In die nächste Millionenstadt
Heute morgen packte ich meine Sachen und ging dann zum Massagesalon. Da war aber niemand. Zum Glück war der Nebenraum aber nicht abgeschlossen und mein Fahrrad war noch da. Nach Nudeln zum Frühstück und Getränkeeinkauf ging’s um zwanzig nach zehn los.
Sofort war ich wieder auf der G312 nach Osten, heute ging’s allerdings nicht so schnell voran wie gestern, denn da war weder eine Abfahrt noch starker Rückenwind. So richtig Lust und Energie zu fahren hatte ich auch nicht wirklich. Wohl wirklich gut, dass es nach der heutigen Etappe eine etwas längere Pause gibt. Vielleicht war es auch das Wetter, denn es war schon von Anfang an schweisstreibend heiss.
Nach etwa 46 km machte ich die erste Pause und kaufte mir eine grosse Flasche Fruchtsaft. Der kasachisch-stämmige Chinese, welcher den kleinen Laden mit Getränken belieferte und zufällig da war, schenkte mir prompt noch einen Liter Grüntee-Getränk. So richtig vor Energie strotzte ich aber auch nach dieser Pause nicht. Die 80 Kilometer mache ich noch, dachte ich mir, und befürchtete ständig, dass noch irgendwas dazwischen kommen bzw. passieren könnte. Doch das war nicht so. Als nach etwas mehr als 80 Kilometern langsam Grossstadt-Gefühl aufkam – überall waren Wohnblöcke um mich herum – machte ich noch eine zweite Pause. Danach waren bald die Hochhäuser von Ürümqi in der Ferne zu sehen und es stieg je länger je mehr an. Bei der dadurch reduzierten Geschwindigkeit und dem gleichzeitig etwas höheren Puls war die Hitze umso drückender.
Nach der Fahrt durch den Grossstadt-Verkehrs-Dschungel der Vier-Millionen-Stadt – immer nich stets ansteigend – kam ich etwa um 17:40 Uhr beim gebuchten Hotel an. Die wollten mich aber nicht aufnehmen – die Registrierung für Ausländer funktioniere noch nicht, da das Hotel erst gerade eröffnet wurde war die Begründung. Ziemlich verschwitzt und nun auch etwas müde war das eine etwas nervige Angelegenheit. Die Rezeptionistin, welche sich um mich kümmerte, buchte allerdings ein anderes Hotel in der Nähe – 500 m oder so entfernt – für mich und dort angekommen konnte ich endlich sagen «ich bin angekommen».
Das schrieb ich auch Suliya, denn mit ihr hatte ich zum Abendessen abgemacht. Kaum hatte ich geduscht, war sie auch schon bei meinem Hotel und wir fuhren mit dem Taxi zum veganen Restaurant, welches ich vorgängig ausfindig gemacht hatte. Dort trafen wir auch noch auf Romain, welchen ich durch den WhatsApp-Chat der Fahrradfahrer in China kennengelernt hatte. Er ist unterwegs nach Westen und es war spannend, uns auszutauschen, denn ich werde mindestens teilweise eine ähnliche Strecke fahren wie er sie zurückgelegt hat und umgekehrt.
Der Austausch war so spannend, dass wir schlussendlich aus dem Restaurant geworfen wurden, als dieses schliessen wollte. Wir führten unsere Unterhaltung vor dem Restaurant auf der Strasse weiter, bis wir uns kurz vor Mitternacht verabschiedeten. Bis ich zurück bei meinem Hotel war, war es schon fast 2 Uhr, denn auch mit Suliya sprach ich noch längere Zeit, da wir beim Essen etwas weniger zusammen gesprochen hatten. Doch nun bin ich ja in den Ferien vom Fahrradfahren und somit passt das schon mit etwas weniger Schlaf.









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