Ohne Pass geht nichts…
Als ich heute morgen um 09:30 aufgestanden bin, sah ich als erstes das Bergpanorama hinter den Wohnblöcken – dann ging ich ins Wohnzimmer und fand eine riesen Auswahl an Früchten auf dem Tisch. Ich dachte mir das ist genügend Essen zum Frühstück, zusammen mit dem Brot, welches ich noch habe. Doch kaum hatte ich mich fertig angezogen kam Lijuns Vater und wollte unbedingt mit mir Frühstücken gehen. Ich sagte ihm ich habe genügend zu essen hier, doch er meinte ich müsse etwas warmes essen. Er hatte selber schon gegessen aber begleitete mich – und bezahlte auch für alles, auch für das Wasser, welches ich auf dem Weg zurück für den heutigen Tag kaufte.
Wieder bei der Wohnung dachte ich dies ist das letzte Mal, dass ich hier reingehe, jetzt spielt es keine Rolle mehr, ob ich den Code kenne und die Türe öffnen kann oder nicht. Doch Lijuns Vater hatte einen anderen Gedanken: «Probiere nochmals, die Türe zu öffnen, so kannst du das nächste Mal einfach wieder kommen, wie wenn es dein zu Hause ist. Wir freuen uns wenn du wieder kommst, du bist immer willkommen hier.»
So verabschiedete er sich, doch kaum 15 Minuten später kam er zurück, er hatte noch Brot und einen Kuchen mitgebracht, damit ich auch sicher genügend zu Essen habe unterwegs, 6 verschiedene Sorten Früchte waren anscheinend nicht genug. Ich bin sehr dankbar für diese überragende Gastfreundschaft – die Registrierung bei der Polizei war übrigens am ersten Abend auch noch nötig, damit ich überhaupt in der Wohnung übernachten durfte.
Das habe ich bisher noch nicht erwähnt: Während dem Abendessen rufte Lijuns Mutter die Polizei an und die meinten, sie solle ein Foto meines Passes und ihrer ID-Karte machen und elektronisch schicken, dann sei die Sache erledigt. Allerdings hatte sie die ID nicht dabei. So sollten wir später doch noch zur Polizei-Station gehen. Doch zuerst wird gegessen, meinten Lijuns Eltern. Es wurde später und später und die Polizei hatte schon wieder zwei oder drei Mal angerufen um sich zu erkundigen, wann wir denn nun vorbei kämen. Schlussendlich ruften sie nochmals an, als wir fertig mit Essen waren und sagten, sie kommen gleich bei der Wohnung vorbei. Also gingen wir zur Wohnung zurück, sie machten Fotos meines Passes und zwei Minuten später war die Sache erledigt und wir gingen auf den erwähnten langen Spaziergang.
Zurück zu heute: Schlussendlich fuhr ich kurz vor zwölf los. Auf dem Weg aus der Stadt hatte es sehr viele Rotlichter und ich musste an den meisten halten – es ging leicht bergauf und die grüne Welle ist wohl auf Autofahrer ausgelegt, wenn überhaupt.
Während des ganzen Tages wurde ich immer wieder angehalten und musste meinen Pass zeigen und manchmal auch etwas warten. Hier der Einfachheit eine Auflistung:
1. Kontrolle nach 19.3 km, Dauer etwa 3 Minuten
2. Kontrolle nach 23.9 km, Dauer etwa 5 Minuten
Begleitung durch die Polizei für 3-4 km nach 32 Kilometern (ein Polizeiauto fuhr mich nach)
Begleitung durch die Polizei für ca. 10 Kilometer ab km 42
3. Kontrolle nach 67.66 km, Dauer 5-10 Minuten
4. Kontrolle nach 71.6 km, Dauer 1 Minute, es ging wohl eher darum, etwas zu plaudern
Nach 74.5 km traf ich zwei Herren aus der Gansu-Provinz, die hier in Xinjiang Lehrer sind und auch die Feiertage frei haben – sie schenkten mir ein Fläschchen Wasser und wir unterhielten uns kurz.
5. Kontrolle nach 92.4 km – die netten Polizisten nahmens nicht so genau und wünschten mir vor allem gute Fahrt und ich soll aufpassen, Sicherheit komme an erster Stelle
6. Kontrolle beim Hotel, da war aber der Mann an der Rezeption wohl gestresster als ich.
Die Kontrollen machen mir nichts aus und es geht natürlich auch viel leichter, weil ich chinesisch spreche. Die Polizisten waren immer sehr freundlich und wollten jeweils wissen, woher ich gefahren bin und wohin ich fahren möchte. Das persönliche Interesse und die Pflicht vermischen sich dabei offensichtlich und als der erste Polizist der mich heute kontrollierte ein Foto mit mir machte sagte ich ich mach auch eines – er schien nichts dagegen zu haben. Was wirklich zur Pflicht gehört wissen sie wohl selbst nicht immer hatte ich den Eindruck – da ist ein Ausländer auf einem Fahrrad, was machen wir mit dem? – denn einige telefonierten hin und her, bis ich dann doch weiterfahren durfte – das war der Grund für die jeweiligen Wartezeiten.
Die Strecke war heute stetig etwas ansteigend, insbesondere nachdem ich die G218 verlassen hatte und auf die S315 wechselte, dafür gab es auf der S315 auch ein paar Abfahrten. Schlussendlich war ich etwa um halb acht bei meinem Hotel. Die Strecke hat sich doch noch ziemlich hingezogen und ich war ein wenig müde heute. Ausserdem war es auch ziemlich heiss. Ich muss wohl noch einen etwas besseren Schlafrhytmus finden, gestern bin ich wieder nach 2 Uhr schlafen gegangen. Aber ich habe eben die Gesellschaft sehr genossen und da ich erst vor ein paar Tagen die Uhr um 3 Stunden vorgestellt hatte, entspricht das auch noch etwas meinem alten Rhythmus aus Kasachstan. Das wird sich schon noch bessern.


















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