Nicht der beste Tag…
Nach dem verregneten Tag gestern nahm ich mir genügend Zeit zur Erholung. Bis um 10 sollte ich mein Zimmer räumen, aber das sollte kein Problem sein – dachte ich.
Gestern fragte ich mich nach dem aufpumpen des Voderrades, ob die Luft wohl halten würde. Für gestern ja, aber heute Morgen war der Reifen komplett platt. Dann flick ich ihn halt, kein Problem dachte ich. Nur konnte ich so eben das Zimmer doch nicht um 10 verlassen. Doch die Gastgeberin war super nett und zeigte Verständnis. Und als ich fertig war meinte sie «bravo» – auch wenn wir sonst nicht wirklich kommunizieren konnten, das Verstand ich.
Während dem flicken hatte es übrigens ziemlich stark geregnet und ich dachte mir «musste wohl so sein, sonst wäre ich jetzt im Regen». Als ich fertig war, regnete es noch ganz schwach und bis ich dann endlich los fuhr hatte der Regen komplett aufgehört. Sobald ich etwas ausserhalb von Kladovo an der ersten Steigung des Tages war fing es aber trotzdem wieder an zu tröpfeln. Doch dabei blieb es und meine Kleider trockneten sehr schnell wieder im Wind. Und der blies auch heute wieder.
Am Horizon in meine Fahrtrichtung war blauer Himmel zu sehen, alles musste also gut kommen dachte ich. Wenn da nicht schon wieder ein platter Reifen gewesen wäre! Nach kaum 30 km also die nächste Zwangspause. Auszumachen schien es mir aber nicht viel, ich blieb ganz ruhig – darüber war ich selber erstaunt – und dachte nur «da ist wohl noch ein anderer Regenschauer, der noch vorbeiziehen muss, bevor ich komme». Jedenfalls war ich froh, dass es nicht regnete und so flickte ich zum zweiten mal heute einen Pneu. Die kleinen Pfützen am Wegrand von den vergangenen Niederschlägen konnte ich dazu Nutzen, das Loch zu finden, echt praktisch.
Kaum fuhr ich weiter die nächste Überraschung: Eine Schotterstrasse, wobei vieles davon Sand war. Und was macht so ein Tag Regen (gestern) mit solchen Strassen? Genau: Aufweichen. So gings für ein paar hundert Meter kaum vorwärts. Doch es kam noch schlimmer: Für einige Meter, vielleicht 40 oder 50, war alles so weich, dass ich schier im Schlamm stecken blieb. Und das Zeug klebte so extrem, dass es den gesamten Raum zwischen Pneu und Schutzblech auffüllte. Da erinnerte ich mich an Ties, wie der sagte, dass genau aus diesem Grund viele keine Schutzbleche haben. Ich konnte es mir vorher fast nicht vorstellen doch durfte es nun hautnah miterleben, wie das passiert.
So konnte ich fast nicht weiterfahren – glücklicherweise sah ich nach wenigen Metern den ersten Brunnen überhaupt in Serbien. Der kam nun wirklich wie bestellt. Mit dem Wasser reinigte ich Pneu, Schutzbleche und Rahmen, was mich bestimmt mindestens weitere 20 Minuten kostete.
Langsam kam mir der Gedanken, dass ich es heute nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach Vidin schaffen würde. Wenn das so weiter geht… Nochmals ein paar Kilometer später die nächste Überraschung, doch diesmal eine positive: Da waren Larissa und Jean aus Brasilien, die in die Gegenrichtung unterwegs waren. Auch wenn ich schon spät dran war: Für einen kurzen Schwatz musste es reichen. Die beiden sind schon seit 2 Jahren (!) mit dem Fahrrad unterwegs und je etwa doppelt so viel Gepäck wie, so kam es mir zumindest vor. Wenn ich das richtig verstanden hatte übernachten sie vor allem im Zelt. Wie das gestern denn so war, wollte ich wissen. Da sagten sie, sie hätten zum Glück ein verlassenes Haus gefunden, wo sie übernachten konnten. Das ist mal abenteuerlich – und das schon seit 2 Jahren. Als ich sie fragte, wie sie die Motivation finden, so lange mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, meinten sie sie seien schon langsam etwas müde. Sie würden jetzt noch bis Finnland fahren und dann geht’s zurück in die Heimat. Naja, doch immerhin noch ein rechtes Stück. Ich bewundere sie und hätte mich gerne noch länger mit ihnen unterhalten, doch ich musste weiter. Danke nochmals für die Banane, liebe Larissa.
Kurz bevor ich Larissa und Jean getroffen hatte entschied ich mich, so schnell wie möglich wieder auf die Hauptstrasse zu kommen und dort weiter zu fahren. Doch laut ihrer Information ginge es nur noch etwa 1 km auf Schotter weiter und dann sei die Strasse gut, oder zumindest geteert. Und ganz genau so war es auch. So blieb ich auf der EuroVelo 6.
Kurz vor Negotin kam mir aber in den Sinn, dass ich mich bei der Planung der Route vor ein paar Monaten schon gefragt hatte, warum die EuroVelo 6 nicht direkt zur bulgarischen Grenze führte sondern noch einen Abstecher auf einen kleinen Berg machte. Da waren anscheinend zwei kleine Dörfer mit Weinbergen, doch auf die konnte ich nun verzichten. So entschied ich mich für die direkte Strasse auf dem schnellsten Weg nach Bulgarien.
Und da war sie nun endlich, die Tafel, auf die ich mich schon lange freute: «Du verlässt Serbien. Weine nicht, weil es vorbei ist, lächle, dass es passiert ist :)». Die haben schon Humor, die Serben.
Das war natürlich an der Grenze und nun war es nicht mehr sehr weit bis Vidin. Allerdings war da noch ein Anstieg zu erklimmen, und zwar der längste des Tages. Doch nachdem ich lange das gefühl hatte es rollt nicht so richtig – und ständig dachte vielleicht hält der hintere Reifen nicht, denn das flicken ist mir nicht sonderlich gut gelungen – hatte ich nun endlich wieder das Gefühl, dass es gut rollt. Und mehr oder weniger «schwubs» war ich auch schon bei meinem Hotel in Vidin.
Hunde traf ich übrigens auch heute wieder einige, ich habe mich nun so daran gewöhnt, dass es schon fast nicht mehr erwähnenswert ist. jetzt halte ich jedes Mal an und «unterhalte» mich mit ihnen, bevor ich weiterfahre. Und das ging immer gut. An der Grenze – sowohl auf der serbischen als auch der kroatischen Seite – halfen mir die Grenzbeamten die jeweils zwei Hunde von mir weg zu locken. Und in Bulgarien öffnete ein Herr sogar sein Autofenster, um Hunde zurück zu pfeifen, die in meine Richtung unterwegs waren. Jetzt verstehe ich langsam die legendäre Angst der Briefträger vor Hunden. Also Briefträger werde ich bestimmt nie.
Noch etwas letztes: Heute bin ich zwar wieder in die EU zurückgekehrt, aber das erste Mal in eine neue Zeitzone gefahren. So kam ich kurz vor sieben Lokalzeit und grad kurz vor der Dämmerung an. Zum Glück hatte ich den Abstecher nach Negotin weggelassen, das ersparte mir fast 7km und einige Höhenmeter.

















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Tag 020 – Kladovo – Vidin (101.68 km / 538 hm)
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Tag 018 – Belgrad – Veliko Gradište (137.89 km / 434 hm)
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