, sondern runter zur grossen Strasse zu fahren. Wir befürchteten, dass auf meiner Route mehr im Inland noch mehr Höhenmeter und unerwartetes auf uns zukommen könnte.
Doch als wir schon wieder fast ganz unten waren, merkten wir, dass zwischen uns und der grossen Strasse, auf der man mit dem Fahrrad fahren darf, noch die Autobahn war. Die mussten wir irgendwie überqueren. Zuerst versuchten wir der Autobahn entlang weiter nach Osten zu folgen, doch die Strasse hörte irgendwann auf – entgegen der Aussage von ein paar türkischen Leuten bei der letzten Abzweigung.
Also ging’s wieder zurück und nun folgten wir der Autobahn in die Gegenrichtung. Auf meiner Karte sah ich, dass da eine Unterführung unter der Autobahn sein musste. Die fanden wir schlussendlich auch, doch dazwischen war noch eine Art Busbahnhof, der abgesperrt war. Wir konnten die Absperrung aber leicht umgehen und am anderen Ende angekommen bemerkte mich ein Mann, nachdem ich dasselbe wieder machte und als er sah, dass da noch zwei Fahrradfahrer kommen, öffnete er sogar noch das Tor für sie. Puh, Glück gehabt, dass wir keine Probleme kriegten für unerlaubtes betreten eines Grundstücks oder so.
Nun ging’s also auf der grossen Strasse mit sehr viel Verkehr weiter. Doch wir dachten, dass wir im nächsten Städtchen, welches nur wenige Kilometer entfernt war, bestimmt eine Unterkunft finden würden. Denn es war schon am eindunkeln und dazu fing es nun auch noch an leicht zu regnen. Doch im kleinen Städtchen angekommen wurde klar, dass es da keine Unterkunft gab. Wir fragten verschiedene Leute und die waren sich alle einig.
Das nächste Hotel, welches wir finden konnten, war etwa 16 Kilometer entfernt. Inzwischen war es komplett dunkel, doch es schien keine andere Option zu geben. Also ging’s weiter auf der grossen Strasse – zum Glück hatten wir alle Rücklichter dabei und waren somit gut sichtbar. Die 16 Kilometer brauchten jedoch ziemlich viel Zeit, wir waren alle schon müde – es stellte sich heraus, dass die anderen beiden ebenfalls sehr wenig geschlafen hatten – und mit wenig Licht und dem Verkehr mussten wir vorsichtig sein. So rollten wir ganz langsam unserem Ziel entgegen. Ich glaube wir waren alle froh, in dieser Situation nicht alleine zu sein. Für mich fühlte es sich noch okay an, körperlich war der Tag nicht wirklich anstrengend, er war einfach sehr lang.
Etwa 3 Kilometer vor dem Hotel sahen wir dann einen Supermarkt, der aber geschlossen war. Eine Frau sagte, die Migros unweit entfernt habe noch offen, also ging ich das erste Mal in eine türkische Migros. Wie viel die noch mit der schweizer Migros zu tun hat weiss ich nicht, aber irgendwie fühlte es sich doch bekannt an.
Schlussendlich waren wir genau um 22:22 beim Hotel. Somit waren wir mehr als 11 h unterwegs, doch alles war gut. Wir waren alle sehr müde und somit gings nach einem kurzen, späten Abendessen, das wir in der Migros gekauft hatten, ziemlich schnell ins Bett.


























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Tag 058 – Kungrad – Nukus (110.17 km / 73 hm)
Trocken, flach und windig Heute Morgen ging wieder mal alles etwas länger, so startete ich erst um viertel nach elf. Der nette Herr vom Hotel gab mir noch jede Menge Wasser, Brot…
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Tag 057 – Beineu – Kungrad (Zug)
Ankunft in Usbekistan Beim warten am Bahnhof redete ich mit einigen kasachischen Leuten, obwohl reden wohl das falsche Wort ist. Mittels Händen, Füssen und natürlich GoogleTranslate war ein gewisser Austausch aber möglich….
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Tag 056 – Usturt – Beineu (91.46 km / 148 hm)
Heute: Rückenwind Gestern Abend habe ich noch lange mit den Kindern gespielt, vor allem der jüngste kam immer wieder zu mir. Verstanden haben wir uns zwar nicht, aber herumblödeln kann man ja…


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