Es geht zurück ans Schwarze Meer

Der Ausflug nach Amasya inklusive Ruhetag hatte sich gelohnt. Doch nun ging es wieder zurück ans Schwarze Meer. Denn dem Schwarzen Meer entlang fahren soll nicht nur schön sein, es gibt da auch wenige Höhenmeter im Vergleich zur Strecke im Landesinnern.

Um 10:17 ging’s los – etwas spät für nach dem Ruhetag und in Anbetracht, dass wir heute bis Samsun fahren wollten. Aber die Zeit sollte schon reichen wenn es einigermassen läuft. Auf dem Rückweg sind wir nicht mehr auf der grossen Strasse gefahren sondern sind auf kleinere ausgewichen. So hatten wir weniger Verkehr und wir fuhren an vielen Obstgärten mit wunderbar blühenden Bäumen vorbei. Die Region ist bekannt für Obst, insbesondere Äpfel, das merkten wir auch am Apfel-Tee, den wir in Amasya unzählige Male manchmal kalt, manchmal heiss serviert bekamen.

Der Aufstieg war anfangs gar nicht so schwer, wie wir es erwartet hatten – vielleicht ein Zeichen, dass unsere Beine wirklich gut ausgeruht waren. Ich dachte mir, dass wir vielleicht in Havza eine Pause machen und etwas essen könnten. So lehnten wir in Suluova mehrere Einladungen zum Essen ab, welche uns Einheimische angeboten hatten. Auch Wasser wollten uns drei junge Männer geben. Ich sagte jeweils ich habe bereits genügend Wasser, das hat aber nur bei zweien funktioniert. Der dritte hatte mir das Wasser einfach in die Hand gedrückt und so nahm ich es eben. Suluova ist anscheinend eine besonders gastfreundliche Stadt hier – oder lag dies daran, dass wir hier in der Mittagszeit durchfuhren?

Etwas ausserhalb von Suluova wurden wir von einem Herrn in einem weissen Auto angesprochen und er wollte uns ebenfalls Essen anbieten. Ich sagte wir möchten noch etwas weiter fahren, worauf er meinte er kenne ein Restaurant in 3-4 Kilometer, wir sollten doch zusammen dahin gehen. Dieses Angebot war schwer abzulehnen. Auch weil er uns gleich sagte er liebe Fahrradfahrer. So fuhr er mit dem Auto voraus und wartete immer wieder am Strassenrand auf uns, bis wir kurz vor Havza waren. Er meinte wir sollen auf der grossen Strasse in die entgegengesetzte Richtung auf dem Pannenstreifen fahren, das Restaurant sei nicht weit von hier. Selber liess er bei dieser Kreuzung sein Auto stehen und ging denselben Weg zu Fuss.

Beim Restaurant angekommen setzten wir uns auf die Terrasse, denn die Temperatur war angenehm warm und nun bestellte Burak Essen für uns. Es stellte sich heraus, dass er uns durch Suluova fahren gesehen hatte und unbedingt mit uns sprechen wollte, weshalb er sich ins Auto setzte und uns folgte. So hatten wir sozusagen gar keine Chance, ihm zu entkommen. Burak betreibt in Suluova eine Game Lounge, arbeitet selber aber vor allem am Abend, da er durch den Tag Angestellte hat. Er habe sich vor etwa einem Jahr ein Fahrrad gekauft und möchte damit auch reisen gehen, allerdings wisse er noch nicht so genau, wie er das anstellen soll. Bis jetzt ging er mit dem Motorrad auf Reisen, nicht aber mit dem Fahrrad. Einaml mehr waren wir froh um unsere Handys für die Übersetzung, denn Burak konnte nicht gut Englisch und wir kaum Türkisch. Nach dem Essen bezahlte Burak alles für uns und lehnte meinen Versuch, etwas dagegen zu unternehmen vehement ab. Wir machten noch ein Foto zusammen und verabschiedeten uns und das war’s dann schon gewesen. Einfach so zum Essen eingeladen. Unglaublich.

Der Grund, warum ich erst in Havza essen wollte war, dass ich dachte es gehe ab Havza wieder runter – mit vollem Magen geht runter fahren noch, aber Anstiege sind etwas weniger angenehm. Da hatte ich mich aber gewaltig getäuscht. Der Anstieg wollte und wollte nicht aufhören. Ausserdem hatten wir so extrem starken Gegenwind, dass es mir glatt die Socken ausgezogen hätte, wenn ich denn keine Schuhe getragen hätte. Selbst bei flachen Abschnitten kamen wir so nur im Schritttempo voran.

Langsam aber sicher befürchtete ich, dass es heute knapp werden könnte mit einer Ankunft vor Dunkelheit. Wir hatten erst die Hälfte der Kilometer und es war schon bald 17 Uhr. Zum Glück gings im zweiten Teil vor allem bergab – allerdings hatte es auch zwei Gegensteigungen mit je etwa 200 Höhenmetern. Nach der letzten Steigung waren wir immer noch auf über 600 Metern über Meer und es ging nur noch etwa 30 Kilometer bis Samsun. Entsprechend toll war dann die Abfahrt. Ich fuhr etwa 12, 13 Kilometer lang nie unter 40 km/h und manchmal bis zu 60 km/h. Und das ohne gross die Beine zu bewegen. Nur kalt war es nun, denn die Sonne war nun weg. So gingen die letzten Kilometer wie im Flug vorbei, doch vor Einbruch der Dunkelheit schafften wir es trotzdem nicht ans Ziel. Um viertel nach acht kamen wir beim ersten Hotel an, welches ich gestern herausgesucht hatte und wir hatten Glück – es gab noch ein Zimmer für uns und der Preis war auch angemessen. Immerhin das klappte wunderbar und ich war froh, bald eine warem Dusche nehmen zu können. Davor gingen wir aber zuerst noch ein paar Lebensmittel einkaufen – in die Migros natürlich, wenns schon eine in der Nähe gibt.


2 Antworten zu «Tag 039 – Amasya – Samsun (132.18 km / 1146 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    这些友好善良的人,也会是这次旅行里面很美好的回忆💜!

  2. Avatar von 温欣
    温欣

    一如既往,无边热爱!

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