Der Rückenwind machte es leicht heute…

Als ich kurz nach zehn das Hotel verliess hatte ich noch kein Frühstück gehabt. Deshalb fuhr ich zuerst zur nahen Strasse voller Restaurants und ass in dem Restaurant, in dem ich vorgestern Abend schon war noch etwas vor dem richtigen Start in die Etappe.

Die letzte Etappe endete zwar mit einer langen Abfahrt nach Dushanzi, die Stadt liegt aber noch immer leicht erhöht. So startete auch der heutige Tag mit einer Abfahrt. Und sobald ich unten angekommen war, ging’s ziemlich genau Richtung Osten. Der Wind war heute ziemlich stark aber wunderbar im Rücken, so kam ich super schnell voran! Es kamen mir auch einige Fahrradfahrer entgegen, welche mir ein bisschen Leid taten, ich weiss ja wie es ist bei so starkem Gegenwind zu fahren. Sie waren mit stark beladenen Fahrrädern unterwegs und ich rate, dass sie Richtung Duku-Hochstrasse unterwegs waren.

Der Wetterbericht sagte für heute eine hohe Wahrscheinlichkeit für Regen voraus, dafür etwas mildere Temperaturen. Als ich an der ersten Steigung nach der Abfahrt war und etwas weniger Wind hatte, fing es dann tatsächlich an zu Tropfen. Doch es war nicht Regen, es war mein Schweiss. Trotz Bewölkung war es 29 Grad und mit weniger Fahrtwind fühlte es sich sehr warm an.

Sobald ich aber auf dem höchsten Punkt war ging’s wieder schneller voran und mein Schweiss gehörte der Vergangenheit an, oder zumindest bemerkte ich ihn nicht mehr. Der Anfang der Etappe war sehr trocken, doch bald kam eine Stadt und es wurde etwas grüner und fühlte sich auch etwas kühler an.

Ich fuhr heute an mehreren Polizei-Kontrollstationen vorbei, doch Polizisten sah ich zumindest dort keine. So wurde ich schlussendlich auch heute kein einziges Mal kontrolliert. Die Systematik mit den Kontrolle verstehe ich nicht ganz, kann man aber wohl auch gar nicht verstehen.

Nach einer Pause etwa nach der Hälfte der heutigen Kilometer war der Rückenwind nicht mehr so stark, doch es rollte noch immer gut, einfach nicht mehr locker mit 35 – 40 Kilometer pro Stunde. Schlussendlich kam ich kurz nach 17 Uhr bei einem Hotel etwa auf halbem Weg zwischen Dushanzi und Ürümqi an.

Zumindest meinte ich das. Ein Mann begrüsste mich freudig und bot mir sofort Früchte und Tee an und plauderte mit mir. Ich fragte, wo ich mein Fahrrad abstellen könne und er öffnete mir eine Tür zu einem Abstellraum neben dem Haupteingang. Er fragte, ob wir zusammen Fotos machen könnten – nichts ungewöhnliches – und ich meinte ich gehe besser zuerst noch duschen, da ich doch etwas verschwitzt war. Inzwischen war es auch 31-32 Grad warm. Da fragte er mich, ob ich denn im Hotel gleich nebenan wohne und ich antwortete verdutzt mit ja. Es stellte sich heraus, dass hier gar nicht das Hotel war, sondern ein Massesalon, aber im gleichen Gebäude wie das Hotel. Der Mann zeigte mir dann den Eingang zur Rezeption, der echt unauffällig war, doch nun war ich wirklich beim Hotel angekommen. Wir machten ab, dass ich später nochmals vorbeischauen würde für die Fotosession.

Das tat ich dann auch, allerdings war ich auf dem Bett sofort eingeschlafen während dem ich diesen Post vorbereitete. Wieder zurück waren dann auch einige Damen vor Ort, wohl Angestellte des Massagesalons, denn sie nannten den Mann nur Chef. Sie hatten ein ziemliches Gaudi mit mir Fotos zu machen, weil ich so gross bin und ich durfte nun auch noch eine zuckersüsse Wassermelone essen. Danach verabschiedete ich mich aber und ging ins Restaurant gegenüber etwas essen.

Nun sind es noch knapp 130 km bis Ürümqi, das sollte morgen ganz gut gehen, vor allem wenn der Wind wieder so stark mithilft. Danach werde ich mein Fahrrad für etwas mehr als eine Woche zur Seite stellen und mit Freunden eine Reise durch Xinjiang machen. Sie hatten diese Reise bereits im März gebucht und kommen am Samstag in Ürümqi an. Echt unglaublich, dass das zeitlich so perfekt passt nach mehr als 8000 Kilometern. Als sie die Reise buchten war ich erst gerade von der Schweiz losgefahren und sie meinten wir könnten uns eventuell hier treffen, da ich ja auch in Xinjiang vorbeizukommen plante. Ich entgegnete nur, dass ich keine Ahnung habe, wie weit ich bis Anfang Juni kommen würde. Als sich vor ein paar Wochen abzeichnete, dass es etwa passen könnte – ich dachte ich könnte allenfalls auch mein Fahrrad irgendwo deponieren und noch ein Sück mit dem Bus oder Zug fahren, um rechtzeitig in Ürümqi zu sein – arrangierten sie alles, damit ich ebenfalls auf der Reise dabei sein kann. Und nun komme ich morgen bereits am Vorabend ihrer Ankunft mit dem Fahrrad an. Besser geht’s nicht. Gewisse Dinge kann man eben nicht planen, sie ergeben sich einfach.

Ich freue mich riesig auf diese Ferien von den Ferien. Nach bald drei Monaten mit wenigen Ruhetagen – ausser in Tiflis immer nur maximal einen am Stück – hat sich bei mir schon eine gewisse Müdigkeit eingestellt. Diese Velo-Pause kommt also genau zur richtigen Zeit und wird mir bestimmt gut tun. Wenn meine Freunde nicht wären, hätte ich mir diese Auszeit vom Fahrrad fahren wohl kaum zugestanden. Umso grösser die Freude, dass es jetzt eben so ist wie es ist!


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