Zur Abwechslung ein lockerer Tag

Für heute habe ich nur eine kurze Etappe eingeplant. Einerseits, weil ich gestern Abend sehr müde war und andererseits hat es sich mit den Übernachtungsmöglichkeiten auch so ergeben, dass ich – bzw. Jiabin – nach etwa 66 km ein Hotel finden konnte, danach aber für längere Zeit keines mehr. Irgendwie musste es wohl so sein, es passt einfach.

Entsprechend schlief ich ziemlich lange und fuhr schlussendlich erst um 11 Uhr los. Da war es schon 30 Grad und heute benützte ich als Kopfbedeckung einen Sonnenhut statt den Helm. Das fühlte sich tatsächlich kühler und angenehmer an. Auch kaufte ich elektrolythaltige Getränke, um meinen Körper besser zu unterstützen.

Ich stellte also mein Handy bzw. Amap (Gaodeditu, das chinesische GoogleMaps) auf die Adresse des Hotels ein und fuhr ganz gemütlich los. Der Puls war jetzt wieder im gewohnt tiefen Bereich, was mich schon mal beruhigte.

Amap gibt erzeugt immer wieder Sprachausgaben – auf chinesisch – von welchen ich einige ziemlich interessant finde, beispielsweise:

«Mit der momentanen Geschwindigkeit kannst du das nächste Lichtsignal passieren»

«Mit 18 km/h kannst du das nächste Signal passieren, deine momentane Geschwindigkeit ist 23 km/h»

«Achtung, von hinten kommt ein grosser Lastwagen, sei vorsichtig»

«Achtung, von hinten kommt ein schnelles Auto, sei vorsichtig»

Hier sind also offensichtlich die genauen Ampelphasen in der App verfügbar und während bei uns Mobiltelefone beispielsweise für die Stauerkennung genutzt werden, werden sie hier auch für einzelne Fahrzeuge ausgewertet, eben für ein besonders schnell fahrendes Auto beispielsweise.

Nach einer Pause etwa nach der Hälfte der Kilometer – ich ass die Nudeln von gestern Abend noch fertig, weil ich am Morgen nicht alles essen konnte – gings dann etwas steiler nach oben als bisher, allerdings immer noch sehr moderat. Die Umgebung wurde trockener, doch es zogen Wolken auf und zusammen mit der Höhenlage war die Temperatur so sehr angenehm.

Kurz vor Mori sah ich einen Fahrradfahrer entgegenkommen, bzw. am gegenüberliegenden Strassenrand stehen, der von einem Rollerfahrer begleitet wurde. Ich wechselte die Seite und hielt an, um mich mit den beiden zu unterhalten. Jack auf dem Roller hatte gestern einen Unfall und war bandagiert, Magang war soeben mit einem Auto zusammengestossen, was der Grund für den momentanen Stillstand war. Sie empfahlen mir den Helm wieder zu tragen und angesichts der angenehmen Temperatur machte ich das. Ausserdem konnten sie mir noch sagen, wo ich morgen eine Unterkunft finden kann, denn online konnten Jiabin und ich nichts finden im von mir anvisierten Dorf. Doch es gebe dort eine einfache Unterkunft und sie schickten mir auch die Adresse, super.

Bevor ich zum Hotel fuhr, sah ich mir noch einen kleinen Park an. Solche typischen chinesischen Bauten wie dort hatte ich in diesem Teil von China noch nicht so viele gesehen, vielleicht habe ich sie aber auch einfach verpasst. Der kleine Umweg hatte sich jedenfalls gelohnt.

Auf den letzten zwei Kilometern regnete es dann tatsächlich leicht, angesichts der noch immer 29 Grad aber überhaupt kein Störfaktor. So kam ich um viertel vor vier bei meiner Unterkunft auf knapp 1300 m.ü.M. an und war im Gegensatz zu gestern und vorgestern noch in bester Verfassung. Müde war ich trotzdem noch, so nutzte ich die Zeit, um mich vor dem Abendessen auszuruhen.

Beim Abendessen – ich musste knapp einen Kilometer gehen, bis ich ein Restaurant fand das nicht nur nach Fleisch aussah – traf ich dann fünf nette Chinesen. Sie baten mich nach dem ich meine Bestellung aufgegeben hatte zu sich an ihren Tisch und so wurde mein Gemüse ebenfalls hierher geliefert und ich musste nicht alleine essen. Ausserdem durfte auch von ihren Gerichten nehmen – in China seien alle eine grosse Familie meinten sie. Ich unterhielt mich ziemlich ausführlich mit ihnen. Sie arbeiten mit Windrädern in einem Windradpark in etwa 100 km Entfernung. Jincheng, mit dem ich mich am meisten austauschte, empfahl mir einen Ort, um morgen zu frühstücken und rief sogar zweimal dort an, um alle meine Fragen zu klären. Vielen Dank dafür! Ich merkte, dass sie langsam aufbrechen wollten doch Jincheng meinte zu den anderen sie sollen noch warten, ich sei noch am Essen. Als ich dann auch fertig war, kam das OK zum gehen und ich wollte bezahlen, da meinte Jincheng es sei schon alles bezahlt – vielen Dank auch dafür.

Zurück in meinem Hotelzimmer flickte ich noch den kaputten Schlauch von vorgestern und da kam kurz vor 22 Uhr ein Polizist vorbei. Ich fragte, ob er meinen Pass sehen wollte und er verneinte. Er wollte nur wissen, wohin ich unterwegs bin und ob bei mir alles in Ordnung sei. Ich bejahte und er meinte dann falls ich irgend ein Problem hätte soll ich mich via Rezeptionistin bei ihm melden. Die Polizei, dein Freund und Helfer eben.


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