Auf bekanntem Terrain angekommen

Mein Zimmer letzte Nacht hatte keine Klimaanlage und wirklich kühl wurde es auch nicht. Zumindest drinnen nicht, denn draussen war es bestimmt einige Grad kühler. So war es mit zusätzlichem Fahrtwind angenehm frisch als ich um 06:44 losfuhr und ich konnte so die in der Nacht etwas vermisste Abkühlung nachholen.

Einen Wecker brauchte ich auch nicht, denn schon um 05:50 fing ein Hahn an im 10-20 Sekundentakt zu krähen. Zum Glück hat’s gestern geklappt mit dem früh ins Bett gehen, ich fühlte mich erholt.

Nach wenigen Kilometern entschied ich mich, für einmal nicht Amap (dem chinesischen GoogleMaps) zu folgen, sondern eine Abkürzung zu nehmen. Ein Dreieck zu fahren schien mir wenig Sinn zu machen und so sparte ich fast zehn Kilometer. Die Strasse war auch gar nicht gesperrt, zumindest von wo ich herkam. Am Ende der Abkürzung war dann doch eine Sperre, aber durch die Pylonen konnte ich ohne Probleme durchfahren.

Nach diesem Abschnitt mit guter Strasse und kaum Verkehr dann das Gegenteil: Die Strasse war für einmal schlecht, es war kaum ein Rand vorhanden und es hatte sehr viele Lastwagen. Zweimal fuhr ich an einer sehr langen Lastwagenkolonne vorbei, einmal standen sie vor einer Wiegestation schlange und einmal liess eine längere Baustelle nur einseitigen motorisierten Verkehr zu. Mit dem Fahrrad musste ich aber nicht anhalten. Wirklich flexibel hier, ganz im Gegensatz zu dem, was ich in Österreich erlebt hatte, wo ich einen riesen Umweg fahren musste wegen 150 m gesperrter Strasse. Diese Erinnerung kam schon gestern aus meinem Hinterstübchen hervor.

Die schlechte Strasse endete bald und nzn war auch wieder viel Platz am Rand für Leute wie mich. Bald war dann aber die Strasse schon wieder gesperrt. Im durchfahren vergewisserte ich mich, dass ich passieren konnte, was der dortige Bauarbeiter mir als Bestätigung hinterher rief.

Nun hatte ich wieder viele Kilometer die ganze Strasse ganz für mich alleine, doch dann kam tatsächlich eine grössere Baustelle, wo eine neue Brücke entstand. Über einen kleinen Umweg war das passieren aber kein Problem. Nun war die Strasse sehr rauh, was die Freude an der Abfahrt etwas dämpfte, ein Luxusproblem, denn ich kam sehr gut vorwärts.

Auf der Karte hatte ich ihn schon einige Kilometer früher gesehen und bald war ich neben dem gelben Fluss. Und da überkam mich ein seltsames Gefühl: Diesen Ort kenne ich doch, sagte ich immer wieder zu mir. Die spezielle Brücke sowie eine distinktive Plattform in einem Vergnügungspark kann es doch fast unmöglich zweimal geben? Und tatsächlich, wie mir Jiabin später bestätigte, waren wir im Juli 2024 in diesem Park gewesen. Ich bin nun also bereits bis zu einem Ort in China gefahren, an dem ich schonmal war. Eine riesige Freude durchflutete mich. Ich bin auf bekanntem Terrain angekommen!

Die letzten Kilometer in die Stadt hinein waren oft durch Bäume beschattet, was die gefühlte Hitze sehr verminderte, es war direkt angenehm, so zu fahren und fühlte sich nicht mehr heiss an. Um 12:39 und damit weniger als sechs Stunden nach Abfahrt war ich bei meinem Hotel. Zwei kurze Pausen hatte ich in dieser Zeit auch noch gemacht.

Nun hatte ich den ganzen Nachmittag Zeit zur Erholung – hier hatte ich auch ein klimatisiertes Zimmer – und nutzte die Zeit ausserdem für einen Haarschnitt, was sich in den folgenden Tagen bestimmt auch positiv auf die gefühlte Temperatur auswirken wird.

Übrigens: Müll einsammeln kann man auch mit fröhlicher Musik:


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