Wüste = Wind!
Als ich heute am Morgen auf’s WC musste regnete es und die Temperatur war unter 20 Grad. Als ich um neun Uhr das zweite Mal mein Zelt verliess hatte sich daran nichts geändert und meine Motivation, aufzustehen hielt sich sehr in Grenzen. Also legte ich mich nochmals hin. Um zehn stand ich dann aber trotz fortwährendem Regen auf, denn mir standen heute einige Kilometer bevor. Bis ich alles zusammengeräumt hatte und verpflegt aufbrach war es bereits nach 11 Uhr – und es regnete nicht mehr.
Nach genau einer Stunde und knapp 17 km war ich auf dem Pass, besonderes zu sehen gab’s dort aber nichts. Auf der Abfahrt sah ich allerdings schöne Landschaften. Jonny aus England sagte gestern zu mir, dass die Strecke hier durch die Wüste langweilig ist, doch für mich war das nicht so, da war die Steppe in Kasachstan teilweise viel eintöniger. Und auch das Erlebnis selbst, die knapp 400 km zwischen Hami und Dunhuang zu fahren und dabei nur zwei Raststätten anzutreffen ist etwas spezielles für mich. Dass ich dabei so tiefe Temperaturen haben würde war aber zuvor unvorstellbar. Mir solls recht sein.
Das sah auch Kedi so, welche ich bei etwa Halbdistanz antraf. Die junge Pekingerin ist auf dem Weg Richtung England und verblüffte mich mit perfektem Englisch mit britischem Akzent. Kaum zu glauben, dass sie nicht Engländerin ist, doch sie meinte sie habe relativ lange auf der Insel gelebt. Wir sprachen sicher eine Stunde zusammen, vielleicht auch länger. Was mich ebenfalls verblüffte ist, dass sie anscheinend kaum Essen dabei hatte. Sie meinte sie werde eben ein paar Tage fasten. Ob das eine gute Idee ist? Ich glaube nein und gab ihr Proviant mit, welches ich auf den restlichen etwas mehr als 70 km nicht mehr brauchen würde: Ein Brot, eine Packung getrocknete Mango, ein elektrolythaltiges Getränk und ausserdem füllte ich ihre Wasserflasche auf. Wasser hatte ich ebenfalls noch reichlich. Sie meinte ich sei ein schützender Engel und die überaus herzliche Begegnung endete mit einer Umarmung. Pass auf dich auf, liebe Kedi!
Kurz darauf war ich am tiefsten Punkt des Tages angelangt. Die Abfahrt konnte ich nicht in vollen Zügen geniessen, zu stark war der meist von der Seite kommende Wind. Und der Wind bliess auch beim sanften Anstieg nach Dunhuang weiter, womit ich mich wieder einmal in Geduld üben musste, es ging nur langsam vorwärts. Doch immerhin hatte ich heute wohl im Gegensatz zu Kedi zwischendurch auch mal Rückenwind.
Was mich besonders freute bei der Durchfahrt der Stadt waren nicht etwa die Bäume sondern dass die Strassenschilder nun Pinyin statt wie in der Xinjiang-Provinz Arabisch enthalten. Nun kann ich die Aussprache der chinesischen Zeichen lesen und so während dem fahren meine Zeichenkenntnisse verbessern. Die späte Abfahrt, die lange Unterhaltung und der Wind führten dazu, dass ich erst um 19:40 bei meinem ersten Hotel in der Provinz Gansu war, obwohl ich ausser mit Kedi keine Pause machte. Aber nun ist der von den äusseren Bedingungen schwierigste Teil in China abgeschlossen. Zumindest theoretisch, denn ich muss wohl wieder mit höheren Temperaturen rechnen.






















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