Bei Verwandten angekommen
Heute morgen bin ich um kurz nach acht losgefahren Richtung Süd-Südosten. Nach etwa 60 km würde ich Verwandte treffen und entsprechend habe ich sie über meine ungefähre Ankunftszeit informiert. Allerdings musste ich mich bald korrigieren, denn nach nur 22 km hatte ich einen Platten.
Als ich kaum mit reparieren angefangen hatte kam ein Chinese mit seinem Dreirädrigen gefährt und hielt neben mir an. Er bot aber nicht etwa Hilfe an, sondern fragte «Woher kommst du? Wie alt bist du? Bist du verheiratet? Wie viele Kinder hast du?». Ich war ziemlich genervt und meinte zu ihm er solle mich nicht stören, ich müsse mein Fahrrad reparieren, doch das schien ihn nicht gross zu kümmern. Also ignorierte ich ihn eben. Er fragte zwar auch, ob ich eine Pumpe brauche und war ganz erstaunt als ich verneinte. Fortan beobachtete er mich bei der Reperatur. Am Schluss hielt er immerhin auf meine Aufforderung mein Fahrrad, so dass ich das Hinterrad etwas einfacher wieder einsetzen konnte.
Ich fuhr nun weiter und meine gute Laune war im Eimer. Ich brauchte einige Kilometer bis meine negativen Gedanken verschwanden. Auch habe ich immer nach einem Platten eine Platte-Reifen-Phobie, also die Angst, dass ich gleich wieder einen Platten haben könnte. Ich schaute auch heute ständig auf das Hinterrad, ob der Druck wirklich noch da ist und bei jeder Unebenheit verglich ich den Schlag vom vorderen mit dem vom hinteren Reifen.
Keine 20 km vor Heicheng fuhr wieder so ein dreirädriges Gefährt neben mir und ich wurde zum Wassermelonen essen eingeladen. Da ich eh schon verspätet bei Grossonkel und Grosstante eintreffen würde lehnte ich ab.
Die Strecke kam mir ewig vor, doch kurz nach Mittag kam ich doch noch an. Wieder ein bekannter Ort und vorallem bekannte Gesichter, über die ich mich sehr freute. Ich kriegte ein Mittagessen vom Grossonkel zubereitet – er betreibt hier ein Restaurant für Durchreisende, insbesondere Lastwagenfahrer.
Danach ruhte ich mich etwa zwei Stunden aus, bevor ich kurz nach 15 Uhr die letzten 40 Kilometer nach Guyuan unter die Räder nahm.
Kurz nach 17 Uhr traf ich bei Onkel Yanbin und seiner Familie ein, beziehungsweise an der Adresse seiner Firma. Das lustige daran ist, dass dieser Onkel nur ein Jahr älter ist als ich, ein zweiter Onkel, Yanning, den ich am Mittag schon gesehen hatte und der später auch noch dazukam, ist sogar einige Monate jünger als ich.
Ich wurde herzlich in Empfang genommen und es gab Essen, zuerst Früchte und dann ein Abendessen vom Lieferdienst. Sie seien am fasten und essen am Abend nichts, meinte Yanbin und so ass ich fast alles alleine.
Danach stiess Yanning mit seiner Frau und den beiden Kindern zu uns und acht Leute warteten auf mich, während dem ich in eine Art Spa zum duschen ging. Das dauerte relativ lange, als ich zurück kam war schon nach 21 Uhr und dunkel.
Trotzdem machten wir noch einen kurzen Ausflug zu einem Park, wo wir mehrere hundert Treppenstufen hoch bis zu einer Pagoda erklammen. Dabei waren wir bei weitem nicht die einzigen. Solche Nachtspaziergänge sind in China gang und gäbe.
Um 22:30 waren wir zurück bei der Firma, wo es in einem Nebenzimmer ein Bett für mich hat. Nun war ich doch ein bisschen müde und freute mich auf die Nachtruhe.













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