Der höchste Punkt meiner Usbekistan-Route

Heute morgen liess ich mir ziemlich viel Zeit, denn das bequeme Bett machte es nicht einfach, aufzustehen. Gleichzeitig wusste ich, dass Odette auch noch nicht auf war. Die Erholung hat gut getan, ich hatte sehr gut geschlafen.

Schlussendlich verabschiedete ich mich von Odette kurz vor 11 und fuhr los, weiter Richtung Nordosten. Ich machte noch zwei Pirouetten, eine gleich nach dem Start – da dachte ich es gibt noch etwas zu sehen, dem war noch nicht so, und eine kurz nachdem ich Samarkand verlassen hatte – da hatte ich schlicht nicht gemerkt, dass die Route, der ich folge, einmal im Kreis geht.

Das Terrain stieg ganz langsam an, es ging durch Obstplantagen und an Feldern vorbei, wobei ich ständig Gegnwind hatte, doch ich nahms ganz gemütlich heute und liess mich nicht aus der Ruhe bringen. Ich fragte mich immer wieder, was die Verkäuferinnen, welche immer wieder am Strassenrand zu sehen waren, wohl verkaufen – schon in den letzten Tagen hatte ich sie gesehen. Heute hielt ich bei einer an und das Rätsel löste sich: In den Styropor-Boxen war Eiscreme. Da diese Milch enthält verzichtete ich.

Der Anstieg dauerte etwas länger, als ich erwartete. So genau kann ich das auf dem GPS nicht sehen, wenn ich eine lange Route geladen habe – hier ganz Usbekistan. Schlussendlich lagen mehr als die Hälfte der Kilometer hinter mir, bis ich am obersten Punkt war. Kurz davor, nämlich etwa nach der Hälfte der erwarteten Kilometer, hatte ich in einem kleinen Laden noch eine längere Pause gemacht.

Runter ging’s zum Glück auf einer guten Strasse, welche anfangs schurgerade in die Landschaft eingepflegt war. Nun war auch der Gegenwind nicht mehr so präsent, denn dank dem Gefälle gings trotzdem zügig vorwärts. Beim Blick nach vorne dachte ich schon, dass nochmals ein längerer Anstieg folgt, doch der Weg nach Jizzax ging hier weg von der grossen M-39 und enthielt keine grösseren Gegensteigungen. Stattdessen führte die Strasse durch ein Tal, welches sich manchmal wie eine Schlucht anfühlte, landschaftlich interessant und schön anzusehen.

Dann kam zu meiner Freude wieder einmal eine Fahrradfahrerin entgegen. Sie heisst Beni, kommt aus Deutschland und meinte sie hätte Zeit für einen kurzen Schwatz, denn ihre Kollegin Lilli hatte einen Platten gehabt und schickte sie vor, um schon mal einen Platz zum Campen für die beiden Abenteurerinnen zu finden. Während ich mich mit Beni austauschte, tauchten zwei Mädchen auf, die mit uns Fotos machen wollten. Es waren die zwölfjährigen Afruza und Zahro, die im Dorf hier wohnen. Nachdem sie sich verabschiedeten tauchte dann irgendwann Lilli auf. Während wir uns weiter unterhielten kehrten Afruza und Zahro plötzlich zurück und brachten noch ein drittes Mädchen sowie zwei Fläschchen Wasser für uns mit. Dass wir nun zu dritt waren irritierte sie wohl ein bisschen. Es war aber super süss, wie sie sich unter Zuhilfenahme ihrer Telefone auf Englisch mit uns zu unterhalten versuchten.

Beni und Lilli reisten mit den Fahrrädern schon durch die Türkei, erkunden jetzt Usbekistan und wollen im Juni dann den berühmten Pamir-Highway befahren. Viel Glück dabei wünsche ich und hat mich gefreut, euch kennenzulernen.

Für mich ging’s noch etwa 20 km weiter bis zu meiner Unterkunft in Jizzax. Zuerst weiter im Tal, dann war der kleine Gebirgskamm durchquert und der Horizont öffnete sich wieder. Nach der Fahrt durch den Stadtverkehr auf riesigen Strassen traf ich etwa um viertel nach sechs beim Hostel ein.

Entgegen meiner ursprünglichen groben Planung, die auf der Karte abgebildet ist, habe ich mich entschieden, etwas nördlicher um die Berge herumzufahren und dafür via den Städten Taschkent, Bischkek und Almaty nach China zu fahren und in Korgas die Grenze zu überqueren. Die Berge, insbesondere der Pamir-Highway und Kaxgar, reizen mich zwar auch, rein zeitlich gesehen spare ich mir dieses Abenteuer aber für ein anderes Mal auf.


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