Die Grünflächen werden grösser
Auch heute fuhr ich wieder grösstenteils durch die Wüste, doch die grünen Inseln werden grösser. Um 08:30 ging’s los und schnell war ich raus aus der Stadt und zurück in der Gobi-Wüste. Bei trockenen 28 Grad war das fahren zumindest was die Temperatur betrifft recht angenehm.
Wirklich angenehm war die Fahrt sber nicht, denn statt dem prognostizierten leichten Rückenwind hatte ich mässig starken Gegenwind. Dieser und das leicht ansteigende Höhenprofil führten dazu, dass ich nach zwei Stunden erst ganz knapp über 30 km zurückgelegt hatte. Auf die geplante Gesamtdistanz hochgerechnet würde dies bedduten, dass heute die längste Zeit im Sattel meiner gesamten Reise werden könnte. Für den Nachmittag war starker Rückenwind angesagt und ich fragte mich, warum ich so früh losgefahren war. Doch das war mal wieder der Kopf, der nicht aufhören wollte zu denken. Einfach entspannen und weiter treten, kommt schon gut.
Und es kam tatsächlich gut. Schon auf dem zweiten viertel der Strecke lief es deutlich ringer. Ich achtete darauf genug zu trinken und genügend Essenspausen zu machen und so vergingen die Kilometer je länger je ringer.
Nach etwa 90 Kilometer war ich wieder von landwirtschaftlich genutztem Boden umgeben und fuhr durch kleine Dörfer und an etlichen Blumenfeldern vorbei.
Beim gebuchten Hotel angekommen erwartete mich bei meiner Ankunft um 16:30 zuerst eine sehr positive Überraschung: Zu meinem Geburtstag hatte Jiabin Getränke, einen Apéro und Dessert für mich bestellt. Die negative Überraschung folgte aber postwendend: Sie könne mich hier nicht aufnehmen, meinte die Rezeptionistin. Ich bestand darauf, dass seit Juli 2024 alle Hotels Ausländer aufnehmen müssen. Etwas genervt folgte sie meinem Ratschlag und rief über Umwege die lokale Polizei an, die jedoch nicht ans Telefon ging. Nach etlichen Versuchen musste ich nach über einer Stunde Diskussionen und herumtelefonieren kleinbei geben und mir doch noch ein anderes Hotel suchen. immerhin konnte ich beim Warten auf dem Lobby-Sofa bereits ein leckeres Getränk geniessen. Also hängte ich die restlichen Geschenke an meinen Lenker und machte mich auf den Weg.
Beim zweiten Hotel gab’s dann keine ernsthaften Probleme. Die Rezeptionistin war aber etwas beschäftigt mit ihrem Spiel am Mobiltelefon und so schaffte sie es erst beim dritten Mal «Mobiltelefon so kurz wie möglich weglegen und Pass kopieren», dass die Kopie auch so herauskam, wie sie wollte. Danach war aber alles gut.
Im Hotelzimmer angekommen genoss ich endlich den leckeren Apéro. Nach einer kurzen Dusche machte ich mich auf ins von Jiabin herausgesuchte Restaurant um Nudeln zu essen. Das hat in China Tradition: Lange Nudeln für ein langes Leben. Reis ist definitiv zu kurz. Vielen Dank für diese tollen Geburtstagsüberraschungen. Auch wenn ich den Tag grösstenteils alleine verbrachte fühlte ich mich doch sehr umsorgt und geliebt, ein wunderbares Gefühl.
Neben meinem Geburtstag gab es noch einen zweiten Grund zu feiern, hatte ich doch heute die 10’000-km-Grenze überschritten. Lange feiern lag aber nicht drin, dazu war ich zu müde. Besser früh ins Bett, das ist auch ein Geschenk an mich selbst.














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