Es wird wärmer…

Vor dem heutigen Tag wusste ich, dass es bis Taschkent noch etwas mehr als 200 km sind. Da ich mir wiederum die Stadt anschauen möchte, entschied ich mich, heute etwas mehr Kilometer zu fahren, so dass ich morgen dann am frühen Nachmittag in Taschkent bin. Ausserdem war nach etwas mehr als 120 km auch ein Ort auf der Karte mit Unterkünften – passt also perfekt. Nur buchen konnte ich sie nicht, muss wohl wie so oft direkt vor Ort gehen.

Um kurz nach 10 Uhr ging’s bei noch sehr angenehmen Temperaturen los. Nach 21 km war ich wieder auf der grossen M39, welche ich gestern schon befahren hatte. Ich hatte es verpasst, mich noch vor dem verlassen der Stadt mit Flüssigem zu versorgen doch zum Glück gab es auch an der grossen Strasse überall kleine Läden. Die waren zwar etwas teurer aber was solls, besser als zu wenig zu trinken.

Die M39 wird gerade erneuert – das heisst zum einen, dass es oft perfekten Asphalt gab, der super rollte, zum anderen aber dass es manchmal auf einer Fahrbahn vorwärts ging. Lastwagen überholten da teilweise sehr nahe, bei einem kurzen Stück das besonders eng war fuhr ich absichtlich in der Mitte der Strasse, so dass ich nicht überholt werden konnte. Das passte dem Lastwagen hinter mir zwar nicht so recht, doch die dreissig Sekunden Verzögerung konnte er wohl verkraften. Denn es ging noch immer etwas abwärts und der Wind war relativ schwach.

Einmal überholte mich ein Lastwagen, der grosse Baumwoll-Ballen geladen hatte. Dass Usbekistan Baumwolle produziert hatte ich schon von meiner Touristenführerin in Xiva gelernt, sie meinte die grosse Produktion mit viel Export wäre der Hauptgrund, dass der Aralsee grössenteils ausgetrocknet war. Heutzutage wird die Baumwolle aber nicht mehr exportiert, sondern nur noch für den Eigengebrauch produziert. Was ich auch gehört hatte ist, dass der gesetzliche Mindestlohn in Usbekistan – den eben Arbeiter auf den Baumwollplantagen haben – bei etwas 84 CHF pro Monat liegt.

Nach etwas mehr als der Hälfte machte die Strasse einen Bogen, und zwar weil geradeaus Kasachstan kommen würde. Dieser Zipfel von Kasachstan machte den Weg zwar etwa 20 km länger, doch Aus- und wieder Einreisen hätte bestimmt mehr Zeit benötigt.

Kurz vor dem Bogen machte ich bei einem kleinen Laden eine Pause und deckte mich nochmals mit Wasser ein. Es kamen je länger je mehr Usbeken zu mir und wollten mit mir reden – natürlich via Google Translate. Am längsten Unterhielt ich mich mit Baxtiyor (der Name bedeutet «der Glückliche», wie schön), mit welchem ich auch ein Foto machte. Er wollte unter anderem wissen, ob ich ein Visum brauchte für die Einreise nach Usbekistan. Ich verneinte, doch er braucht eben eines, wenn er nach Europa gehen möchte. Als ich mich so langsam verabschieden wollte, kam gerade ein jüngerer Herr an, welcher Englisch sprach. Er fragte mich noch: «Hast du alles, was du brauchst? Wasser? Geld?» – unglaublich, der hätte mir wohl sogar Geld gegeben. Doch das wollte ich nicht und mit Wasser war ich schon eingedeckt also fuhr ich weiter.

Die Temperatur war nun auf 33 Grad gestiegen. Umso wichtiger, dass ich genug trinke. Mit dem Fahrtwind und der trockenen Luft fühlte sich das gar nicht sonderlich heiss an, sondern sogar ganz angenehm – für mich persönlich definitiv angenehmer als 6 oder 7 Grad wie am Anfang meiner Reise.

Kurz vor meiner Ankunft in Sirdaryo – ich rechnete schon damit, dass ich vor 17 Uhr da sein würde – traf ich wieder auf einen Fahrradfahrer, der entgegen kam. Mit Martin aus den Niederlanden ging ich zum nächsten Restaurant und wir assen und tranken zusammen. Er ist auf dem Weg von Singapur nach Amsterdam, auch eine ordentliche Reise!

Wir unterhielten uns ziemlich lange und so war ich schlussendlich etwa um 18:40 bei einem Hotel, welches ein Zimmer für mich hatte.


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert