Rein in die Wüste
Heute Morgen bin ich in das Abenteuer Wüstendurchquerung von Hami nach Dunhuang gestartet. Auf den etwa 390 km durch die Kumtang-Wüste welche zur Wüste Gobi gehört gibt’s nur zwei Service-Stationen – da hat’s jeweils ein Restaurant, einen kleinen Laden und Toiletten – und sonst nichts. Da ist etwas mehr Vorausplanung was die Verpflegung angeht notwendig.
Kurz nach neun bin ich vollbepackt mit Proviant losgefahren. Da war die Temperatur noch angenehm aber wohl auch schon gegen die 30 Grad. In den letzten Tagen war es in Hami bis zu 41 Grad am Nachmittag, ich habe aber wieder einmal Glück, denn heute ist es «nur» etwa 36 Grad geworden und die nächsten zwei Tage werden die Temperaturen noch tiefer, nur bis 29 Grad und damit sogar kälter als in der Heimat mit der momentanen Hitzewelle in der Schweiz.
36 Grad im Schatten wo’s keinen Schatten gibt ist aber immer noch genug. Nach knapp 47 km habe ich Yongming aus Liaoning getroffen. Der 58-jährige ist bereits pensioniert und tourt nun mit dem Fahrrad quer durch China. Er war sehr gesprächig und erinnerte mich daran bei dieser Hitze vorsichtig zu sein. Ich hätte noch gerne weiter mit ihm gesprochen, doch ohne Fahrtwind war es noch heisser und ich wollte weiter.Die erste Service Station erreichte ich kurz nach 13 Uhr. Ich nahm mir Zeit, mich gut auszuruhen und ass im Restaurant etwas. Dabei musste ich dem Wirt auch meinen Pass zeigen, anscheinend will die Polizei wissen, welche Ausländer hier vorbeikommen. Schon bei meiner Ankunft hatte ich zwei Fahrräder gesehen und meines daneben gestellt. Nach dem bestellen des Essens bin ich nochmals zu meinem Fahrrad gegangen und habe nun auch die beiden chinesischen Besitzer getroffen. Insbesondere mit Kai sprach ich wieder relativ lange. Danach fuhren die beiden los Richtung Hami.
Nachdem ich fertig gegessen hatte, kam der nächste Fahrradfahrer, der von Süd nach Nord unterwegs ist: Jonny aus England. Ich leistete ihm Gesellschaft, als er ass und er meinte er habe vor diesem Wüstenstück sehr lange keine Radfahrer getroffen, hier aber einige. Anscheinend müssen alle hier durch. Es kämen dann noch zwei Chinesen, die gestern am gleichen Ort wie er übernachtet hatten.
Etwa um 17:45 fuhr ich weiter, die grösste Hitze war nun vorbei und die Temperatur in der Tendenz fallend. Bei der Mautstelle musste ich nochmals meinen Pass zeigen, der Herr meinte, dass die Polizei wissen müsse welche Ausländer hier unterwegs sind. Er fragte nach, ob ich genügend zu trinken dabei habe und ich erwiderte, dass ich etwas mehr als acht Liter habe, das sollte reichen. Dann erinnerte er mich noch daran, die Tempolimite von 80 km/h nicht zu überschreiten und fügte in etwas ernsterem Ton an, ich solle stets auf dem Randstreifen bleiben und vorsichtig sein.
Die beiden angekündigten Chinesen kamen dann etwa 20 Kilometer später kurz nacheinander entgegen, als ich gerade einen kleinen Hügel erklommen hatte. Mit dem ersten sprach ich ganz kurz, beim zweiten beliess ich es beim gute Wünsche zurufen.
Nun lief es super, ich hatte starken Rückenwind. Das merkte ich vor allem, als ich nach etwa 118 km anhielt um mit dem nächsten entgegenkommenden Chinesen zu sprechen, unglaublich wie es blies und noch unglaublicher, dass ich das gar nicht so wirklich gemerkt hatte beim Fahren. Beim kurzen Austausch stellte sich heraus, dass er aus der Henan-Provinz – der Heimat Jiabins – kommt, genauer gesagt aus Zhumadian. Er machte eine riesige Schleife in China, wobei er in Guangdong im Süden angefangen hat und nach Xinjiang weiter Richtung Tibet fahren will.
Den super Rückenwind wollte ich noch ein bisschen ausnutzen und da ich mich auch noch sehr gut fühlte, fuhr ich etwas weiter als ursprünglich geplant. Da überholte mich plötzlich ein Auto ganz langsam und fragte, ob ich genügend zu trinken hätte. Ich bejahte, dennoch hielt der junge Herr beim nächsten Ausstellplatz einen Kilometer später an und fragte neugierig nach, was ich so mache. Er wollte mir dann doch zwei RedBull und ein Brot schenken, was ich dankend annahm.
Nun war es schon kurz nach neun und so hielt ich kurz später an, um in einem kleinen Tunnel unter der Strasse mein Nachtlager aufzuschlagen. Hier bin ich vor dem Wind geschützt und muss nicht einmal das Zelt aufstellen. Eine solche Stelle zu finden war der Plan und auch nicht schwierig, gibt es doch sehr viele solche Passagen unter der Strasse. Jetzt bin ich gespannt, wie ich hier schlafen kann. Morgen sind’s dann etwa 80 Kilometer bis zur zweiten Service Station, wo ich mich wieder verpflegen und mit Proviant eindecken kann.





























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