Ich bin auf dem Heimweg…
Heute war im Gegensatz zu gestern nicht so mein Tag. Alles fühlte sich schwer und mühsam an. Ich war einfach irgendwie zu müde. Vielleicht brauche ich doch wieder mal einen Ruhetag. Auf jeden Fall war relativ schnell klar, dass ich die 170 oder vielleicht auch 180 Kilometer bis Taras nicht in einem Tag schaffen würde. Dafür war ich auch zu spät losgefahren, denn es war schon 10:30 als ich auf das Fahrrad stieg. Dazu kommen auch noch die vielen Höhemeter, der Gegenwind und die zumindest anfangs hohen Temperaturen.
Nach etwa 33 km auf und ab setzte ich mich bei einer Bushaltestelle auf die Bank und machte eine lange Pause – viel länger als ich das sonst mache. Doch auch danach war ich nicht viel besser drauf. Kaum fünf Kilometer später sah ich einen schwer bepackten Radfahrer. Er sass ebenfalls auf der Bank einer Bushaltestelle und war auf sein Mobiltelefon fixiert. Doch als ich mich bemerkbar machte sprang er freudig auf und kam über die Abschrankung in der Mitte der Strasse zu mir herüber und wir setzten uns.
Yecheng oder mit Nicknamen Ahun – man kanns am Namen erraten – kommt aus China. Er meinte es sei jetzt zu heiss um zu fahren und obwohl ich gerade erst eine lange Pause gemacht hatte freute ich mich über die neuerliche Pause. Ahun ist nun schon seit 4 Jahren unterwegs und hat in China und anderen asiatischen Ländern unzählige Kilometer absolviert. Nun ist er auf dem Weg nach Europa.Sein Elternhaus ist in der Provinz Xinjiang, auf meinem Weg werde ich da vorbei fahren und Ahun sagte sofort ich könne dann bei seinen Eltern übernachten – er sei ja nicht zu Hause und somit sei sein Bett frei. Ich freu mich echt je länger je mehr auf China. Da er sich in der Region gut auskennt und viele Strecken auch schon selber mit dem Fahrrad befahren hat konnte er auch noch wertvolle Tipps zu meiner Streckenplanung in Xinjiang geben. Bis zu seinem Elternhaus in Hami sollte es kein Problem sein, meinte er, danach kommt aber ein Stück von etwa 400 km Wüste, bis in die Gansu-Provinz. Wie ich das zurücklege, werde ich dann sehen. Vielleicht wird’s zeitlich sowieso knapp, alles bis Schanghai zu fahren und in dem Fall würde sich dieses Stück für eine Zugfahrt anbieten.
Aber warum bin ich auf dem Heimweg? Bis und mit heute habe ich etwas mehr als 7000 km zurückgelegt und gemäss meiner aktuellen Planung bleiben knapp 7000 km bis Schanghai wenn ich alles mit dem Fahrrad fahre. Somit habe ich mehr als die Hälfte der Kilometer zurückgelegt, weil es am Schluss aufgrund des Fluges und der Zugfahrt etwas weniger Kilometer werden als ursprünglich gedacht. Somit bin ich nun quasi auf dem Heimweg, denn es geht weniger weit als es schon gegangen ist – aber der Heimweg ist nach wie vor via Schanghai geplant.
Nach dem langen Austausch mit Ahun – ich glaube wir waren fast zwei Stunden zusammen – fuhr ich dann doch noch weiter. Die Temperatur war nun angenehmer, weil es etwas dunstig war und Schleierwolken den Himmel zierten. Dafür gab es nun sehr starke Windböen, natürlich voll Gegenwind, welche mein vorwärtskommen bremste.
Landschaftlich war es aber sehr schön zu fahren mit den Schneebergen auf der rechten Seite und grünen Wiesen mit vielen Blumen. Es ging aber je länger je mehr nicht mehr rauf und runter sondern nur noch rauf. Mein Ziel war ein Hotel, welches ich auf GoogleMaps gesehen hatte, aber auf keiner Buchungsplatform finden konnte. Heute wurde doch noch zu einem langen Tag, schliesslich bin ich schlussendlich doch fast 6h gefahren. Zwar nicht so viele Kilometer, aber dafür einige Höhenmeter, bis auf knapp 1000 m über Meer. Als ich an dem Ort ankam, wo das Hotel auf der Karte eingezeichnet war, fand ich nur grüne Wiese vor. Ich dachte schon ich müsse am Schluss wieder das Zelt aufstellen, doch dazu hatte ich so gar keine Lust, vor allem nicht weil es in der Nacht und auch den ganzen morgigen Tag regnen soll gemäss Wettervorhersage. In der Ferne sah ich aber ein Gebäude und fuhr dann mal weiter und tatsächlich, das Gebäude war mit «Motel» angeschrieben. Ich ging zur Eingangstür und fand diese verschlossen vor. Durchs Fenster konnte ich auch niemanden im Innenbereich sehen. Ich probierte noch eine andere Türe und da zeigte sich dann doch noch ein Herr und deutete mir, zurück zur vorherigen Türe zu gehen. Glück gehabt, das Hotel ist also doch in Betrieb. Darüber war ich nun schon sehr froh und der Preis war zwar nicht super billig aber angemessen, so war alles tip top und ich konnte meine Etappe um zwanzig nach sieben abschliessen. Nun gut erholen und morgen wird’s wieder besser gehen. Auch wenn’s dann halt regnet. Oder ich mach hier meinen Ruhetag. Ich muss mich ja noch nicht jetzt entscheiden.











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