Zurück in die Wüste
Ab heute geht’s wieder zurück in die Wüste – zwischen Xiva und Buchara gibt es nochmals ein längeres Stück, welches auf der Karte entsprechend beige eingefärbt ist. Gestern Abend machte ich mir noch lange Gedanken, ob das wohl gut kommt. Vielleicht auch, weil meine Touristenführerin meinte, ich soll doch besser den Zug nehmen, denn die Wüste zu durchqueren sei zu gefährlich. Ich sah dann aber, dass es – zumindest auf der Karte – alle paar Kilometer entweder ein Restaurant oder einen kleinen Laden gibt, das heisst die Versorgung mit Wasser und Essen sollte kein Problem sein. Jedenfalls scheint es hier mehr Verpflegungsmöglichkeiten zu geben als zwischen Aktau und Beineu. Nur Übernachtungsmöglichkeiten gibt’s anscheinend nicht allzu viele – Zeit mein Zelt endlich auszupacken?
Zuerst ging’s aber im bewässerten Gebiet los. Und es regnete wieder – diesmal etwas mehr als gestern, aber dass die Strasse ganz nass wurde, dafür hat’s dann doch auch nicht gereicht. Der Wetterbericht prophezeite bereits, dass es die nächsten Tage etwas kühler werden würde und tatsächlich war es heute deutlich kühler als gestern – sehr angenehm zu fahren, nicht heiss, nicht kalt. So kann es gerne für die nächsten Tage bleiben, bis ich die Wüste durchquert habe.
Nach etwa 85 km kam wieder eine Brücke wie vorgestern, welche sowohl vom Zug als auch vom Strassenverkehr befahren wird und diesmal musste der Strassenverkehr – mich natürlich inklusive – warten, bis ein Güterzug durchgefahren war.
Danach kam dann auf einen Schlag die Wüste. Bis jetzt hatte ich leichten Rückenwind, doch dieses Stück kam der Wind nun für etwas mehr als 10 km von der Seite. Danach ging’s auf der grossen Strasse nach Buchara weiter – die A-380, welche ich vorgestern verlassen hatte für meinen Abstecher nach Xiva. Sobald ich auf der A-380 war hatte ich wieder Rückenwind und diesmal auch eine gute Strasse im Gegensatz zu den ersten 85 km, wo es neben guten Abschnitten auch solche voller Schlaglöcher, mit einem unebenen Flickenteppich oder ganz ohne Belag gab. Das war mental wieder etwas ermüdend, da ich ständig aufpassen musste, wo ich genau fuhr. Nun merkte ich aber, dass die Temperatur hier doch etwas höher war, als auf den ersten Kilometern. Hier gibt’s eben keine oder nur sehr wenige Pflanzen, die die Wärme etwas absorbieren.
Sicher auch dank dem Rückenwind kam ich aber bereits kurz nach 16 Uhr bei einem Restaurant an, von dem ich gelesen hatte, dass die Leute freundlich seien und anderen Radreisenden angeboten hatten, ihre Zelte hinter dem Haus aufzuschlagen. Da konnte ich mir gut vorstellen, für die Nacht zu bleiben.
Kurz nachdem ich angekommen war lernte ich Bing kennen, der aus China kommt und etwas vor mir eingetroffen war. Er ist ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs, aber von Osten nach Westen. Und er hatte auf dem Gepäckträger sogar eine Gitarre dabei. Ab jetzt sprach ich für den Rest des Abends chinesisch. Was für eine Freude, wieder gesellschaft zu haben – und wir verstanden uns auf Anhieb hervorragend. Er überlegte sich ebenfalls, hier die Nacht zu verbringen und nach etwas quatschen mit mir war es dann eine entschiedene Sache. Mit dem Zelten wird es allerdings wieder nichts, denn die Restaurantbetreiber hatten uns ein Zimmer angeboten, in dem wir unsere Schlafsäcke ausrollen können – für umgerechnet weniger als 2 Franken pro Person. Das Angebot schlug ich natürlich nicht aus.
Ich bin ja wirklich gespannt, wie weit ich es noch ohne Zelt schaffe. Warm genug wäre es jetzt jedenfalls auch für mich. Die Angst vor der Wüste ist jetzt jedenfalls komplett weg. Bing meinte, dass es auf dieser Strecke sehr viele solche Restaurants gebe, wo man auch schlafen kann. Und schon gestern hatte ich gesehen, dass ich in den folgenden Tagen Unterkünfte finden sollte, nur heute war ich mir nicht sicher. Angst ist eben ein schlechter Ratgeber und die Realität kommt sowieso immer anders, als man es sich vorstellt. Dass ich hier in der Wüste solch gute Gesellschaft haben würde und mich damit mitten in der Wüste weniger einsam fühlen würde als die vorherigen Tage hätte ich mir jedenfalls nicht gedacht.
Die Gitarre stellte sich übrigens als Stimmungsmacher heraus:

















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Tag 061 – Xiva – Kulatau (112.43 km / 222 hm)
Zurück in die Wüste Ab heute geht’s wieder zurück in die Wüste – zwischen Xiva und Buchara gibt es nochmals ein längeres Stück, welches auf der Karte entsprechend beige eingefärbt ist. Gestern…
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Tag 060 – Gurlan – Xiva (58.42 km / 114 hm)
Xiva / Chiwa / Khiva / Хива / خيوه / Ḫīwa Heute morgen bin ich früh los, denn ich hatte in Xiva einen Stadtrundgang gebucht, welcher um 14 Uhr startete. Da erfahrungsgemäss…
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Tag 059 – Nukus – Gurlan (112.96 km / 238 hm)
Durch die Wüste fast im Regen Nachdem ich am Morgen bereits um 8 Uhr gefrühstückt hatte – ich wollte eigentlich früh los – fühlte ich mich irgendwie nicht gut. Ausserdem regnete es…

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