Abschied von Georgien ins Ungewisse

Nach dem aufstehen machte ich mich heute ans verpacken meines Fahrrades. MIr kamen zwar wieder tausend Ideen, was ich sonst noch machen könnte, doch heute blockte ich alle Versuchungen zur Ablenkung ab und machte mich direkt an diese wichtigste Aufgabe des Tages. Und einmal angefangen ging es dann auch sehr gut und selbst Shaun’s Verpflegungsangebot – er hatte Essen gekauft und mir einen Teil davon angeboten – schlug ich vorläufig aus, später vielleicht.

Bis ich eine gute Strategie gefunden hatte, wie ich möglichst viel in den kleinen Karton kriege, natürlich möglichst schonend für mein Fahrrad und dies auch ausgeführt hatte, vergingen bestimmt zwei Stunden. Dann wog ich das Gesamtpaket und die Waage zeigte etwas über 30 kg an – etwas schwerer als ich mir gedacht hätte. Doch laut der Webseite der Airline ist bis 32 kg kein Problem, alles bestens also.

Nachdem ich dann doch noch kurz etwas gegessen hatte, ging ich mit Shaun zum Fahrradgeschäft zurück, vor dessen geschlossenen Türen ich gestern war. Eine Shimano-Kette als eins-zu-eins Ersatz hatte der Mechaniker zwar nicht, aber ein kompatibles Produkt, ebenfalls für eine 12-Gang-Schaltung wie meine geeignet. Allerdings hatte er nur noch die Gold-Edition, welche etwas teurer ist aber mit vergoldeten Gliedern weniger Rostanfällig sein soll. Nicht, dass ich das bräuchte – meine jetztige Kette ist schon langgestreckt und damit verbraucht, bevor sie gross die Möglichkeit hatte zu rosten, da ich in kurzer Zeit viele Kilometer mache – doch da mir ein Kettenwechsel wichtig ist habe ich eben die Bling-Bling-Version gekauft.

Nachdem ich in Tiflis etliche Male in meinem Lieblingscafé war, probierte ich heute doch noch ein anderes aus. Auch dieses war super und das schnelle Internet erlaubte einen längeren Videoanruf mit meinen Eltern. Einzig Nachspeisen hatten sie nur eine einzige zur Auswahl, welche mich nicht so anmachte. Danach ging es aber doch nochmals zu meinem Lieblingscafé für’s Dessert – und weil ich die gestern erwähnte Koreanerin Hyun-myung nochmals sehen wollte. Sie macht gerade eine etwas schwierige Zeit durch und ich hatte zufällig ein kleines Geschenk gefunden, von dem ich überzeugt war, dass sie es gut gebrauchen kann: Ein kleiner Adapter für ihr Labtopladegerät, damit sie nicht ständig den riesigen Klotz mitschlepen muss.

Ich kam etwas vor ihr beim Café an und fand eine Wirtin vor, welche gerade am schliessen war. Der Strom sei ausgefallen heute und der Koch nach Hause gegangen, so habe sie keine andere Wahl meinte sie. Ich schnappte mir noch schnell den letzten Doughnut in der Auslage (Tiramisu-Geschmack) und zwei kleine Schokoladentortenstücke (genannt Soufflé mit viel cremigem Inhalt) und wartete dann mit meiner Take-Away-Box vor dem geschlossenen Café auf Hyun-myung. Wir hätten ja für Besteck zu meinem Hostel gehen können – das wäre 8 Minuten zu Fuss gewesen – doch sie zog es vor, die Süssigkeiten mit den Händen zu essen. War wahrscheinlich lustiger so, denn unsere Hände waren bald verklebt sowohl mit dem Inhalt des Doughnuts als auch mit der klebrigen Soufflé-Masse. Ich bin ja noch nicht alt, doch bei solchen Aktionen fühle ich mich jeweils gleich noch ein Stückchen jünger.

Um 20 Uhr fuhren Shaun und ich dann mit dem von unseren Hostel-Gastgebern organisierten Minivan und den beiden grossen Kartonschachteln zum Flughafen. Unser Flug war um 01:35 und da die Fahrt gar nicht mal so lange dauerte waren wir viel zu früh am Flughafen. Doch was solls, lieber so als zu spät. Nach etwas Wartezeit konnten wir unser Gepäck aufgeben – ich hatte ausser dem inzwischen noch auf 32 kg aufgeblähten, verbeulten Ungetüm nur Handgepäck. Für die Fahrräder musste man gemäss Webseite 100 US Dollar bezahlen, hier verlangten sie aber Lokalwährung, nämlich 275 georgische Lari und nur Barzahlung wurde akzeptiert. So musste ich eben noch ein letztes Mal Geld wechseln gehen. Da die günstigeren Wechselstuben um elf geschlossen hatten, kamen dafür nur noch die überteuerten in Frage, Nachttarif halt.

Beim Aufgeben des Gepäcks sahen wir vor uns noch jemanden anderen mit grosser Kartonschachtel und ich ging sofort zu ihm, um ihn anzusprechen. Es war Cal aus Irland, der ebenfalls mit dem Fahrrad nach Osten fährt und so waren wir ab sofort zu dritt unterwegs. Nach der Bezahlung der 275 Lari konnten wir unsere Fahrräder abgeben und alles war in Ordnung – dachte ich zumindest. Denn als wir bereits am Gate waren, kam plötzlich der Herr vom Check-In bei SCAT Airlines zu mir und meinte, es gäbe ein Problem mit meinem Gepäck, ich müsse zur Sicherheitskontrolle mitkommen. Die Schachtel düref nur unter meiner Anwesenheit geöffnet werden, meinte er. Anfassen durfte ich allerdings vorerst nichts. Nach und nach zupfte ein junger Polizist meine feinsäuberlich verpackte Schachtel bzw. deren Inhalt auseinander bis schlussendlich so ziemlich alles auf dem Boden des kleinen Raumes neben den Förderbändern landete. Ich habe eine Vermutung, was das Problem gewesen sein könnte, doch dazu äusserte ich mich nicht und das möchte ich auch hier nicht machen. Jedenfalls suchte er nach irgend etwas aus Metall. Ich erklärte, wo mein grosses, schweres Fahrradschloss verstaut war und erklärte, was ich sonst noch aus Metall dabei habe, doch wirklich fündig wurde er offenbar nicht.

Schlussendlich gabe sich der Herr der Sicherheitspolizei aber zufrieden und meinte, ich dürfe nun alles wieder einpacken. Diesen Teil überliess er dann doch wieder mir. Ein bisschen Mithilfe vom Angestellten der Fluggesellschaft gab es aber, was auch nötig war, denn in einer halben Stunde war Abflugszeit. Mehr schlecht als recht verstaute ich alles im Eiltempo wieder ungefähr da, wo es gewesen war und begab mich zehn Minuten später über die normalerweise nicht zugänglichen Flure, Treppen und Türen zurück direkt zum Gate. Das Boarding war schon in vollem Gange doch alles war doch noch gut gekommen. Am Ende ist eben immer alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es eben noch nicht das Ende.


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