Seitenwind – wieder mal eine mentale Angelegenheit
Nach einer einigermassen angenehmen Nacht – um 6 Uhr musste ich auf’s WC und konnte den Sonnenaufgang bewundern, immerhin ein Vorteil, dass das WC draussen ist – stand ich relativ spät auf, denn es wurde auch gestern Abend bzw. gestern Nacht richtig spät, bis ich eingeschlafen war. Mit sehr schlechtem Empfang dauerte es eine Ewigkeit, die Bilder und das Video hochzuladen.
Bevor ich um viertel nach elf losfuhr, kaufte ich noch eine Flasche Wasser – sicher ist sicher – wobei genau dann ein Windstoss mein Fahrrad erfasste und dieses so blöd am Boden aufschlug, dass der Carbon-Lenker leicht angebrochen ist. Er hält zwar noch, lässt sich jedoch ganz wenig bewegen. Sch….! Ich kann aber gut so weiterfahren, die Position, welche für mich am bequemsten ist, wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Was auf der Strecke selbst passierte lässt sich relativ einfach beschreiben: 96.7 km geradeaus bei starkem Seitenwind, dann Abzweigung nach links und mit Rückenwind ins Dorf, welches zwei Namen zu haben scheint, Usturt und Tölep.
Dabei sah es ganz genau gleich aus, wie es gestern die letzten Kilometer ausgesehen hatte: Strasse, Stromleitungen, Steppe. Blauer Himmel und Sonnenschein wie auf der Kasachischen Flagge sollte ich vielleicht noch erwähnen und angenehme Temperaturen um die 20 Grad. Die grösste Aufregung war, als plötzlich ein Haus auftauchte, oder der Zug vorbeifuhr. Oder ein Strassenschild mit einem sehr langen Ortsnamen zu sehen war.
Die Herausforderung heute war der sehr starke Seitenwind. Dass es stark winden würde, hatte ich schon im Wetterbericht gesehen, 40-50 km/h von Südsüdosten. Ich dachte das ist fast Rückenwind, doch da ich nach Nordosten fuhr, war es doch ziemlich genau von der Seite. Klar, es war noch möglich zu fahren, doch ich musste mich sehr daran gewöhnen, dass es eben sehr viel langsamer vorwärts geht. Und das ist vor allem ein mentales Problem: Gedanken wie «so werde ich nie ankommen» machten mich kaputt, dabei war dem gar nicht so. Nach einer Stunde hatte ich immerhin knapp 17 km, da hatte ich schon oft schlechtere Starts was die Distanz nach einer Stunde anbelangt. Und jetzt hatte ich den Rhythmus langsam gefunden. Ich wusste, dass ich etwa 100 km in dieselbe Richtung fahren würde und teilte es mir wie einen Marathon ein: In drei Drittel.
Der erste Drittel ist mental mit Abstand der schwierigste, da es ja noch soooo weit geht bis ins Ziel. Doch genau deshalb fokussierte ich mich nur darauf, erst mal 33 km zu erreichen – das kann ich gut dachte ich. Der zweite Drittel ist dann schon einiges leichter – das kann ich gut nochmals wiederholen, war ich überzeugt. Und da ich für die ersten 33 km etwa 2h brauchte überlegte ich: So schlimm ist’s ja gar nicht, 6 h total wenn’s so weitergeht ist doch leicht. Der letzte Drittel ist dann vergangen wie im Flug – entweder ich hatte gelernt mich zu entspannen und im jetzt zu sein – statt ständig im Kopf Zeiten auszurechnen, oder der Wind hatte leicht nachgelassen oder beides.
Ich kam mir übrigens ein bisschen vor wie in einem schlechten Computerspiel aus den späten 90ern: Ziemlich monotone Grafik, die sich kaum ändert, alles wiederholt sich. Doch irgendwie war diese Erfahrung auch sehr interessant. Ich hätte ja auch auf dem Hometrainer oder im Fitnesscenter strampeln können, doch hier bewegte ich mich immerhin real. Tat ich das wirklcih? Nun ja, zumindest der Fahrradcomputer zeigte das an, vom Gefühl her schwer zu sagen. Immerhin war nie «Game Over» und ich schloss das Level 055 ab, indem ich meine Unterkunft um 17:40 erreichte.
Heute übernachte ich bei einer Kasachischen Familie mit sieben Kindern, da ist ganz schön was los, auch wenn nur sechs anwesend sind. Der Vater scheint musikalisch zu sein, denn als ich ob der grossen Anzahl Kinder erstaunt war, meinte er nur «Do Re Mi Fa So La Si» – macht durchaus Sinn ;-). Inklusive drei Mahlzeiten kostet mich das gleich viel wie das Hotel vorletzte Nacht, nicht schlecht – auch wenn ich wohl nur zwei davon konsumieren werde. Und meine Kleider durfte ich auch waschen, bzw. war das die Aufgabe eines der Mädchen. Nachdem ich nachgefragt hatte, ob ich die Waschmaschine benutzen dürfe, wurde sie beauftragt, das für mich zu machen.










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