Es ist noch heisser als gestern
Gestern Abend ging ich bereits um 20:30 ins Bett – und wachte heute Morgen erst um kurz nach halb sieben auf, weil wir beide keinen Wecker gestellt hatten. Aber der lange Schlaf hatte richtig gut getan. Das Frühstück gab’s im Gegensatz zu gestern im Hotel und doch fuhren wir erst um 08:09 los. Da war es bereits 32 Grad warm.
Auf dem Weg aus der Stadt war alles vollgestopft mit Elektrorollern, wohl auf dem Weg zur Arbeit. Nach einer halben Stunde kaufte ich mir etwas zu trinken, denn das hatte ich am Morgen vergessen und den halben Liter Wasser, den ich beim Start noch gehabt hatte, hatte ich bereits getrunken.
Wir fuhren ein langes Stück einem Fluss entlang – auch heute war das Landschaftsbild von Wasser geprägt – und sahen nochmals eine Wassersprühmaschine, allerdings nicht in Betrieb. Später sahen wir an einer Mauer auch noch eine andere Art von Wasser-Sprüh-Kühlung, welche über mehrere hundert Meter installiert war. Doch davor machten wir die erste Kühlpause, ich hatte mir ja vorgenommen, mehr Pausen zu machen als gestern. Wir fragten bei einem Immobilienverkäufer, ob wir uns kurz in den klimatisierten Raum setzen dürfen und die 24 Grad – so war die Klimaanlage eingestellt – fühlten sich fast an als wären wir in einem begehbaren Kühlraum, so gross war der Unterschied zu draussen
Nach knapp 60 Kilometern machten wir Mittagspause, etwas früh, doch Wenxin hatte gesehen, dass danach lange keine Gelegenheit mehr bestehen würde. Und so war es auch tatsächlich. Denn nach etwa 85 km sagte ich zu Wenxin, dass wir besser bald wieder eine Kühlpause machen würden – es war nun 38 Grad und gemäss Mobiltelefon gefühlt wie 44 Grad heiss – und damit tatsächlich noch etwas heisser als gestern. Doch es kam weder eine Tankstelle, noch ein Laden oder eine sonstige Möglichkeit, sich abzukühlen bis nach etwas mehr als 100 km.
Zum Glück hatte es relativ oft Bäume und zwischendurch auch zwei, drei Mal eine Wolke, die sich vor die Sonne schob, das machte die Fahrt deutlich angenehmer. Und zum Glück hatte ich viel geschlafen und mich gut erholt, denn heute fühlte ich mich trotz höherer Temperatur deutlich wohler. Nach etwas mehr als 100 km kam eine Art Raststätte, welche einen klimatisierten Raum hatte, doch leider konnte man dort weder etwas zu trinken noch zu Essen kaufen. Heisses Wasser gab es dafür umsonst, typisch China. Ich war etwas hungrig und zum Glück hatte Wenxin noch eine Art salzig-süsses Gebäck. Sonst nicht so mein Ding, aber bei so viel Schweiss war das Salz gerade richtig.
Bis zum Hotel waren es nun noch knapp 23 km. Das ging ganz gut, doch beim Hotel angekommen – es war 16:15 – merkte ich, dass ich wohl tatsächlich etwas zu wenig gegessen hatte, das Gebäck von Wenxin war nicht genug. Denn mir wurde etwas schwindlig. Ich ging sofort zum nächsten kleinen Laden, um mir Snacks und Süssgetränke zu kaufen. Nach deren Verzehr ging es mir wieder deutlich besser.
Ich hatte nach der Etappe gestern nochmals etwas Sorgen gehabt, ob es heute wirklich gut gehen würde, doch das tat es und entsprechend erleichtert war ich. Ich hatte heute nochmals mehr getrunken als gestern, etwa 1 Liter Flüssigkeit pro Stunde – und doch musste ich nie auf’s WC. Ein bisschen Kopfkino und Gedankendrama war anscheinend noch nötig. Mein Fokus war aber wieder darauf, möglichst entspannt zu fahren, wohl das einzig sinnvolle bei diesem Wetter. Nun bleiben bis zur Skyline von Schanghai – meinem erklärten Ziel – nur noch etwa 60 Kilometer. Schon heute während der Fahrt kam bei mir ein paar Mal ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich daran dachte, wie Nahe am Ziel ich nun bin. Und ich freue mich sehr darauf, dort auf Jiabin zu treffen – sie sitzt im Flugzeug und kommt um 06:40 morgens in Schanghai an.












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