Dem Meer entlang nach Istanbul
Heute Morgen brauchte ich einen Wecker um rechtzeitig aufzustehen. Denn ich hatte mit Erkin abgemacht, dass ich um 09:30 in Silivri an der Promenade sein werde. Das war etwa 11 km von meiner Unterkunft entfernt. Da ich gestern Abend nochmals einen Platten flicken musste – als ich nach dem Spaziergang ans Meer zurück zur Unterkunft kam war der hintere Reifen schon wieder platt – wurde es, bis ich beide Schläuche geflickt und wieder alles aufgeräumt hatte sehr spät, ich ging erst um 01:30 ins Bett.
Schlussendlich bin ich nicht nur etwas später losgefahren, als ich eigentlich geplant hatte, sondern hatte ich auch die Zeit bis zum Treffpunkt unterschätzt. So traf ich erst etwa um 09:50 auf Erkan und seinen Cousin. Wir machten noch ein Foto zu dritt, dann verabschiedete der Cousin sich und wir fuhren nun gemeinsam weiter, noch knapp 90 km bis zum Taksim-Platz in Istanbul.
Erkin machte ein Time-Lapse-Video mit seiner Insta360-Kamera, welche er auf seinen Helm montiert hatte, was ganz lustig aussah. Ich freute mich riesig, nicht mehr alleine unterwegs zu sein und trotz meiner Verspätung glaubte ich, dass wir genug Zeit haben, um «rechtzeitig» in Istanbul anzukommen. Denn meine Frau Jiabin war auf dem Weg nach Istanbul und würde am späteren Nachmittag beim Hotel eintreffen und ich wollte nicht nach ihr da sein.
Der Himmel war dann wie angekündigt wirklich bald wolkenfrei, was für ein schöner Frühlingstag. Da es Sonntag war, hatte es relativ wenig Verkehr, zumindest am Morgen und noch etwas weiter weg von Istanbul. Vielfach fuhren wir an Meer-Promenaden entlang, dazwischen hatte es aber auch ein paar sehr Steile Anstiege und wo keine Promenade war mussten wir teilweise auf kleinen und manchmal auch auf richtig grossen Strassen fahren (5 Spuren in eine Richtung). Nach etwa 40 km schlug ich vor, zusammen einen Kaffee trinken zu gehen und dabei die Aussicht auf’s Meer zu geniessen. Das hatte ich nie gemacht, als ich alleine unterwegs war, es hat sich aber auch nie wirklich angeboten. Und irgendwie dachte ich, wir hätten noch jede Menge Zeit.
Sonntag hiess aber auch, dass es an der Promenade entlang des Meeres extrem viele Leute hatte. Die Promenade war teilweise richtiggehend vollgestopft. Und das wurde umso schlimmer, umso näher wir Istanbul kamen. Die Leute hier sind sich Fahrradfahrer nicht gewohnt und so waren sie auch immer wieder auf dem Velostreifen anzutreffen oder liefen Zick Zack über die Strassen, ohne sich umzusehen. Oder Kinder machten plötzliche, unerwartete Bewegungen und landeten vor unseren Rädern. So mussten wir sehr langsam und vorsichtig fahren, was teilweise etwas Geduld brauchte. Aber die Alternative wäre die grosse Strasse mit viel Verkehr gewesen, was auch nicht viel besser gewesen wäre.
Bei einem Wechsel von Promenade zu Strasse fing sich Erkin einen Platten ein – da war eine scharfe Kante aus Eisen, welche er mit einem Knall passierte und danach lief nichts mehr. Doch der Schlauch war schnell gewechselt – jetzt hatte ich ja Übung und zu zweit geht auch das viel ringer – und weiter gings.
Etwa 30 km vor Istanbul trafen wir auf einen türkischen Fahrradfahrer, welcher fragte, wohin wir unterwegs waren. Ich sagte nach Istanbul zum Taksim Square und er meinte, er fahre auch dahin, sei sich aber nicht sicher, welcher Weg. So schloss er sich uns an. Etwas erstaunlich, denn er sagte er wohne in Istanbul. Doch die Verkehrssituation war tatsächlich nicht einfach und ich war froh, mit einer gut vorbereiteten Route unterwegs zu sein. Für die Planung des heutigen Tages hatte ich im Vorfeld am meisten Zeit investiert – doch es hat sich gelohnt, denn sonst wären wir bestimmt viel mehr grosse Strassen gefahren oder in Sackgassen rein und so weiter.
Es war schon ein sehr spezielles Gefühl, nach Istanbul zu fahren und mit so vielen Leuten oder dann so viel Verkehr war das auch nicht immer ganz angenehm. Doch irgendwie machte es auch Spass. Ich bin noch nicht oft in eine Millionenstadt hinein gefahren, also eigentlich noch nie, und so genoss ich das ganze auch. Es ging halt ziemlich gemächlich voran, aber das Tempo war heute sowieso nicht so wichtig.
Im Verkehr verloren wir uns auch manchmal und ich als Vorausfahrer mit dem GPS-Gerät wartete zwischendurch wieder auf meine beiden türkischen Nachkömmlinge. Schon lustig, dass ich als Schweizer hier die Führung übernommen hatte. Beim Taksim-Platz angekommen wartete ich bei der Abzweigung zum Hotel – dieses war nun nur noch wenige Meter entfernt – wieder auf die beiden. Und siehe da: Jiabin. Sie war soeben angekommen, genau wie ich. Das war Timing, wie man es mit der besten Planung nie erreichen könnte, was mich sehr freute. Es musste eben einfach so sein. Nach einem gemeinsamen Abschlussfoto war die heutige Etappe beendet und wir begaben uns zu unserem Hotel.






























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