Der Wind, der Wind, das himmlische Kind
Nachdem ich gestern Abend nicht super schlafen konnte – ich hatte Schweissausbrüche, eventuell vom scharfen Essen – nahm ich es heute morgen gemütlich. Um kurz nach 9 ging es dann aber doch los, angesichts der relativ langen Etappe sicher gut so.
Schon nach 18 km verliess ich Ungarn und übertrat die Grenze nach Kroatien. Ein bisschen Sorgen machte ich mir schon, dass da wieder irgend eine Strasse gesperrt sein könnte und ein Umweg auf mich wartet, denn die Strasse zur Grenze war gemäss Karte ziemlich alleine in der Landschaft und ein Umweg wäre wohl weit gewesen. Doch nichts dergleichen. Da, wo der Radweg die Grenze bildete, fuhr ich etwa 3 Kilometer lang an Sperrdraht vorbei und dann war ich bereits in Kroatien. Keine Menschenseele weit und breit, also machte ich ein paar Bilder und weiter gings. Auf den paar Kilometern vor der Grenze war mir allerdings aufgefallen, dass auf die Strasse / den Radweg gerichtete Überwachungskameras installiert waren. So ganz unbemerkt war mein Grenzübertritt dann wohl doch nicht. Aber ich nehme an, dass Kontrollen vor allem in die Gegenrichtung gemacht werden. Sicher bin ich aber nicht.
Das Wetter zeigte sich auch heute wieder von der besten Seite und überall schrie es nach Frühling. Tausende kleine Blümchen säumten den Weg, etliche Obstbaumplantagen erstrahlten in voller Blütenpracht und die Temperaturen waren angenehm mild.
Aber zum Wetter gehört ja auch noch der Wind. Und der hatte es heute in sich: Auf geschätzt über 100 km hatte ich frontalen Gegenwind. Zum Glück war ich nun etwas geübt im mich bei Gegenwind zu entspannen. So radelte ich stoisch gegen Osten, schaute, dass mein Puls nicht zu hoch war und nahm zur Kenntnis, wie tief die Geschwindigkeit war. Ich machte mich so klein wie möglich und war einmal mehr froh um meinen Aero-Lenker – den habe ich in den letzten Tagen schon viel gebraucht. Doch ein bisschen nervte es trotzdem, und für meine Ohren war das ständige Rauschen des Windes irgendwann auch nicht mehr angenehm.
Zu guter Letzt erwarteten mich – sozusagen als Dessert – noch vier wenn auch kurze, aber trotzdem knackige Aufstiege. Und kaum oben spürte ich wieder die volle Kraft des Windes. Einzig die Abfahrten dazwischen waren eine freudige, kurze Abwechslung. Und wenn auf offener Strasse bei vollem Wind ein grosser Lastwagen entgegen kam, meinte ich fast ich fliege vom Fahrrad.
Die Strassen waren übrigens hier in Kroatien super gut, kein Vergleich mit den letzten Tagen. Auch Schotterabschnitte gab es eigentlich keine – bis auf einen kleinen Verbindungsweg und eine Baustelle, aber das waren insgesamt keine 5 Minuten. Ich hatte im Voraus gelesen, dass die Strassen nach Osten je länger je schlechter werden, doch dem kann ich zumindest für Kroatien gar nicht zustimmen. Natürlich war vieles auf normalen Strassen, doch der Verkehr hielt sich sehr in Grenzen. Und so zu fahren ist mir viel lieber als stehend einen Hindernisparcours zu absolvieren. Erst gegen Schluss nahm der Verkehr etwas zu und es kamen mir vermehrt die erwähnten Lastwagen entgegen. So war ich dann doch froh, um kurz nach 18 Uhr meine Unterkunft zu erreichen. Der Gastgeber wartete schon auf mich, inklusive zweier Mädchen, die als Übersetzerinnen mit gutem Englisch fungierten. Die Etappe wurde damit an der Fahrzeit gemessen zur längsten bisher – auch wenn ich von Wien nach Komárno noch 14 km weiter gefahren war, war ich heute fast eine Viertelstunde länger unterwegs. Das lag wohl vor allem am Wind.




































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