Hunde

Heute Morgen bin ich bereits kurz nach sieben Uhr losgefahren. Ich wollte die Fähre nach Ram, welche nach etwa 118 km kommt um 14:30 erreichen und so sollte ich genügend Zeit haben. Als zweites erhoffte ich mir, dass am Morgen der Verkehr in Belgrad vielleicht noch etwas weniger ist. Ob das so ist kann ich allerdings schwer beurteilen, weil ich nicht weiss, wie der Verkehr später war.

Ich bin allerdings recht gut aus der Stadt gekommen, und auch die Brücke über die Donau, welche andere Fahrradfahrer als etwas vom schlimmsten auf der ganzen Donau-Route bezeichnet hatten, war ganz okay. Natürlich hatte es Verkehr, doch ich fühlte mich als Radfahrer respektiert.

Danach war es zuerst etwas schwierig, den richtigen Weg zu finden. Und als mir das gelang, traf ich auf ein paar Hunde, welche mich anbellten. Ich fuhr vorsichtig an ihnen vorbei, wie ich das bisher immer machte, und alles schien gut zu gehen. Doch der letzte Hund, welcher sich anfangs am ruhigsten verhalten hatte und zuerst gar nicht bellte, wurde plötzlich super agressiv und rannte mir mit lautem Gebell nach als ich schon vorbei war. Er schnappte dann sogar nach mir, erwischte aber zum Glück nur meine Radtasche hinten links. Wenn das mein Bein gewesen wäre – ich will gar nicht darüber nachdenken. Aber die Radtasche hat jetzt leider zwei kleine Löcher von seinen Zähnen. Und ich ärgerte mich extrem und brauchte einige Kilometer, bis ich mich wieder beruhigte.

Weiter ging’s zuerst durch ein paar schöne Dörfer und wurde je länger je ländlicher. Auf einmal stand ich wieder vor einer Schotterstrasse und dachte mir, das wird schon gehen, wird wohl nicht so lange sein. Dass daraus dann fast 26 km wurden und die Strasse zum Teil in einem miserablen Zustand war, wusste ich da noch nicht. Aber ich blieb zumindest am Anfang ruhig und fuhr langsam, so verlor ich halt einfach ein wenig Zeit. Und am Schluss auch ein bisschen die Nerven, es regte mich je länger je mehr auf und der Schluss war besonders schlimm. Ein vollgefedertes Mountainbike wäre hier das einzig Richtige gewesen.

Nun schaute ich mir die Karte nochmals genau an und merkte, dass noch ein zweiter Abschnitt mit Schotter kommen würde. Auf das hatte ich nun keine Lust mehr. Wie schon bei der Einreise nach Serbien auf dem Schild vermerkt, gibt es aber jeweils auch alternative Routen, welche asphaltiert sind. So wich ich von meiner geplanten Route ab und nahm eben so eine. Ich glaube die Strecke wurde damit sogar kürzer und wahnsinnig viel Verkehr hatte es auch nicht. Dafür Gegenwind. Die letzten 5 km, bis sich die geplante und die alternative Route wieder vereinten blies es mir so stark entgegen, dass ich kaum voran kam. Und jetzt fuhr ich wohl auch mit etwas zu hohem Puls.

Die Fähre, bzw. den Ort wo diese fährt, erreichte ich dann etwa um 13:50. So hatte ich noch eine Pause, bis um 14:30 die zweitletzte Fähre des Tages fuhr. Da die letzte erst um 17 Uhr fuhr war ich froh, diese erreicht zu haben, denn sonst wäre es bis zu meiner Ankunft etwas spät geworden. So richtig geniessen konnte ich die Pause allerdings nicht, denn da waren mindestens 10 herrenlose Hunde, die mich belagerten. Ich bin eh eher der Katzentyp und nach dem Vorfall heute Morgen fühlte ich mich nicht so ganz wohl dabei.

Seit dem Vorfall beachtete ich aber den Tipp, den ich vor der Reise mal gelesen hatte: Vom Rad absteigen, Rad zwischen sich selbst und den Hund und wenn dieser sich beruhigt hat, sich langsam entfernen. Dies klappte auch ganz gut, bei zwei, drei Hunden, welche mir unterwegs noch begegneten – jetzt stieg ich jedesmal zur Sicherheit zuerst ab. Doch als ich dann kurz vor der Fährstation von 7 Hunden umzingelt war, befolgte ich den zweiten Tipp: Einen Stein in die Hand nehmen. Und sobald ich mich bückte und den erstbesten Stein aufhob, waren alle Hunde zack weg. Das scheint also zu funktionieren – nur kamen die Hunde wieder zurück, als ich auf die Fähre wartete.

Nach der Fährüberquerung hatte ich noch knapp 20 km bis Veliko Gradište. Der Wind war nun teilweise allerdings so stark, dass ich mich nur noch mit 12, 13 km/h fortbewegte, kam dann aber um viertel nach Vier doch noch an – in einer sehr schönen Unterkunft mit Blick auf die Donau und einem super netten Gastgeber. Unterwegs fand ich übrigens einen Stock, welchen ich zur Verteidigung gegen Hunde ebenfalls mitnahm. Ich will keinem Hund weh tun, doch falls ich angegriffen werde, möchte ich mich verteidigen können. Beziehungsweise schrecken die Hunde hoffentlich vor dem Stock zurück und es kommt gar nicht zur Konfrontation, so wie mit dem Stein. Von was ich vor der Reise gelesen hatte, könnte ich noch einigen Hunden begegnen auf meinem Weg.


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