Durch die Wüste mit Rückenwind
Nach dem unterhaltsamen, geselligen Abend gestern – wir mussten schlussendlich nicht mal unsere Schlafsäcke auspacken, ein Junge brachte uns Futons und Decken, als wir uns Richtung Zimmer aufmachten – kam heute die nächste Überraschung: Es regnete. Aber diesmal richtig und für mehrere Stunden lang. Und das mitten in der Wüste. Da die Vorhersage aber war, dass es zwischen elf und zwölf stoppen würde, nahm ich es einfach gemütlich und plauderte noch ein wenig mit Bing, bevor wir uns dann doch langsam bereit machten.
Wir wollten noch zusammen ein Foto machen von dem Aussichtspunkt, welcher gleich hinter dem Restaurant liegt und genau dann kam eine Reisegruppe und interessierte sich für uns. Es stellte sich heraus, dass es hauptsächlich Italiener aus Norditalien waren, doch als sie mich fragten, woher ich bin und ich sagte Zürich – ich komme immerhin aus der Nähe von Zürich – meinte einer, ich soll kurz warten. Und kurz darauf stand Adrian (ich hoffe meine Erinnerung an den Namen ist korrekt) vor mir. Er meinte er sei aus Zug, arbeite aber in Zürich. Nun wurde es irgendwie hektisch, denn die Reisegruppe musste gehen, so hatten wir gar nicht lange Zeit uns auszutauschen. War aber trotzdem schön, kurz Schweizerdeutsch zu hören und zu sprechen.
Danach ging es auch für Bing und mich los – es war schliesslich auch schon nach 12 Uhr. Bing fuhr noch ein paar hundert Meter mit mir, bis die Mittelleitplanke einen kurzen Unterbruch hatte und er die Strassenseite bequem wechseln konnte. Ich fand es super lustig, zu sehen wie seine Gitarre schräg von seinem Gepäckträger hervorschaute.
Meine Strecke führte zuerst dem Fluss Amudarja und kleinen in ihn integrierten Seen entlang, was zusammen auch die Grenze zu Turkmenistan bildet. Später ging es etwas von der Grenze weg und nun war kein Wasser mehr in Sicht. Doch die Temperaturen waren sehr angenehm, nicht kalt und nicht heiss, so zwischen 20 und 25 Grad und bewölkt. Da ich auch Rückenwind hatte waren es ideale Bedingungen zum Fahrrad fahren. So kam ich mit kaum Aufwand schnell vorwärts und konnte mich voll entspannen. Welch ein Kontrast zu vor einigen Tagen, als mir so richtig heiss war und ich wohl einen ganz milden Hitzeschlag hatte.
Mein Ziel hetue war ein Restaurant an der A-380, von dem ich meinte, dass es auch Zimmer zur Übernachtung anbietet. Dort angekommen musste ich aber feststellen, dass dem nicht so war. Ich fragte freundlich, ob ich mein Zelt denn in der Nähe aufstellen dürfe und mir wurde ein Platz gleich neben dem Restaurant zugewiesen. So habe ich immerhin ein Nachtessen, Toiletten und auch einen kleinen Laden in nächster Nähe. Nun brauche ich das Zelt also doch noch. Wird aber auch höchste Zeit, schliesslich habe ich es nun schon mehr als 6000 km mitgeschleppt. Mit der ganzen Infrastruktur um mich herum – das Restaurant hat natürlich auch WLAN – ist das aber sozusagen ein Einstieg Light in das Zelten. Das passt für mich. Und nachdem ich das Zelt endlich aufgestellt und die Schlafmatte aufgeblasen hatte dachte ich: Jeden Tag muss das auch nicht unbedingt sein. Ich bin eben wie Audrey und Joss in Kungrad sagten nicht so der abenteuerliche Typ, ich fahre einfach sehr gerne Fahrrad. Vielleicht komme ich ja noch auf den Geschmack und will dann gar nicht mehr in Hotels zurück, wir werden sehen.








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