Türkei geht auch flach…

Nach dem Morgenessen mit Ausblick auf die recht grosse Stadt Samsun ging’s erst um viertel vor 11 los heute. Gestern Abend hatte ein Autofahrer kurz vor der Ankunft Shaun’s Fahrrad, bzw. seine Tasche, touchiert und dadurch ist leider der Schliessmechanismus, der die Tasche am Gepäckträger fixiert, kaputt gegangen. Erst noch optimistisch, dass das ganze trotzdem hält, musste Shaun nach nur wenigen Metern und ein paar holprigen Stellen dann noch etwas unternehmen, dass die Tasche richtig fixiert ist.

So fuhren wir schlussendlich erst nach 11 wirklich los und zwar gleich auf der grossen Hauptstrasse Richtung Osten. Am liebsten wäre ich möglichst nahe dem Meer entlang gefahren, das war aber leider erst mal nicht möglich. Nach ein paar Kilometern nutzten wir dann eine Überführung, um auf die andere Seite der grossen Strasse mit mittiger Abschrankung und über die Gleise der Strassenbahn hinweg doch noch näher ans Meer zu kommen. Ob da wirklich eine durchgehende Strasse war, war allerdings ungewiss.

Nur wenige Kilometer später standen wir vor Bahngeleisen ohne offiziellen Übergang, doch man konnte sehen, dass auch andere hier schon passiert sind, also lupften wir die Fahrräder über die Geleise und weiter gings. Nur kurz später entdeckten wir per Zufall einen Fahrradweg, welcher auf meiner Karte noch als Eisenbahngeleis eingeichnet war. So kamen wir nochmals ein paar Kilometer weiter, doch bald war auch dieser Fahrradweg zu Ende und wir mussten zurück auf die verkehrsreiche Hauptstrasse.

Kaum hatten wir etwas mehr als 30 Kilometer zurückgelegt und sich erste Gedanken an eine Pause bemerkbar machten, gestikulierte ein Mann an einer Tankstelle, ich soll zu ihm fahren. Er wollte uns unbedingt zum Tee einladen und sich mit uns unterhalten. Der auch noch anwesende jüngere Mitarbeiter meinte, der Mann sei ein ganz super Typ und auch wir hatten diesen Eindruck. Als wir mit Tee versorgt waren ging er kurz in den Tankstellenshop und brachte auch noch Kekse. Nachdem wir unsere Geschichte grob skizziert hatten fiel das Thema auch wieder mal auf Fussball – echt fussballverrückt diese Türken.

Danach fragte der nette Mann noch, wo wir denn planten zu übernachten und fügte gleich hinzu, dass wir auch bei ihm zu Hause schlafen könnten. Gabriel aus Argentinien, welchen ich anfangs Türkei getroffen hatte, erklärte mir damals, dass er jede solche Einladung annimmt, sobald er 5 km gefahren ist. Für mich ist das untere Limit aber etwas höher – auch höher als die bereits zurückgelegten 33 oder 34 Kilometer. Ich hatte ein Öğretmenev – also ein Lehrerhaus – ins Auge gefasst für heute Abend und das war noch ein ziemliches Stück entfernt. Der Mann, dessen Namen ich leider nicht mehr weiss, probierte noch für uns ein Zimmer zu reservieren, doch wie schon beim letzten Versuch vor ein paar Tagen nahm auch bei diesem Lehrerhaus niemand das Telefon ab. Also fuhren wir auf gut Glück weiter – wird schon klappen.

Die nächsten Kilometer etwas im Landesinnern waren wieder einmal von ziemlich starkem Gegenwind geprägt, langsam aber kontinuierlich ging es trotzdem weiter. Bis ich einmal am Strassenrand anhielt um Shaun zu fragen, ob wir bald wieder eine Pause machen sollen. Und da war schon die nächste Einladung zum Tee. Die Frage hat sich also von selbst geklärt.

Weiter ging’s bald wieder dem Meer entlang. Wir nahmen nun für ein paar Kilometer Abschied von der stark befahrenen Strasse, um am Meer zu bleiben. Dadurch wurde die Strecke zwar ein, zwei Kilometer länger, doch dafür entfielen die zwei oder drei anstehenden Anstiege. Zeitlich sollte das also etwa aufs gleiche herauslaufen. Und die Stadt Ünye, die wir dafür durchfuhren, war sehenswert. Kurz nach dieser Stadt machten wir nochmals eine Essenspause, Zeit schien noch genügend vorhanden zu sein bis zum eindunkeln und es waren nun nur noch 20 km bis zum anvisierten Lehrerhaus.

Dort kamen wir ziemlich genau um 19:30 an und nun war es doch schon am eindunkeln – wir waren anscheinend doch schon wieder ein Stück weiter im Osten, denn in Istanbul war der Sonnenuntergang bereits nach 19:30 und die Tage sind ja immer noch am länger werden. Hier war heute der Sonnenuntergang anscheinend um 19:10.

Auf meine Nachfrage, ob es denn noch ein freies Zimmer gebe, musste ich einige Minuten warten, bis ich eine Antwort bekam. Schlussendlich fiel diese negativ aus. Die Zimmer waren anscheinend alle gebucht. Ob er denn wisse, wo ein günstiges Hotel in der Nähe sei, wollte ich als nächstes wissen. Der Rezeptionist tippte ziemlich lange an seinem Telefon herum und war dem Anschein nach kurz davor, uns eine Antwort zu geben, als sein Telefon klingelte. Er nahm ab, unterhielt sich kurz und streckte uns dann ein Formular entgegen, wo wir Namen und Passnummer aufschreiben sollten.

Wir konnten doch hier bleiben, denn jemand hatte soeben telefonisch eine Reservierung storniert. Puh, nochmals Glück gehabt. Denn jetzt nochmals in die Dunkelheit raus und auf die Suche nach einem Hotel, welches bestimmt einiges teurer gewesen wäre als das Lehrerhaus, darauf hatte ich wirklich keine Lust. Es war zwar nicht mehr ganz so kalt wie gestern, aber hier bleiben war definitv die beste Option. Manchmal braucht’s eben auch eine Portion Glück im Leben.


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