Unglaublich viele Windräder und wieder mal Regen in der Wüste

Kurz nach halb elf gings heute los. Ich wollte eigentlich etwas früher aufbrechen, war aber noch recht müde und hatte wortwörtlich Mühe in Fahrt zu kommen. Die Erfahrung der letzten Tage zeigt mir, dass Achtsamkeit und auf meinen Körper hören immer noch höchste Priorität hat. Nur weil ich nun schon mehr als Neuntausend Kilometer gefahren bin, heisst das nicht, dass ich nun die Kilometer einfach so durchhämmern kann, ohne auf die Signale des Körpers zu hören. Ich muss nach wie vor jeden Kilometer zuerst fahren und sollte mich nicht zur Arroganz verleiten lassen, dass ich nun alles kann, das geht nur im Kopf, nicht in der Realität. Mein Selbstvertrauen nimmt zwar zu, doch ist es eben eine feine Grenze zur Überheblichkeit.

Nach der ersten Steigung merkte ich bald, dass ich heute Rückenwind hatte. Starker Rückenwind, welcher auch wenn er manchmal leicht seitlich kam noch gut vorwärts getrieben hat. Der seitliche Rückenwind hatte aber zur Folge, dass ich jedesmal, wenn ein grosser Lastwagen entgegenkam, einen ziemlichen Schlenker machte, da musste ich sehr vorsichtig und gefasst sein.

Nach der Anfangssteigung ging’s etwas rauf und runter und wurde je länger je karger, ausser Sand, Felsen und sehr vielen Windrädern – es muss tausende geben hier – war hier nicht viel zu sehen. Dank der Höhenlage war die Temperatur aber sehr angenehm. Ich traf zwei Chinesische Radfahrer mit denen ich mich kurz austauschte und die mir empfahlen, durch die Wüste nach Hami mit der Polizei zu fahren. Ich könne sie einfach fragen und werde dann kostenlos 100 km chauffiert. Sie hätten das auch so gemacht, einfach in die Gegenrichtung. Interessante Option, wäre auch eine neue Erfahrung. Die beiden schwärmten richtig von der Polizei in Xinjiang, anscheinend tatsächlich Freund und Helfer.

Nach der etwas flacheren Phase ging’s nach etwa 70 km wieder etwas steiler bergauf, doch der Rückenwind war so stark, dass es sich ziemlich leicht hochkurbelte. Jetzt fühlte ich mich endlich wieder so richtig im Saft und auch wenn ich mal etwas stärker in die Pedalen trat explodierte mein Puls nicht gleich. Ein tolles Gefühl.

Kurz vor dem höchsten Punkt des Tages kam dann ein Gewitter auf und da brauchte ich die wiedererlangte Stärke. Der Wind, der nun von der Seite kam, war so stark, dass ich etwa 14 km vor Xialaoba doch noch pausieren musste. Ich suchte Schutz hinter einer Mauer und wartete einige Minuten, bis der grösste Regen und die Sturmböen vorbei waren, bald schien auch schon wieder die Sonne. Die Strecke machte danach einen 90-Grad-Richtungswechsel und ich fuhr voll gegen den noch immer anhaltenden starken Wind, zum Glück nur für wenige Kilometer.

Kurz nach 17 Uhr war ich dann in Xialaoba und fand die Unterkunft, welche online nicht zu finden war, mir Magang aber gestern empfahl. Dafür, dass es in der Unterkunft weder WC noch Dusche gibt bezahlte ich viel zu viel, nämlich etwa gleich viel wie für die vollsusgestatteten Hotels der letzten Tage. Doch es gibt hier keine andere Option ausser vielleicht noch Zelten.

Schon lustig, dass es in dieser kargen Landschaft, man könnte es Wüste nennen, wieder regnete, wenn ich da bin. Mit Regen in der Wüste hatte ich ja schon in Usbekistan Erfahrungen gesammelt. Nach meiner Ankunft regnete es nochmals ziemlich stark und als ich die Unterkunft zum Einkaufen verliess, zeigte sich ein wunderbarer Regenbogen.

Die Unterkunft kochte ein leckeres Essen für mich und nun hatte ich auch endlich wieder richtig Appetit und musste mich nicht mehr fast zum Essen zwingen wie die letzten Tage. Die nächste Mini-Krise scheint überstanden.


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert