Wieder kasachische Steppe – und der Scharyn Canyon

Gestern Abend wurde es wieder mal spät und so stand ich heute morgen auch entsprechend spät auf – obwohl ich mich eigentlich langsam auf die bald anstehende Zeitverschiebung von Kasachstan nach China vorbereiten wollte. Die beträgt nämlich ganze drei Stunden. Das liegt daran, dass China nur eine einzige Zeitzone hat, oder anders gesagt: Während Sonnenauf- und Untergang in Korgas morgen um 07:01 beziehungsweise 22:10 sind, geht die Sonne in Shanghai bereits um 04:52 auf und dafür auch bereits um 18:50 wieder unter. (die unterschiedliche Tageslänge liegt daran, dass Korgas viel nördlicher liegt).

Jedenfalls hat mir der Schlaf und die Erholung gut getan. Der Start in die Etappe war dann aber eben erst um kurz vor elf. Es ging los in Richtung Südosten und fing gleich mit Gegenwind an, wobei mich ein paar starke Böen erfassten. Mir schwante schon Übles, denn auch heute stand mir ein längerer Anstieg bevor und beim letzten grösseren Anstieg war der Gegenwind bekanntlich extrem stark. Doch heute blieb’s bei ein paar Böen, danach spürte ich nur noch ganz leichten Wind.

So ging es dann auch viel lockerer den Berg hoch als beim letzten Mal und oben angekommen machte ich bei der einzigen Bushaltestelle weit und breit – und da war auch sonst nirgends irgendwas ausser Steppe und Strasse – meine einzige längere Pause.

Kurz vor dieser Pause erlebte ich das erste Mal, dass ein Lastwagenfahrer so richtig mühsam und gefährlich fuhr. Er hupte zuerst so wie viele, die mich grüssten, wechselte aber dann zu Dauerhupen und da merkte ich, dass ich wohl aufpassen sollte. Obwohl kein Gegenverkehr war, überholte er mich so extrem knapp, dass ich sicherheitshalber auf den Schotterstreifen neben der Strasse auswich. Der Lastwagen fuhr dann demonstrativ ebenfalls ein Stück auf dem Schotterstreifen, keine Ahnung, was er mir damit sagen wollte – er hätte ja die gesamte Strasse für sich gehabt. Ich dachte nur: Ich bin dankbar, dass das der erste so richtig doofe Lastwagenfahrer war, der mich auf meiner Reise überholte – und das nach knapp 8000 zurückgelegten Kilometern. Bei dieser Frequenz sollte mich also bis Schanghai keiner mehr so doof überholen. (Ein paar Fluchwörter konnte ich mir auch nicht verkneifen, aber gehört hat sie ja niemand 😉 ).

Runter ging es dann ganz flott, neben dem leichten Gefälle hatte ich wohl auch leichten Rückenwind. Das Gefälle war so leicht, dass ich ausser am Tachometer, beziehungsweise der darauf angezeigten hohen Geschwindigkeit, gar nicht merkte, dass es nach unten ging. Ausser als die Strasse in den Scharyn-Canyon hinunterführte. Da war die Strasse, welche zum Glück in einem super Zustand war, so steil, dass ich ohne mich gross zu bewegen wieder mal die 70 km/h knackte.

Aus dem Canyon musste ich auch wieder herausfahren. Das war die letzte kurze Steigung und dann war es nicht mehr weit bis Chundzha. Die gemäss meiner Recherche einzige Unterkunft hatte zum Glück ein Zimmer für mich. Ich bezahlte wohl etwas zu viel, doch die paar Franken zu viel werden mich auch nicht in den Ruin treiben.


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