Nordchinesische Tiefebene

Wieder einmal nach einer zu kurzen Nacht sind wir heute am Morgen nochmals von Gufu’s Kochkünsten verwöhnt worden, bevor wir um kurz nach halb neun losgefahren sind.

Schon vor der Abfahrt war es heiss und schweisstreibend, doch auf dem Fahrrad mit Fahrtwind fühlte ich mich auch heute ganz wohl.

Nach Luohe gab Amap – das chinesische GoogleMaps – drei Optionen vor, wobei wir diesmal auf Wunsch von Wenxin die längste wählten. Der Unterschied zur kürzesten war etwa dreieinhalb Kilometer. Dies, weil er durch die Heimatstadt der Vorfahren seines Grossvaters mütterlicherseits fahren wollte, von denen sie ihren Nachnamen erhalten hatten.

Wir sind nun definitiv in der nordchinesischen Tiefebene angekommen und auf den restlichen etwas mehr als 900 Kilometern gibt’s keine Berge und damit auch keine längeren Anstiege mehr.

Ich fahre nun so entspannt, dass ich mich heute fragte, ob das überhaupt noch Sport ist – wieder mal mein Oberstübchen, welches mir weis machen will, dass ich mich mehr anstrengen soll. Ich lehnte dankend ab und genoss es einfach. Es fühlt sich nun wirklich wie ein gemütliches Ausfahren an und das ist auch gut so.

Ein bisschen heiss fühlten sich die 35 bis 36 Grad dann trotz sehr entspannter Fahrweise doch noch an, da kam Jiahu-Ruinenmuseum mit seinen klimatisierten Räumen gerade recht für eine Abkühlung. Hier wurde uns eine der frühesten neolithischen Siedlungen Henans gezeigt welche als wichtige Keimzelle der chinesischen Zivilisation gilt. Insbesondere die weltweit ältesten spielbaren Musikinstrumente – 9000 Jahre alte Flöten aus den Beinknochen des Kranichs – sind weltberühmt und werden zu den Ursprüngen der «Kultur der Riten und Musik», einem wichtigen Pfeiler der chinesischen Kultur, gezählt.

Nach dem Museum war es dann nicht mehr weit bis zum «besten Hotel Luohes», wo wir kurz nach 14 Uhr ankamen. Der erste Eindruck der Stadt war dabei äusserst positiv: sehr sauber, landschaftlich schön mit einem tollen Park am Fluss mit klarem Wasser und ausserdem bot unser Zimmer im 20. Stock eine tolle Aussicht auf die Umgebung.

Meine gute Freundin Yanan, die nun in Singapur lebt, stammt von Luohe und da ich in Xinjiang auf unserer gemeinsamen Reise ihren Vater kennengelernt hatte, fragte ich bei ihr nach, ob es wohl angemessen sei, ihren Vater hier zu treffen. Sie organisierte nicht nur das Treffen sondern buchte und bezahlte auch gleich das Hotel für uns. Als ich fast sprachlos meinte das wäre überhaupt nicht meine Absicht gewesen meinte sie nur «aber meine Absicht ist, dass du im besten Hotel meiner Heimatstadt wohnst». Vielen herzlichen Dank!

Nach der Ankunft holten wir zuerst das Mittagessen nach, wobei wir gespannt auf die anscheinend beliebten «Re Gan Mian» (heisse trockene Nudeln) waren. Schon unterwegs sahen wir überall Nudelrestaurants mit diesem Namen und in der Stadt noch viele mehr. Die Nudeln waren dann auch tatsächlich sehr lecker.

Nach etwas ausruhen im Hotel trafen wir dann Yanans Vater sowie ihren Bruder mit Familie zum Abendessen. Vielen Dank für das leckere Essen und eure geschätzte Gesellschaft.


2 Kommentare zu «Tag 135 – Pingdingshan – Luohe (81.18 km / 297 hm)»

  1. Avatar von Yanan
    Yanan

    So happy that you like my hometown!

    1. Avatar von Jonas Müller

      You did a lot to make sure we like it 😉

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