Stadtbesichtigung und zurück nach Kasachstan

Heute Morgen stand ich um 07:30 auf, um bis zum Frühstück um 8 Uhr alles gepackt zu haben. In Kasachstan und somit in meinem Rhythmus ist das 06:30, ganz schön früh für eine Nachteule wie mich. Doch meine Führung beginnt um 9 und bis ins Zentrum brauche ich mit dem Bus wohl auch noch eine halbe Stunde oder so.

Die Führung war sehr interessant, so konnte ich einiges über Kirgisistan lernen – beispielsweise, dass sie immer noch nahe an Russland sind. Lenin’s Statue ist immer noch da, sie wurde anlässlich der Unabhängigkeit lediglich vom Platz im Zentrum Bischkeks auf die Hinterseite des dort befindlichen Gebäudes gestellt. Auch konnte ich viele Fragen stellen und so etwas den Unterschied zwischen der Kirgisischen Nationalität und den Kasachen und Usbeken ansatzweise erahnen. Die Führung hätte eigentlich zweieinhalb Stunden dauern sollen, doch nach knapp eineinhalb Stunden war Schluss. In Anbetracht dass ich heute noch etwas Radfahren wollte kam mir das entgegen.

Bis ich zurück beim Hotel war und alles bereit war um dauerte es wieder eine Weile. Bis ich losfuhr war es bereits zehn vor zwölf – immerhin in Kasachstan erst zehn vor elf, da war ich auch schon später dran.

Und in Kasachstan war ich dann nach etwas mehr als 20 Kilometern auch wieder. Der Weg dorthin war etwas mühsam, da eine neue Strasse gebaut wird und der ganze Verkehr durch den Schlamm und Dreck des Provisoriums musste. Nach dem Regen gestern war der Schlamm an meinem Fahrrad etwas aufgeweicht und ich nutzte die Gelegenheit, um mein Fahrrad endlich etwas zu putzen, doch nun kam schon die nächste Schicht Dreck – denn der gestrige Regen weichte auch die nicht asphaltierten Strassen auf, nicht nur den Dreck an meinem Fahrrad.

Die Überquerung der Grenze verlief reibungslos. Ich ging zuerst zu den Fussgängern, mir wurde dann aber gesagt dass ich als Fahrzeug gelte – also dann halt. Die Ausreise war sowieso kein Problem und bei der Einreise beschnupperte mich lediglich ein Hund ein wenig und gut war es. Ich musste keine Taschen scannen oder sonst was zeigen. Der Grenzbeamte sah natürlich auch, dass ich Kasachstan erst gestern verlassen hatte, vielleicht half das ja.

Wieder in Kasachstan wusste ich, dass ich einen Pass überqueren musste. Ein paar hundert Höhemeter waren auf dem Plan. Das wäre ja noch gegangen, vor allem weil es nicht sehr steil war, doch es windete so extrem stark, dass ich nun wirklich kaum vorwärts kam. An der einzigen etwas steileren Stelle von 6-7 % Steigung stieg ich kurz vom Rad und stellte es quer zur Fahrtrichtung. Mit aller Kraft konnte ich das Rad gerade noch halten, so stark windete es – und das war kein Windstoss, sondern Dauerzustand.

Ganz so schlimm war es zwar nicht überall, doch der Wind war schon sehr hartnäckig und ich fragte mich, wann ihm denn endlich die Luft ausgeht. Mit im Schnitt knapp acht Kilometern pro Stunde fuhr ich geduldig weiter. Einfach nicht in den roten Bereich kommen, dann wird alles gut. Immerhin war das Wetter perfekt bei knapp über 20 Grad und die Strasse war ebenfalls sehr gut zu fahren. Trotzdem brauchte ich hier sehr viel Geduld und Ausdauer, es dauerte doch mehrere Stunden bis ich oben war.

Gut war dann aber die Abfahrt und meine Sorge, dass es heute wieder mal nicht reichen würde, vor dem Sonnenuntergang an meinem Zielort anzukommen, verflüchtigte sich langsam. Ausserdem würde ich ja bald in eine etwas andere Richtung fahren, da könnte ich dann vielleicht sogar Rückenwind gaben dachte ich noch!

Das wäre wohl zu schön gewesen um wahr zu sein – auch als ich wieder auf der grossen Hauptstrasse Richtung Almaty war, blies der Wind mir noch entgegen. Nun vielleicht leicht von der Seite, doch so stark, dass er mich noch immer stark bremste. Immerhin ging’s jetzt ganz leicht bergab. So konnte ich doch etwas schneller fahren als anfangs befürchtet.

Schlussendlich war ich ziemlich genau um 19 Uhr bei einer Tankstelle, wo ich plante, mein Zelt aufzustellen. Ich fragte den Tankwart nett, ob er etwas dagegen hätte und er verneinte. Als ich das Zelt etwa 50 Meter von der Tankstelle entfernt aufstellen wollte rufte er mir zu, ich soll doch in die Nähe kommen. Das WC sowie Tee und Essen gäbe es hier, meinte er. So stellte ich das Zelt gleich hinter der Tankstelle auf, wie er vorgeschlagen hatte. Das gratis-WLAN von der Tankstelle reichte so bis ins Zelt. Und Party-Jurten waren auch keine zu sehen, so schlimm wie letztes Mal sollte es also nicht werden.

Nachdem ich mir im Tankstellenshop einen Tee und ein paar Snacks kaufte – den Rest meines Abendessens hatte ich schon im Gepäck – öffnete der Tankwart mir seinen kleinen Container neben der Tankstelle und meinte wohl damit ich soll es mir hier am Tisch und mit Licht gemütlich machen. Echt nett, der Typ, der will offensichtlich, dass es mir gut geht und das schätze ich sehr. So kann ich dann auch beruhigt schlafen, ich bin ja willkommen hier.


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