Sandsturm

Nachdem es gestern wieder mal sol richtig spät geworden ist – ich bin um drei Uhr ins Bett – stand ich entsprechend spät auf. Da sah ich bereits die Nachricht von Xin, dass er in der Nähe des Hotels sei und Früchte für mich habe. Bis ich fertig gepackt hatte wartete er bereits auf mich. Es waren dann mehr als nur Früchte, sondern auch noch Erdnüsse, ein spezielles Pflaster und Tiger Balm, dass gegen Mückenstiche helfe wie er sagte. Vielen Dank für all die Geschenke, wie lieb!

Bevor ich losfuhr ass ich eine Portion Nudeln mit Gemüse zum späten Frühstück oder frühen Mittagessen und rollte dann um 11:45 los. Der Himmel war beige gefärbt und der Wirt meinte es wäre Sand in der Luft. Der Sand kommt allerdings nicht von selbst in die Luft, dazu brauchts Wind. Und dieser blies mir so richtig entgegen.

Auf den ersten, leicht abfallenden Kilometern kam ich trotzdem noch gut vorwärts, wohl auch wegen den Bäumen am Strassenrand, welche dem Wind etwas die Kraft nahmen. Für sehr lange Zeit war es grün um mich herum und ich merkte wenig von der Wüste rundherum, zumindest nicht visuell. Denn neben dem Wind hatte ich auch immer wieder feinen Sand im Mund.

Der Wind wurde gefühlt je länger je stürmischer und dann waren irgendwann auch keine schützenden Bäume mehr entlang der Strasse. Da kam das Geschenk von zwei Redbull gerade recht.

Kurz nach dem erhalt der Energy-Drinks machte ich Pause, zum Glück hatte ich schon mehr als zwei drittel zurückgelegt, denn jetzt war der Wind wirklich gnadenlos. Als ich mein Getränk schlürfte kam ein Mann vorbei und meinte so könne ich doch nicht weiterfahren. Ich meinte es seien nur noch etwas mehr als 28 km, das gehe schon. Er meinte darauf ich soll doch dort bleiben, er würde ein Zimmer für mich organisieren – kostenfrei, wie er noch anfügte. Ich lehnte trotzdem ab.

Für heute war der Plan eine etwas kürzere Etappe, denn danach gibt’s bis Zhangye keine Übernachtungsmöglichkeit mehr. Das sind dann 150 km morgen, nochmals 28 zusätzlich wollte ich nicht. Also fuhr ich nach der Stärkung weiter. Einfach war das vorwärtskommen nicht, doch ich konnte die innere Ruhe bewahren und locker weiter treten, auch wenn da oft nur 12 bis 13 km/h auf dem Tacho standen. Einmal hielt sogar ein Lastwagen an und bot an, mich mitzunehmen weil ich doch so nicht fahren könne. Es war zwar verlockend, doch ich lehnte auch dieses Angebot ab. Ich fühlte mich noch sehr gut, immerhin war es nicht heiss und ich war auch noch nicht so lange unterwegs.

Dann sah ich in der Ferne eine Lastwagenkolonne und als ich näher kam sah ich, was da los war: Ein Kleinlastwagen war – wohl durch den Wind – von der Strasse abgekommen und musste geborgen werden. Dadurch hatte ich noch etwas mehr Respekt vor dem Wetter, doch ich kam dem Ziel langsam näher und näher. Ich sprach ganz kurz mit einem entgegenkommenden Fahrradfahrer, der fantastischen Rückenwind haben musste und hatte nun endlich wieder etwas Fernsicht.

Die letzten Kilometer war die Strasse dann wieder von Bäumen gesäumt und ich war erstaunt, wie gross deren Einfluss auf die Wirkung des Windes waren. Es rollte nun wieder ganz gut und auch mein Puls, der lange etwas hoch war, senkte sich endlich wieder. Vielleicht lag es auch daran, dass es wieder ganz leicht nach unten ging oder eine Kombination aus beidem.

Jedenfalls kam ich um 17:40 gut beim Hotel an und war nur leicht müde. Die 150 km morgen sollten also machbar sein, insbesondere wenn es wirklich wie in der Wind-App vorhergesagt praktisch windstill sein wird. Etwas früher losfahren als heute möchte ich trotzdem, insbesondere weil’s etwas heisser werden soll.


Ein Kommentar zu «Tag 115 – Jiayuguan – Qingshui (89.80 km / 324 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    天呢,你今天竟然遇到了沙尘暴!!!

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