Am Fusse des Huashan
Nach einer kurzen Nacht bin ich heute Morgeb um kurz nach halb acht losgefahren – und da war es bereits feucht-heisse 28 Grad, ausserdem hatte ich Gegenwind. Der kühlte aber nicht wirköich sondern fühlte sich eher wie ein Heissluftföhn an.
Anfangs war ich auf der G310 ganz ohne Schatten und die Sonne ist auch am Morgen schon ganz schön stark. Nach etwa 20 Kilometern fand ich mich in einem Städtchen wieder wo es schattenspendende Bäume hatte und ich auch das Frühstück nachholte: Baozi – gedämpfte gefüllte Brötchen.
Danach ging’s nicht mehr lange auf der grossen Strasse weiter, sondern durch typische kleine chinesische Dörfer – ein Haus ans andere gebaut – und immer wieder ein wenig im Schatten.
Heute fühlte es sich deutlich heisser an als gestern, auch wenn der Temperaturunterschied gar nicht so gross war. Ich war bald komplett durchgeschwitzt und tropfte wie eine Klimaanlage. Jede kleine Steigung oder ein Anhalten beim Lichtsignal liess die gefühlte Temperatur in die höhe steigen. So war ich ganz glücklich, um 12:43 bei 36 Grad bei meinem Hotel angekommen zu sein.
Aufgrund der kurzen Nacht radelte ich eine etwas kürzere Etappe und bin nun wieder planmässig unterwegs, nachdem ich in den letzten Tagen immer etwas weiter gekommen bin als ursprünglich geplant. Das passt und morgen soll es wieder etwas weniger heiss werden, vielleicht sogar leicht regnen – viel nasser als heute werde ich aber kaum werden.
Nachdem ich mich am Nachmittag ausgeruht hatte ging ich am Abend in ein Restaurant etwas essen. Beim verlassen des Hotels fühlte es sich an, als ob ich eine Sauna betrete, zum Glück war der Weg nicht weit. Das essen war dann auch sehr lecker und ich erinnerte mich daran, wie wichtig für chinesische Leute beim Reisen das essen ist. Wenn sie darüber reden, in welcher Stadt sie waren, kommt sofort die Frage, ob sie denn die dortigen so-und-so Nudeln lecker gefunden haben. Es scheint als ob das erste was man über eine Stadt lernt die lokalen Spezialitäten sind.
Ich bin nun am Fusse des Berges Huashan angekommen, in China einer der berühmtesten Ausflugs-Berge. 2014 war ich mit Jiabin hier, als wir uns noch kein halbes Jahr kannten. Das war die Geschichte mit der 13-stündigen Wanderung und anschliessendem Nachtzug: Wir hatten das Geld für die Seilbahn, welche für die Runterfahrt geplant gewesen wäre im Gepäck in der Gepäckaufbewahrung vergessen und mussten nach acht Stunden hoch noch weitere fünf Stunden den Berg runter wandern. Doch der «beste» Teil war dann, dass wir für den geplanten Nachtzug nach Chengdu nur einen Schlafplatz erhalten konnten und der Zufall es wollte, dass ich diesen kriegte und Jiabin sich mit einem Stehticket abfinden musste. Nach 13 Stunden Wanderung die ganze Nacht im vollgestopften Zug stehen ist schon ziemlich übel. Erst am Morgen um sieben wurden die Türen zwischen den Wagen geöffnet und Jiabin konnte sich endlich auch noch ein wenig auf dem Schlafplatz ausruhen, bevor wir kurz vor Mittag in Chengdu ankamen (und von dort die gestern erwähnte Fahrradreise machten, auf der wir Dongcui kennenlernten). Wie Jiabin das wegsteckte und sich kein bisschen beklagte hatte mir extrem imponiert. Ich fühlte mich natürlich unglaublich schlecht, dass ich ihr das Übel nicht abnehmen konnte, auch wenn es nicht mein Fehler war. Doch schlussendlich wurde es zu einem prägenden Erlebnis unserer Beziehung, das wir nie vergessen werden.
Ich bin nun also im Zentrum von China angelangt und werde in wenigen Tagen bei meinen Schwiegereltern ankommen. Damit nähere ich mich unweigerlich dem Ende meiner Reise. Ich geniesse es noch in vollen Zügen, solange ich kann, z.B. das leckere Essen.















Schreiben Sie einen Kommentar