In Henan angekommen und Wenxin getroffen
Heute habe ich nicht den Nachtzug nach Chengdu sondern das Fahrrad nach Sanmenxia genommen. Als ich kurz nach sieben losgefahren bin war es 26 Grad «kühl» – es hatte in der Nacht geregnet und fühlte sich tatsächlich frisch an verglichen mit gestern. Nach einigen hundert Metern erfolgte der erste Boxenstopp und ich deckte mich mit Frühstück ein.
Gegessen hatte ich die Baozi erst nach knapp 20 km, als ich zurück am Gelben Fluss war. Und nun war ich auch in der Henan-Provinz, der Heimat von Jiabin, angekommen. Bis zu ihrer Heimatstadt Luoyang ist es ebenfalls nicht mehr so weit.
Nach der Pause folgte ich zuerst einer Parallelstrasse, ich dachte so etwas weniger Verkehr zu haben, doch bald kam ich zu einem verschlossenen Tor und musste umkehren.
Wenige Kilometer später war eine Unterführung voll mit Wasser gefüllt, doch Lastwagen fuhren trotzdem durch. Also fuhr ich ebenfalls durch. Das Wasser war aber ziemlich tief und mit trockenen Schuhen durchzukommen nicht möglich – immerhin wurde dank meinen Klick-Pedalen nur ein Schuh nass. Nur wenige Kilometer später nochmals dasselbe – hier muss es letzte Nacht wirklich stark geregnet haben.
Danach folgten abwechslungsweise kleinere und grössere Strasse und es ging ständig auf und ab. Dabei traf ich zwei Chinesen, die offen ihre Begeisterung zeigten, dass ich von der Schweiz bis hierher gefahren war. Sie selber sind auf dem Weg nach Tibet und werden auf der G318 fahren, auf welcher Jiabin und ich vor zwölf Jahren den Anfang ab Chengdu gefahren sind.
Die Aufstiege fühlten sich wieder sehr heiss an, ansonsten ging’s mit der Temperatur aber sehr gut. Trinken musste ich trozdem viel. Bei einer Gas-Tankstelle wollte ich etwas zu trinken kaufen, doch da war gar kein Laden – ich durfte aber meine Flasche am Wasserspender auffüllen und wurde sogar noch eingeladen ein wenig auf der Couch im klimatisierten Raum zu verweilen. Einladung angenommen.
Danach war es nicht mehr weit bis Sanmenxia, eine Stadt, die sich für mich riesig anfühlte. Es leben schliesslich auch zwei Millionen hier in der westlichsten Stadt Henans. Henan heisst übrigens so viel wie «südlich des Flusses», was sich auf den Gelben Fluss bezieht.
Beim Hotel angekommen erwartete mich bereits Wenxin, welchen Jiabin und ich auf der erwähnten Fahrradreise auf der G318 Richtung Lahsa kennengelernt hatten. Als ich ihm vor ein paar Monaten von meiner Reise erzählte meinte er sofort, er würde in China ein Stück mit mir zusammen fahren. Nun war er also hier und wenn nichts dazwischen kommt, fährt er mit mir bis Schanghai! Zum Glück hat er als Lehrer genügend Ferien. Als es darum ging, wo wir uns treffen, war ich etwas erstaunt, dass er mir nicht weiter entgegen kommt, denn seine Ferien haben schon vor mehr als einer Woche angefangen. Er meinte er müsse zuerst zu Hause ein paar Dinge erledigen und brauche dann ein paar Tage. Erstaunt fragte ich, ob er denn mit dem Fahrrad von zu Hause aus fahre, worauf er nur erwiderte: «Natürlich fahre ich mit dem Fahrrad» – 354 Kilometer im Sattel sind’s geworden bis hier. Die Antwort hätte von mir stammen können.



























Schreiben Sie einen Kommentar