Abstecher nach Kirgisistan im Regen

In den letzten Tagen habe ich mir überlegt, ob ich den Abstecher nach Bischkek in Kirgisistan wirklich machen soll, denn das bedeutet zwei weitere Grenzen zu passieren. Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden. Es interessiert mich, wie Kirgisistan als Land so ist, denn genau wie Kasachstan und Usbekistan kannte ich es nur vom Namen her.

Um möglichst viel von der Kultur und Geschichte des Landes zu erfahren, habe ich mich entschieden, auch in Bischkek eine geführte Tour zu machen. Zuerst wollte ich aber sicher sein, dass ich rechtzeitig da bin. Dafür fuhr ich am Morgen um acht Uhr los – es regnete leicht von Beginn weg. Kurz vor der Grenze, welche nach 27 km kam, erhielt ich wieder Geschenke – sozusagen zum Abschied gabs einen Energy-Drink und Erdnüsse, nachdem ich einen Sack voller Somsas mit dem Kommentar «Vegetarianski» ablehnte. Nachdem ich eine lange Schlange von Autos und Lastwagen überholte stand ich vor verschlossenen Toren. Hatte die Grenze etwa noch nicht geöffnet? Doch dann sah ich, dass Fussgänger durch eine kleine Türe passieren konnten. Also war ich eben auch ein Fussgänger. Bei der Ausreise musste ich etwa 15 Minuten warten, bis ich meinen Stempel erhielt, auf der kirgisischen Seite war aber dann keine Schlange. Der Grenzbeamte wies mich aber an, draussen als Fahrzeug zu passieren – was ich dann auch machte – als Fahrradfahrer bin ich ja sozusagen ein Hybrid, Fahrzeug oder Fussgänger, was gerade besser passt. Für andere Fahrzeuge war die Grenze anscheinend noch immer nicht offen, so waren die kirgisischen Grenzbeamten nicht überbeschäftigt und gaben mir ebenfalls einen Stempel.

Insgesamt brauchte ich etwa 30 Minuten zum passieren der Grenze – inklusive Geld wechseln, denn ein bisschen Bargeld ist immer gut. Obwohl es fast immer regnete, kam ich auch heute gut vorwärts. Gleich nach der Grenze waren die Strassen zwar etwas schlecht, dank der geschlossenen Tore war aber kaum Verkehr. Bald war auch die Strasse wieder sehr gut und damit so wie vorher auf der kasachischen Seite. So zeichnete sich ab, dass ich früh genug in Bischkek sein würde und so buchte ich die Tour für 17 Uhr kurz vor Ende der Buchungsfrist.

Bereits um viertel vor drei war ich bei meinem Hotel und damit früher als ich dachte. Allerdings erhielt ich eine Nachricht, dass die Tour heute nicht stattfinden könne. Ich wäre der einzige angemeldete und von den Guides sein so kurzfristig niemand verfügbar. Nun ja, ich habe die Anmeldefrist ja nicht festgelegt, aber nun war es eben so. Es regnete noch immer und so wäre eine Stadtbesichtigung auch nicht wirklich spassig gewesen. Ich nahm den Vorschlag an, die Besichtigung morgen um 9 Uhr zu machen. So werde ich eben erst am Nachmittag weiterfahren können, doch das passt schon.

Am Abend ging ich ein typisches Nudelgericht von Kirgisistan essen. Das erste Restaurant der bekannten Kette «Wok Lagman» existierte nicht da, wo es auf GoogleMaps eingezeichnet war. Bis ich beim nächsten Standort angekommen war, spazierte ich über eine Stunde. Und dort angekommen musste ich mindestens 5 Minuten lang mit der Kassiererin diskutieren, bis ich das Nudelgericht fleischlos bestellen konnte. Ich sagte mehrmals, dass ich das frisch zubereitete Gericht gerne ohne Fleisch haben möchte. Sie meinte jedoch, dass das nicht gehe – das Gericht wäre so nicht komplett. Irgendwann kam der Koch dazu und meinte das wäre kein Problem. Man stelle sich vor ich wäre mehr als eine Stunde in Bischkek herumgeirrt und hätte am Schluss nichtmal etwas zu essen erhalten…

Im Restaurant traf ich 3 junge Kirgisen, welche sich anscheinend freuten, mit mir zu sprechen. Sie fragten mich, welches mein Lieblingsland auf der Reise sei und diese Frage ist wirklich nicht einfach zu beantworten, weil jedes Land etwas für sich hatte. Für den Rückweg wollte ich den Bus nehmen, dazu ist aber auf GoogleMaps keine Information vorhanden. Also fragte ich die drei, welchen Bus ich nehmen konnten. Sie gaben mir nicht nur die nötige Information, einer von ihnen drückte mir sogar noch eine Banknote in die Hand, um für den Bus zu bezahlen und sie begleiteten mich zur Bushaltestelle. Sie verabschiedeten sich mit dem Wunsch, dass ich in Kirgisistan viele tolle Begegnungen und Erlebnisse haben soll. Offensichtlich möchten sie, dass ich am Ende der Reise die von Ihnen gestellte Frage mit «Kirgisistan natürlich» beantworten werde :-).


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert