Vom Alpenfeeling in die Wüstenmetropole

Nach der späten Nachtruhe gestern habe ich ziemlich lange geschlafen. Danach ging’s aber relativ schnell bis ich all meine Sachen gepackt hatte und um kurz vor 10:30 losfuhr. Frühstück hatte ich aber noch nicht gehabt und so machte ich einen «Boxenstopp» in der Stadt, bei einem Frühstück-Restaurant, welches ich gestern Abend gesichtet hatte.

Kurz vor elf dann der «richtige» Start, praktisch windstill ging’s los Richtung Osten. Nach etwa 20 Kilometer kamen mir zwei chinesische Fahrradfahrer entgegen. Mit einem der beiden tauschte ich mich kurz aus, dr andere schien weniger kontaktfreudig.

Die Bergkulisse fühlte sich nun etwas an wie im Oberengadin oder im Goms und nach zwei leicht steileren aber immer noch sanften Anstiegen und ziemlich genau der Hälfte der Kilometer erreichte ich den höchsten Punkt des Tages. Als alternative Strecke hätte ich bereits ein paar Kilometer vorher rechts abbiegen können und über einen etwa 300 Meter höheren Pass fahren können, womit die Gesamtstrecke etwa 14 Kilometer kürzer gewesen wäre. Doch nachdem ich gestern Bilder von Gabriel gesehen hatte, die eine tolle Schlucht zeigten, entschied ich mich für die längere Option mit weniger Höhemetern.

Laut Gabriel war die Strasse offiziell gesperrt, als Fahrrad könne man jedoch passieren, ein Arbeiter habe ich vorgestern durchgewunken. Um diese Information war ich froh, denn nach ein paar Kilometern kam tatsächlich eine Sperre, bei der fünf oder sechs chinesische Autos stecken geblieben schienen. Ich zischte an ihnen und den Pilonen vorbei – Arbeiter oder Polizist war keiner zu sehen – und freute mich über die komplett leere Strasse. Was für ein Kontrast zur vollgestopften Duku Hochstrasse.

Mit fast ständig 50-60 km/h düste ich die nächsten 26 km runter bis zu einer Gegensteigung. Da war dann doch noch ein Arbeiter und der meinte es fänden Arbeiten statt, ich solle voraichtig sein. Aber erst, nachdem er bei meinem Anblick den Daumen hoch gezeigt und dazu «stark» gesagt hatte. Zu stören schien ich also nicht.

Nach der Steigung gings dann nochmals fast 50 km runter von etwas mehr als 1600 m.ü.M. auf knapp 800 m.ü.M. – was in Windeseile vorbei ging und damit bin ich die über die letzten Tage akkumulierten Höhemeter wieder runtergefahren. Ich hatte im Kopf ausgerechnet, dass ich mehr als 30 km/h im Schnitt fahren müsste, um vor 18:30 anzukommen und tatsächlich war ich kurz davor bei meinem Hotel. Die angeblichen 41 Grad Celsius fühlten sich nicht so an, aber ich musste aufgrund des trockenen Mundes alle 4-5 Minuten etwas trinken. Nur einmal kam eine Windböe, bei der ich das Gefühl hatte, dass soeben jemand neben mir die Türe zur Sauna geöffnet hat.

Beim Hotel erwartete mich wieder einmal ein sehr herzlicher Empfang, bzw. wurde ich wie ein Star behandelt. Das Morgenessen, das ich laut Jiabin vor Ort noch zusätzlich hätte bezahlen müssen, schenkte mir die Rezeptionistin, dafür gabs eine Fotosession mit mir – sie fragte ein bisschen scheu, ob sie ein Bild mit mir machen könne und war sichtlich erfreut, als ich zustimmte.

Nach dem Essen, bei dem ich von einem anderen Hotelgast eine Spezialität aus Xuzhou erhielt die aussah wie Papyrus aber sowas ähnliches wie Fladenbrot war machte ich noch einen Spaziergang im nahegelegenen Park, wo die einen leuchtende und blinkende Fahrzeuge mieteten und die anderen ein Picknick vor dem Zelt machten. Als ich kurz vor Mitternacht zurück im Hotel war, wars noch immer über 30 Grad.


Ein Kommentar zu «Tag 104 – Barköl – Hami (148.48 km / 870 hm)»

  1. Avatar von Jiabin
    Jiabin

    哇,今天路上的景色真的很酷!绕远路的选择很值得!

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