Abschied von der Wüste, es geht Fluss aufwärts
Heute morgen bin ich erst kurz vor acht losgefahren, denn das Frühstück im Hotel wollte ich mir nicht entgehen lassen und dieses gabs erst ab sieben. Beim packen vor dem Frühstück konnte ich das Penaltyschiessen der Schweizer Nationalmannschaft gegen Kolumbien an der Fussball-WM verfolgen, welche nun seit 1954 erstmals wieder in einem WM-Viertelfinal steht.
Als ich mein Gepäck am Fahrrad festmachte ein kleiner Schreckmoment: Mein Gepäckträger ist wohl gestern auf der schlechten Strasse zu sehr beansprucht worden und gebrochen. Ich hörte gestern schon ein neues, seltsames Geräusch, welches ich nicht einordnen konnte, jetzt weiss ich was es war. Gebrochen ist genau die Stelle, wo die untere Schraube die Gepäcktasche festhält. Das Gepäck hält trotzdem noch, die zwei oberen Schrauben reichen prinzipiell, aber ideal ist das natürlich nicht. Ich fahre jetzt etwas vorsichtiger über Temposchwellen und hoffe auf gute Strassen, dann sollte es gehen.
Auf dem Fahrrad bin ich ganz sanft in den Tag gestartet und war selbst überrascht, wie tief mein Puls dabei war. So fühlte es sich richtig an – ich mache hier schliesslich keinen Sprint und auch keinen Marathon, eher eine gemütliche Wanderung. Dank leichter Bewölkung war es am Amfang auch noch recht kühl.
Heute habe ich mich bereits wieder vom gelben Fluss verabschiedet. Nach einem Anstieg auf etwa 1300 m.ü.M. folge ich nun einem kleinen Nebenfluss Richtung Südosten. Dabei folge ich einem grünen Streifen in der noch immer sehr trockenen Region.
Unterwegs habe ich wieder fleissig Pausen gemacht – so schwierig ist das gar nicht – und entsprechend ist es mir auch gut gegangen. Viel besonderes habe ich dabei nicht gesehen, ein Henan-Nudelhaus – Henan ist die Heimatprovinz meiner Frau Jiabin – war die grösste Attraktion. Die 34 Grad Celsius bei meiner Ankunft um 14:20 habe ich gar nicht als besonders heiss empfunden, der leichte Gegenwind half wohl auch beim kühlen.
Seit gestern bin ich in der Ningxia-Provinz, eine der kleineren Chinas, aber flächenmässig noch immer mehr als eineinhalb Mal so gross wie die Schweiz. Einwohner hat’s mit etwa 7 Millionen etwas weniger als in der Schweiz.
Nach einem Nachmittagsschlaf bin ich in ein nahegelegenes Restaurant essen gegangen und habe mich recht lange mit den Leuten dort unterhalten. Wie etwa 35% der Bevölkerung Ningxias gehören sie zur muslimischen Hui-Minderheit. Sie schenkten mir ein paar Schnitze Wassermelone – jetzt ist Saison hier, auf der Strasse habe ich gestern und heute unzählige Wassermelonenverkäufer gesehen.






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