Von den Schwiegereltern zu Tante und Onkel

Heute morgen hiess es schon Abschied nehmen von Jiabin’s Familie. Dieser Abschied fiel etwas leichter dank meinem Plan, nach der Ankunft in Schanghai mit Jiabin zusammen nochmals hierher zurück zu kommen.

Nach einem leckeren Frühstück fuhren wir um kurz nach halb Acht los. Der Wetterbericht prophezeite auch für heute nochmals aushaltbare Temperaturen um die 35, 36 Grad, von daher war ein super früher Start nicht nötig. Auf der kurzen Etappe vorgestern waren meine Beine von Anfang an etwas müde, das war heute anders: Nach dem Ruhetag fühlten sie sich wieder frisch und leicht an.

So kurbelte ich locker die ersten beiden Steigungen hoch, bevor die Strasse hauptsächlich leicht abfallend war bis Pingdingshan.

Nach den beiden Anstiegen ging’s zuerst auf kleinen Strassen durch kleine Dörfer und dann auf einer etwas grösseren Strasse durch Kohleabbau-Gebiet, was ziemlich schmutzig war. Wenxin mag – oder braucht – ein warmes Mittagessen und so stoppten wir bei einem Restaurant entlang der Route. Das mit den veganen Nudeln hat dabei nicht wirklich geklappt. Obwohl Wenxin und ich beide nachfragten und die Antwort erhielten, dass die Zubereitung ohne Fleisch kein Problem sei, enthielten meine Nudeln verklumptes Blut. Ich meinte, alles herausgenommen zu haben, doch so einfach war das nicht und der Geschmack der Suppe war definitiv stark beeinflusst. Das konnte ich fast nicht essen, denn diesen Geschmack mochte ich schon nicht, als ich noch Fleisch ass. Mir wurde fast übel davon und ich überliess den grössten Teil meiner Nudeln Wenxin. Besser wäre wohl gewesen eine neue Portion zu bestellen.

Nachdem die Geschwindigkeit aufgrund der Höhenmeter anfangs sehr langsam war, rollte es nun super Richtung Südosten, auch wenn zeitweise etwas Gegenwind war. Der Wind kühlte immerhin und so fühlte es sich bis zum Schluss gar nie so richtig heiss an, auch wenn es 34 bis 35 Grad warm war.

Leider fanden wir die Wohnung von Gugu (Tante väterlicherseits) nicht auf Anhieb, da die Adresse nicht ganz stimmte, doch nach einem Telefonanruf fanden wir dann Gugu um 16:40 doch noch. Sie empfing uns äusserst freudig zusammen mit ihrer Nichte Lü Qing und wir stiegen in ihre Wohnung im 7. Stock hoch – Lift gibt’s keinen. Gufu – Gugus Mann – war bereits am kochen, doch zuerst gab’s kühlen Tee, Früchte und eine erfrischende Dusche.

Danach assen wir zusammen, wobei hier auch die Trinkkultur Chinas zum spielen kam. Statt Alkohol trank ich Tee, den 38 prozentigen Reiswein überliess ich den anderen, wobei vor allem Gufu und Wenxin kräftig zulangten und Gugu und Lü Qing sich eher zurückhielten.

Nach dem Essen bestaunten wir den urbanen Garten auf dem Dach, wo Gugu und Gufu allerlei Gemüse und Früchte anbauen. Ein Vorteil, im höchsten Stock des Gebäudes zu wohnen, denn dadurch gehört auch das Flachdach zur Wohnung. Hier sahen wir Tomaten, Gurken, Trauben, Wassermelonen und noch jede Menge weitere Pflanzen. Echt unglaublich, was hier mitten in der Stadt alles spriesst und gedeiht. Eine Wassermelone durften wir gleich pflücken und wieder zurück in der Wohnung verspeisen. So süss wie diese war bis jetzt noch keine Wassermelone auf meiner Reise.

Schön, sich schon wieder wie zu Hause zu fühlen und so gibt’s morgen nach dem gestrigen bereits wieder einen Ruhetag und damit Zeit mit Gugu und Gufu zusammen zu sein.


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