Jetzt geht’s «richtig» los

Nachdem ich die ersten beiden Tage noch in bekannten Gebieten unterwegs war und bei bekannten Gesichtern übernachten durfte war heute der erste Tag ins «Unbekannte». Dank der gut vorbereiteten Routen und meinem Fahrradcomputer war es aber ein leichtes, den Weg zu finden. Und dieser war vor allem eines: Bergab. Wie das Wasser ging auch ich heute den Weg des geringsten Widerstands – oder so ähnlich. Nachdem es gestern Abend etwas spät wurde und ich trotzdem genug schlafen wollte – wie wichtig das ist habe ich ja erst kürzlich wieder gelernt – war der Start in die Etappe um 10:20 etwas später, als ich es ursprünglich vor hatte.

Schon nach wenigen Metern hatte ich den höchsten Punkt des Tages erreicht, danach ging es bergab. Die deutschen Strassen sind übrigens echt super zum Fahrrad fahren – das habe ich gestern schon gedacht. Das RadNetz ist so gemacht, dass man äusserst selten mit Autos in Berührung kommt und wenn, dann nur in urbanen Zonen wo der Verkehr langsam fliesst. Manchmal gibt es aber auch alle paar Meter eine kleine Schwelle oder so, was heute zumindest in einem Bereich ziemlich nervig war. Oder eine Baustelle. Davon gab’s heute mindestens vier, welche meine Reise beeinflussten. So konnte ich bei den ersten beiden die geplante Route nicht fahren, aber immerhin war eine Umleitung signalisiert. Bei der dritten bin ich einfach durchgefahren wie ein Autofahrer vor mir, was von den Bauarbeitern lautstark kommentiert wurde und bei der letzten musste ich tatsächlich umkehren und einen neuen Weg finden und das kurz vor dem Ziel, was mich ein wenig nervte.

Kurz vor Ulm bin ich das erste Mal an die Donau gelangt, welcher ich in den nächsten Tagen durch 8 Länder folgen werde. In Ulm machte ich dann bereits Mittagspause bevor es weiter dem zweitlängsten Fluss Europas entlang richtung Osten ging. Dabei war der Fahrrad-Weg oft eine Schotterpiste und ich war froh, dass ich ein Gravel-Bike habe, mit dem ich diese Strassen ohne Probleme passieren konnte, auch die eine Stelle, die ziemlich verschlammt war. Der Untergrund hat für mich aber vor allem zwei Nachteile: Erstens rollt es nicht so gut wie auf glattem Strassenbelag (und dieses Rollen ist einer der Hauptgründe, warum ich so gerne Fahrrad fahre, das macht einfach Spass) und zweitens sind die vielen Unebenheiten und häufigen Schlaglöcher auch für das Hinterteil nicht unbedingt angenehm. Heute war das sitzen teilweise schon ein bisschen unangenehm und der rauhe Untergrund hat das Problem wohl noch akzentuiert.

Ansonsten habe ich mich aber schon gut an das Velo-Leben gewöhnt, was bei dem traumhaft schönen Wetter, welches ich heute wieder geniessen durfte und den vielen kleinen, malerischen Städtchen, die ich durchfuhr natürlich auch nicht allzu schwierig ist. Was mir sonst noch aufgefallen ist heute: Es ist hier unglaublich flach. In alle Richtungen sind bis zum Horizont keine Berge und nicht mal Hügel zu sehen. Das bin ich mir aus der Schweiz nicht gewohnt. So gab es natürlich auch nicht viele Höhenmeter und ich erreichte meinen Etappen-Zielort trotz später Abfahrt und etwa ähnlich vielen Kilometern wie gestern – nach kleiner Zusatzschlaufe wegen erwähnter Baustelle – um kurz vor 18 Uhr bei langsam schwacher werdendem Sonnenschein.


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